Sonntag, 24. Mai 2026

Blasted – gut gemeinter Holzhammer

 

© ARD / Jürgen Frey



Der ARD Radio-Tatort „Blasted” ist die sechste Episode mit der Privatermittlerin Yanina Adler und dem Polizeikommissar Ünal Tekin. Als Autoren wechseln sich Su Turhan und Katja Röder ab.  Bisher ist es diesem Team noch nicht gelungen, eine ähnliche Popularität zu erzielen wie ihre Vorgänger.

Inhalt

München, ein lauer Sommerabend an der Isar. Zeit für ein gemütlichen Umtrunk. Doch Noah tritt auf eine Art Mine und wird über und über mit Farbe bombardiert. Sonst nichts. Um seinen seelischen Schaden zu beheben, bittet er Yanina Adler um Nachforschungen. Die stellt schnell fest, dass hier kein Einzelfall vorliegt, wie Kommissar Ünal Tekin bestätigt. Auch im Freibad geht eine Farbbombe hoch. Gut, das mit Dr. Erika Neska gerade die Expertin der weltweit führenden NGO vor Ort ist. Sie wirbt auf einer Spendengala für ihre Aktionen gegen Landminen. Kann eine NGO auf so eine Idee kommen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen? Oder geht es gegen eine Münchner Firma, die Zünder für Landminen herstellt? Alles heikle Themen und schnell nehmen LKA und BKA Tekin das Heft aus der Hand. Also Türen auf für die kontaktfreudige Yanina, die den Chefingenieur der Firma unter die Lupe nimmt sowie die Mitarbeiter der NGO. Gibt es hier kleine Scharmützel um Aufmerksamkeit oder steht ein Bombeninferno in der Weltstadt bevor?

 

Das Hörspiel

Selten offenbart ein Radio-Tatort sein Anliegen so direkt: Die Ächtung von Landminen, unter deren Folgen Menschen in aller Welt noch jahrzehntelang nach Ende eines Konfliktes leiden. Körperlich und seelisch. Die zugespitzte Konstruktion wird durch ein überschaubares Umfeld ergänzt: Yanina und Tekin gegen LKA und BKA, NGO gegen Hersteller, oben gegen unten in der NGO. Alles zügig und ohne Längen inszeniert. Für Musik ist bei den grauenhaften Gedanken kein Platz. Der an sich schon beunruhigende Gedanke wird durch Einblendungen von Nachrichten über reale Explosionen verstärkt.  Eine Klasse für sich ist die undurchsichtige Rolle der Dr. Erika Neska. Veronika Trautmannsdorf spielt mit ihrem Wiener Schmäh in einer Klasse für sich. Trotz überschaubarer Verdächtiger bleiben der/die Täter bis zu einem Show-Down unklar. Es lohnt auch, genau zuzuhören. Dem Autor gelingen immer wieder wunderbare Formulierungen. Leider wird aber alles sehr grobschlächtig und vereinfachend abgehandelt nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. 

Fazit 

Ein bemerkenswert politischer Tatort, dessen Anliegen durch mehr Realitätsnähe durchdringender wäre.

Wertung             75 %

Dauer                 57 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

Sonntag, 17. Mai 2026

Otternwalde – Ein spannendes Hörvergnügen

Erstellt mit AI ChatGPT



Kriminalkomödien haben keinen leichten Stand. Dem einen zu seicht, dem andren nicht witzig genug. Der routinierte Autor und Regisseur Sebastian Hocke wagt sich mit „Otternwalde“ munter in dieses Genre und holt sich Top-Sprecher zur Seite.

Inhalt


Rita Kommander, eine junge Unternehmerin aus dem Ruhrpott, reist mißmutig nach Otternwalde, ein Kaff am Grüntieflinger See. Berühmt für seinen Vulkansee und das darin lebende Seeungeheuer Otti. Aber Rita sucht ihren Bruder, der dort die letzten Wochen auf einem Hausboot gelebt und gearbeitet hat. Er produzierte einen Podcast. Konstantin ist das schwarze Schaf der Familie. Ihre Mutter liegt im Sterben und will ihr Erbe regeln. Dazu brauchen sie Konstantin. Doch der ist ohne jede Spur verschwunden.  Die Dorfbewohner verdächtigen sofort Otti und erinnern an viele vergleichbare Vorfälle. Also ermittelt die tatsachenverbundene Rita auf eigene Faust. Unterstützung hat sie nur vom Kryptozoologen Öczan, der Otti-Spezialist. Ein netter, unkomplizierter Kerl. Als sie die bisherigen Folgen des Podcast anhört, stutzt sie. Wieso vertieft sich ihr Bruder in die Zeit vor fast 40 Jahren? Damals war Otternwalde ein Sägewerk mit Einwohnern, nicht das blühende Touristendort mit einem tollen Hotel und Otti als USP. Und dann gibt es plötzlich einen Beweis: Ein Fuß wird an den Stand gespült. Konstantins? Die Ereignisse überschlagen sich.

Das Hörspiel


Die gespielte Zeit umfasst nur wenige Nächte. Das Hörspiel nimmt die Perspektive von Rita ein, die auch immer wieder kommentiert. Neben ihr spielen noch eine Reihe von Charakterköpfen mit: Die locker-flockige Kommissarin, der schräge Kryptozoologe oder der etwas geheimisvolle Bootsmann. Nie ins Lächerliche gezogen. Wie überhaupt der Krimi alle möglichen Absurditäten erzählt, als seien sie normal. Irgendwann ahnt der Hörer, dass hier etwas nicht stimmt und die Spannung steigt, bis am Ende alles auf eine sehr irdische Antwort zusteuert. Dabei wird aber das Hausboot, in dem Rita zuletzt gewohnt hat, abgefackelt. Die Sprecher überziehen nie ihre Rollen. Wie immer ist Lou Strenger als Rita eine eigene Klasse. Die Rolle der Kommissarin ist ein Kunststück für sich. See, Boote, Wald etc. bieten ein hörenswerte Soundkulisse. Wie es sich für einen Urlaubsort gehört, gibt es weder Hektik noch Langeweile. Bei aller Komödie ist doch auch Kritik an der Tourismusindustrie, ständige Aufgeregtheit und überflüssigen Podcasts nicht zu überhören.

Fazit

Ein großes Hörvergnügen für Nicht-Puristen, besonders für Liebhaber der Sprechkunst.

Wertung                 90 %

Dauer                    58 min

Verfügbarkeit        ARD Sounds

 

  

Blasted – gut gemeinter Holzhammer

  © ARD / Jürgen Frey Der ARD Radio-Tatort „Blasted” ist die sechste Episode mit der Privatermittlerin Yanina Adler und dem Polizeikommissar...