Sonntag, 9. August 2026

Grow - Tiefer kann ein Radio Tatort kaum fallen


© ARD / Jürgen Frey



Der Schweizer Rundfunk öffnet nun zum fünften Mal mit seinem neuen Tatort, das Tor in die nahe Zukunft. Autor ist wie gewohnt Dominik Bernet, Regie führte Mark Ginzler. Protagonisten sind die Ex-Kommissarin Laura Martini und ihr Ex-Chef Luzy Kalberer, inzwischen Chef des allmächtigen Swiss Health Institut, kurz SHI. Die beiden waren zunächst spinnefeind, bis sie mehr und mehr Vertrauen zueinander fanden und zuletzt gemeinsam agierten. Die Handlung spielt immer um 2056 irgendwo in der Schweiz.

Inhalt

Grow: DAS Schweizer Unternehmen mit seinem Haarmittel eines der reichsten Unternehmen der Schweiz und der Welt. Seinen Firmen- und Produktionssitz hat es an einem der letzten Gletscher der Alpen. Weil der wichtigste, geheime Rohstoff aus dem Gletscher stammt. Nach der Vision des Gründers wird dort in Hightech-Jurten gelebt und gearbeitet. Und dann stirbt dieser Haarwuchsmittel-Milliardär Toni Rose in seiner geliebten und vertrauten Eisgrotte. Ausgerechnet. Aber Morde gibt es in der Schweiz nicht mehr. Laura und Luzy fliegen mit einer Drohne zum Gletscher, um vor Ort Klärung zu suchen. Dort finden sie sich in einer verschwiegenen, teils esoterischen Gemeinschaft wieder. Tonis Bruder Rose hat inzwischen die Leitung übernommen und macht weiter wie bisher. Unterstützt vom Hologrammklon des toten Bruders. Vera und Klara, die beiden Frauen im Leben des Milliardärs beäugen sich skeptisch und widerwillig. Heimlich lassen Laura und Luzy eine Obduktion machen. Kommen sie einem Mord auf die Spur? Hat sich der Tote absichtlich klonen lassen?

Das Hörspiel

Das Hörspiel ist ein Grauen. Tiefer kann man nicht fallen. Sicher, jede Menge tolle Effekte, gute Sprecher und viel Atmosphäre mit Musik. Aber die Handlung ist hanebüchen. Wie wird man denn mit einem Haarwuchsmittel steinreich? Nach gut 30 Minuten beginnt überhaupt erst etwas Handlung. Ansonsten wird permanent gekichert. Der Autor schleudert dem Hörer einen Sprachwitz nach dem anderen zu. Die sind aber nicht witzig, sondern plump. Auch möchte der Autor dem Hörer seinen Kenntnisreichtum von Geschichte, Literatur und Musik vorführen. Außer der Obduktion besteht das Hörspiel nur aus Dialogen. Die Figuren sind allesamt ohne erkennbaren Charakter. Luzy und Laura sind brav geworden. Das Anliegen des Autors ist ja richtig: Er warnt vor einer Zukunft, die von der KI und allgegenwärtigen Regierungen. Und vor Konzernen, die aus Scheiße Geld machen.

Fazit

Ein Ausrutscher dieser tollen Redaktion, die hiermit einen Schlußstrich unter die Reihe setzen sollte.

Dauer                       ca. 55 Minuten

Wertung                   40 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds und SRF (dort mit Downloadfunktion)

 

Samstag, 1. August 2026

Hologrammatica- Wie Scifi und wirkliches Leben sich verbinden

 

Buchcover


Tom Hillenbrand ist ein erfolgreiche Krimi-und Scifi-Autor. Seine Krimis aus der Welt des Koches wurden unlängst in ARD Sounds erneut gesendet. Seit einigen Jahren schreibt Krimis in der Scifi-Welt und inzwischen bei einem dritten Buch angekommen. Hologrammatica mit gut 520 Seiten war 2018 sein Einstieg in diese Welt und hat inzwischen die dritte Auflage erreicht. Der Deutschlandfunk Kultur hat dies Buch nun in eine 9-teilige Hörspielserie gepackt.

Inhalt

Wir haben das Jahr 2088 und eine völlig andere Welt. Protagonist dieser Episoden ist Galahad Singh. Sein reicher Vater ist Eigentümer des Alternativ-Unternehmens Avalon. Galahad hat damit nichts im Sinn. Er arbeitet als Quästor, eine Art Privatdetektiv. Dabei wird er von Sid, seiner digitalen Assistentin unterstützt. Galahad bekommt den Auftrag Juliette Perotte zu suchen. Perotte ist eine wichtige IT-Spezialisten in einem der bedeutendsten Unternehmen der Welt. Galahads Spurensuche schickt ihn in durch die ganze Welt und Galaxien. Er hat mit ganz normalen Menschen zu tun, mit digitalen Körpern und Scheinwelten. Diese Menschen können ihren Körper und Gehirne konservieren und bei Bedarf wieder uploaden. Mit jedem Schritt, der Galahad auf eine Spur führt, wird es gefährlicher und komplizierter.  Es geht um Konzerne, die die Weltmacht anstreben, aber auch um Menschen, die das bißchen „alte Erde“ noch retten wollen. Dabei kommt es zu High-Tech-Schlachten, aber auch zu heftigen Schlägereien. Wird es am Ende alles gut oder ist es noch nicht das Ende? Jede Episode erhält die Spannung aufrecht.

Das Hörspiel

Wir haben es hier mit Scifi zu tun und der Hörer muss sich etwas in die Welt der Cogits und Quantshineindenken. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sich die Begriffsliste des Buches kopieren. Im Übrigen ist alles gut verständlich und nachvollziehbar. Die Episoden sind in sich abgeschlossen, haben eine kleine Einführung und meist einen Cliff-Hanger. Kompliment an die Bearbeitung. Galahad ist der Sympathie-Träger, dem nichts Menschliches fremd ist. Z.B. eine Liebesgeschichte mit dem/der Fran. Oder die Flachsereien mit der niedlichen Sid. Galahad ist der klassischen Private Eye, der sich um Aufklärung bemüht und dabei mit der dunkle Seite der Macht in Konflikt gerät. Die Serie erinnert stark an die großen Filmepen mit Guten und Bösen, Starken und Schwachen, Menschen und Medien, große und kleine Familienkonflikte. Alles gerade in der richtigen Mischung kombiniert. Selbstredend tauchen dann beim Hörer die Fragen auf: Wie wollen wir leben, wie gehen wir mit modernsten Technologien um. Trotz der Modernismen ist die Sprache immer gut nachvollziehbar mit wunderschönen Sätzen von hochklassigen Sprechern inszeniert. Galahad kommentiert gelegentlich als Ich-Erzähler. In den späteren Folgen gibt es parallele Handlungen und der Hörer muss aufpassen, nicht den Faden zu verlieren. Musik und Geräuschkulissen ergänzen jeweils die Hörsituation passend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen

Fazit

Wer sich auf die Scifi – Welt einlässt, erlebt einen hochklassigen Krimi. Wunderschön geschrieben und gelegentlich witzig.

Dauer                        9 Episoden je ca. 45 Minuten

Wertung                   90 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grow - Tiefer kann ein Radio Tatort kaum fallen

© ARD / Jürgen Frey Der Schweizer Rundfunk öffnet nun zum fünften Mal mit seinem neuen Tatort, das Tor in die nahe Zukunft. Autor ist wie ge...