Noch im Dezember 25 ist diese kleine Serie mit 8 Episoden zu je 30 Minuten erschienen. Autor ist Gregor Schmalzried, der mit Mia Insomnia bereits eine erfolgreiche Reihe für die Kasettenkinder veröffentlicht hat. Offenbar handelt es sich um eine originäre ARD Produktion. Der Anspruch ist hoch: „Eure neue Lieblingsserie in acht Folgen vom Erfolgsautor Gregor Schmalzried – zum Mitfiebern, Locked In Crime mit mystery-gruseligen Twists.“
Inhalt
Abschiedsfeier auf dem einsam gelegenen Chalet Alma. Es liegt hoch auf dem Berg und ist nur über eine Gondel zu erreichen. Besitzer ist die steinreiche Familie Mancini. Ihre Tochter Charlotte hat ihre besten Freunde hierher eingeladen, weil sie in den nächsten Tagen Marco heiraten wird, der dank Bitcoin auch reich ist. 7 Personen werden sie sein. Doch am Tag der Anreise verschlechtert sich das Wetter extrem. Bonnie, die beste Freundin von Charlotte und Trauzeugin ist die letzte die noch hochkommt. Dann geht gar nichts mehr. Man kann nicht mal mehr vor die Tür gehen. Kein Internet, aber Strom und Heizung tun. Doch kurz vor Bonnies Ankunft wurde Marco erdolcht. Als Täter kommt nur einer der 6 Anwesenden in Frage. Als Unverdächtige übernimmt Bonnie die Rolle der Detektivin und trifft auf eine Wand voller Lügen, Verdächtigungen und Selbstverleugnung dieser jungen, reichen, hippen Menschen. Und dann gibt es noch einen Mordversuch auf Charlotte. Pünktlich mit Einsatz des guten Wetters gelingt Boniie die Klärung. Sie raubt ihr allerdings sämtliche Illusionen.
Das Hörspiel
Der Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit betrifft schon die Wahrnehmung der ARD. Gregor Schmalzried hat mit Mia insomnia gerade mal einen Podcast geschrieben, dessen Daten auf Spotify die Wertung als Erfolgsautor nicht unbedingt zulassen.
Die Zielgruppe des Hörspiels ist mit Generation Z klar benannt. Der Hörer sollte sich also auf ähs, langgezogene okays und reichlich englische Wendungen einstellen. So stellt sich jedenfalls der Autor die Welt der Schönen und Reichen und ganz schön Reichen vor. Bonnie tritt als Erzählerin auf und der Hörer folgt ihren Ermittlungen. Jede Episode beginnt mit einem kleinen Rückblick aus ihrer Sicht und stellt dann einen Verdächtigen in den Mittelpunkt, der im Titel der Episode erscheint. Ein Prinzip das Apple schon in der 8-teiligen Fernsehserie „Where´s Wanda“ verwendet hat. Die Konstruktion ist also klassisch locked-in. Wer also ist der Täter oder die Täterin? Nur Einer oder sogar 2 der 6 kommen in Frage. Gelegenheiten zur Tat gab es für alle, also geht es um die Suche nach dem Motiv. Und die zieht sich. Diese hippen Reichen lügen, widersprechen sich und suchen nach eigenen Vorteilen. Und der Autor findet immer noch ein neues Türchen: Plötzlich gibt es einen unterirdischen Gang, unentdeckte Räume etc. Also reichlich z.T. gruselige Twists (ehemals: Wendungen), aber keine Chance für den Hörer zu folgen. Spätestens ab Episode 3 wiederholt sich bis zur Episode 8(Auflösung) das Muster. By the way: Musik und Sound treffen die Atmosphäre bestens. Da gibt so ein Unwetter auch einiges her, der Hörer fröstelt beim Zuhören. Lediglich Bonnie kommt dem Hörer etwas nahe. Die altersaffinen Sprecher machen den Job solide. Was wohl auch so gewünscht ist. Denn der Autor hält dem Hörer den Spiegel vor: Wie bist du? Wie soll dein Leben sein? Welche Zukunft wünscht du dir? Ein Blick in das Innere. Der auch schon mal frösteln lässt. Vor fast 60 Jahren hat Wolf Biermann in einem Lied für seine Generation gesungen: „Du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit“.
Fazit
Dieser Hörspiel-Podcast ist schon speziell und bedient die Hörgewohnheiten junger Menschen. Nicht spannend im Sinne eines Krimis und häufig arg weit hergeholt. Da geht das gut gemeinte Anliegen eher unter.
Wertung 70 %
Dauer 8 Episoden
Verfügbarkeit
ARD Audiothek

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