Mittwoch, 21. Oktober 2026

Gruß aus der Küche – Krimigroteske für Dummies

 

Erstellt mit AI


Eine Überraschung: Der WDR veröffentlicht Frühherbst 2026 ein Hörspiel einer jungen, unbekannten Autorin: Sarah Claire Wray, die sich auch gleich an die Regie wagt. Zudem löst sich der WDR mit einer Spieldauer von 47 Minuten vom klassischen Zeitformat. Die Latte liegt hoch: „Gruß aus der Küche“ muss sich mit so namhaften Autoren wie Tom Hillenbrand und Robert Brack messen, die bereits Krimis in der Welt der Sterne-Küche geschrieben haben. 

Inhalt

Gymmi ist Auszubildende im Sternelokal „Echtzeit“. Knüppelharte Arbeit, rauer Umgangston und einen Ekel als Chef. Aber genau das war schon immer ihr Traum. Der Eigentümer und Chef Nils ist ehrgeizig und strebt einen weiteren Stern hat. Hart, aber auch eine tolle Herausforderung für das Team, weil es anders nicht klappen kann. Die Sous-Chefin Milena hat jedenfalls immer ein offenes Ohr für Gymmi. Doch dann fehlt Milena mehrere Tage. Erst spät ist sie für Gymmi erreichbar und hat eine beunruhigende Nachricht. Sie hat Nils beobachtet wie er etwas vertuscht. Etwas was die Existenz des Lokals und des gesamten Teams gefährdet. Wie soll sie mit dieser Info umgehen? Wenn der Verdacht falsch ist, bekommt sie die Schuld. Doch Gymmi und Milenna machen sie erst mal schlau. Wie ist Nils an das Lokal gekommen? Wo hat er seine Erfahrungen gesammelt? Für die beiden wird es ein Tanz auf dem Vulkan. Ständig Neugier und Risiko abwägen. Erst der Besuch in einem Altenheim birgt Neuigkeiten.

Das Hörspiel

Das Hörspiel bildet den Mikrokosmos Teamarbeit im Sternelokal intensiv ab. Ständiger Druck, Befehl und Gehorsam. Das geht allerdings bis zur Persiflage, wenn das Team ständig im Chor jubelt: „Jawohl Nils“ oder ähnliches. Aber menschlich bleiben alle Personen flach und eher charakterlos, was den Sprechern das Leben schwer macht. Die Story wird zügig erzählt, der Hörer folgt über weite Strecken den Ich-Erzählungen von Gymmi. Allerdings ist dann der Plot derart platt, dass der Hörer diesen vermeintlichen Krimi nur als Groteske wahrnehmen kann. Das hätte jeder Oberstufenlehrer als banale Plattheit zurückgehen lassen. Thema verfehlt.

Fazit

Hier wird die Redaktion zum Fürsorgeteam für junge Autoren und nicht Kurator des Hörers. Schade um die Zeit.

Wertung            60 %

Dauer                 ca. 47 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 11. Oktober 2026

Einer von uns – Ein wundervoller Lauschgenuß

 

© ARD / Jürgen Frey


Der 214. Radio-Tatort ist bereits der 22. Fall des Hammer Teams. Bei einer solchen Serienproduktion bleiben Hochs und Tiefs nicht aus. Phänomal ist aber, dass die vier Ur-Typen aus dem Looser Team Hamm immer noch lauschenswert sind: Den Sprechern Uwe Ochsenknecht (Scholz), Matthias Leja (Lenz), Christine Prayon (Ditters) und der unnachahmbare Söhnke Möhring (Latotzke), der im Fernsehen gerne von seinem Bruder verdrängt wird, gebührt höchstes Lob. Kein Tatort-Autor ist so ideenreich, sprachgewaltig und immer auch selbstironisch wie Dirk Schmidt. Da freut man sich auf jedes neue Werk.

Inhalt

Das Hammer Team der Kripo setzt sich aus Loosern zusammen. Keiner geht freiwillig nach Hamm. Jeder hat seine Schwächen, aber auch Stärken. Alle vier stürzen sich auf einen neuen Mordfall. Benno, der legendäre Spürhund, wurde erschossen. Benno kann in wenigen Sekunden Drogen und Datenträger erschnuppern. Aber sein Hundeführer Kilian Dalberg ist auch verschwunden. War Dalberg das eigentliche Ziel von Drogendealern? Darauf deuten auch Hinweise seiner engen Kollegin Gülce: Dalberg hat wohl selbst gedealt.  Tapfer nehmen die Vier ihre Ermittlungen auf: Latotzke telefoniert mit Kumpels, Ditters geht seine letzten Tage durch und findet eine heiße Spur. Auf einer seiner Touren mit Benno hat Dalberg einem IT-Spezialisten für Datensicherheit das Haus gerettet. Er hatte ein Feuer an der Gartenhütte entdeckt und ihn gewarnt. Benno, IT und Datenträger. War da was? Steckt da was ganz Großes dahinter?  Sie sind entschlossen, hier das ganz große Ding zu drehen und bereiten einen nächtlichen Einsatz in der Firma des IT-Spezialisten vor. Kein High-Tech, aber ein extrem gefährlicher Hund.  Doch wie so oft, kommt es anders als gedacht. Und Dalberg bleibt verschwunden. Bis Latotzke eine Idee hat.

Das Hörspiel

In diesem Hörspiel passt alles zusammen. Alle vom Team kommen ausführlich zu Wort und Tat, ihre Plänkeleien sind allein schon hörenswert und vermitteln immer auch ein Bild vom Typus. Beim Autor Dirk Schmidt gibt es keine Rolle, der man nicht auch etwas Sympathisches abgewinnt. Die Handlung ist immer schlüssig und nicht an den Haaren herbeigezogen. Tempo und Ruhe liegen in einer angenehmen Waage. Alles zügig erzählt und mit stimmigen Geräuschen und dem ruhigen Hamm-Motiv unterlegt. Mit IT-Sicherheit und Drogen werden brisante Themen aufgegriffen, die auch wunderbare Hörmomente erlauben. Aber bei Dirk Schmidt sollte sich der Hörer jeden Satz und jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen. Schmidt gewährt auch immer einen Blick in die Innenwelt der Polizei, wo systematisches Vorgehen gegen Spürnase agiert. Eine besondere Kunst des Autors ist es, Erwartungen aufzubauen, um sie dann mit wenigen Worten oder Sätzen zu zerstören. Ist Kilian Dalberg eine gefährlicher Drogendealer oder nur ein verängstigtes Häschen? Wie endet der präzise vorbereite Einsatz des Teams? 

Fazit

Das Hammer-Team: Immer wieder ein großes Hörvergnügen. Das Sprecherteam und der Autor sind ein Solitär in der Tatort-Welt.  

Dauer                 ca. 55 Minuten

Wertung             95 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds

Gruß aus der Küche – Krimigroteske für Dummies

  Erstellt mit AI Eine Überraschung: Der WDR veröffentlicht Frühherbst 2026 ein Hörspiel einer jungen, unbekannten Autorin: Sarah Claire Wra...