Sonntag, 12. Juli 2026

BND 29 Ein Falle im Weltraum – Wer hoch fliegt, kann auch tief falle

 



BND (Bundesnachrichtendienst) ist ein Solitär in der Serienlandschaft. Im Mittelpunkt dieser Serie in der dritten Staffel steht ein Team des Bundesnachrichtendienstes mit den beiden Allround-Spioninnen Anna und Nelly. Die Serie hat mit dem Begründer des BND Gehlen und der Vorgeschichte von Annas Vater bald nach dem zweiten Weltkrieg begonnen und ist inzwischen in der Gegenwart angekommen.

Inhalt

Kourou, Guyana. Der Start der neuen Ariane6-Rakete endete mit einer Katastrophe. Eine Explosion ruiniert die Startrampe, die Rakete und ihre wertvolle Fracht. Es droht das Ende dieser erfolgreichen europäischen Zusammenarbeit, wenn es wiederum technisches Versagen ist. Doch das Team um Anna hat seine Zweifel. War es ein Hack? Der ESA-Sicherheitsdienst schwört, alles gecheckt zu haben. Doch es gibt Staaten, die Ariane liebend gerne am Boden sehen. Und es gibt in den USA finanzstarke Wettbewerber, die vielleicht einen Konkurrenten ausschalten wollen. Jedenfalls macht sich das Team auf nach Kourou, um die Fakten zu prüfen. Ein Teil begibt sich in die Staaten, wo der größte private Wettbewerber gerade dabei ist, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Anna macht sich die Eitelkeit und die Frauenverrücktheit des Milliardärs zu nutze. Sie machen gemeinsam einen Ausflug ins All und Anna setzt ihn unter Druck.

 

Das Hörspiel

Wie immer nutzt die Reihe reale Gegebenheiten und entwickelt daraus fiktive Hörspiele. Ariane, Kourou und die ESA mit Sitz in Darmstadt kennt der Nachrichtenhörer. Und schnell sind auch die Russen und Elon Musk zu identifizieren. Die Hörspielsituation ist also durchaus denkbar. Das Team tritt in gewohnter Besetzung an, in der jeder seinen eigenen Sprachduktus hat, der auch zotig bis ordinär sein kann. Die Amerikaner müssen dann einen grauenhaften Slang sprechen. Im Übrigen nutzt die Regie sonst nicht die klanglichen Möglichkeiten einer Spielszene in Afrika oder den USA. Keine Musik, kein Geräusch deutet darauf hin, wo der Hörer sich gerade befindet. Das hätte ein wenig Abwechslung in die vielen netten Dialoge gebracht. Da hilft dann auch das Lauschen eines touristischen Raumausfluges wenig. In ihrer inhaltlichen Hilflosigkeit sind den Autoren dann die Gäule durchgebrannt. Eine eigenwillige Umsetzung des Spruches:  Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.  Musik und Geräusche spielen keine große Rolle, die B-Liga Sprecher arbeiten ihren Auftrag ab.

Fazit 

Ein Tiefpunkt der Serie, die offenbar ihren Höhepunkt überschritten hat. Neugierige sollten die Finger und Ohren davon lassen.

Dauer                 58 Minuten

Wertung             60 %

Verfügbarkeit    auf den gängigen Streaming - Diensten

 

 

 

 

Montag, 6. Juli 2026

Übertherapie- Tango, Hölderlin und ein Mordfall

 

© ARD / Jürgen Frey


Seit 2019 lässt der RBB den verlässlichen Autor Tom Peuckert mit seinen Protagonisten Christian Wonder und Ariane Kruse im Herzen Berlins ermitteln. Wonder ist der solide Abarbeiter der Fälle mit leichtem Hang zur Selbstanalyse. Die russisch-stämmige, trinkfeste Kruse hingegen bringt die Fälle auf den Punkt. Auch die Regie von Kai Grehn und die Musik von Tawater sind in allen 8 Fällen konstant geblieben. Dieses Paket schlägt mittlerweile den Hammer Tatort.

Inhalt

Dr. Arzt Dr. Böttiger wird ermordet aufgefunden. Diese etwas schräge Person hatte ein Herz für Drogenabhängige und hat ihnen mit legalen und illegalen Mitteln immer geholfen. So einen bringt die Szene doch nicht um. Aber es gibt noch eine andere Seite: Der cholerische Böttiger hat unentwegt Politiker verklagt und sich gegen den Deep State gewehrt. Keine leichten Ermittlungen also. Die Sprechstundenhilfe weiß lediglich, dass manche der Patienten den Arzt gehasst haben, andere haben ihn verehrt. Die letzte Patientin Isi Langner gerät in Verdacht, Videoaufnahmen zeigen sie schluchzend aus dem Haus laufen. Gegner hatte Böttiger auch bei Politik genug. Und einen Kommissar hat Böttiger in die vorzeitige Rente gebracht. Da braucht es schon die gemeinsame Ermittlungskunst von Wonder und Kruse, um den Fall zu klären.

 

Das Hörspiel

Die Konstruktion ist klasse: Der Hörer ist am Beginn Zeuge des Mordes, allerdings ohne Details  erlauschen. Aber der Reihe nach. Der Autor Tom Peuckert kann überzeugende Vorlagen liefern und dabei lyrische, bildhafte und träumerische Formulierungen nutzen. Der Hörer erlebt seine Protagonisten als reale Person, aber nie persönlich. Die Regie gibt den Sprechern die richtigen Anregungen und vertieft oder entwickelt einzelne Szenen. Das Hörspiel beginnt mit einem Gedicht von Hölderlin, untermalt von einem Bandeneon. Dann folgt eine Berliner Stimme: „Idioten nur Idioten“. Jede Berliner Schnauze hat ihren eigenen Slang und Tonfall, kann man nicht verwechseln. Die nicht immer einfache musikalische Begleitung von Tawater nimmt dies alles auf, ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder Teil der Handlung zu werden. Die Ermittlungen sind wie der Tango den Wonder mit seiner Partnerin übt: Jeder Schritt muss sitzen. Und der Fall wird gelöst, weil die Art der Ermittlung so besonders ist. Bei aller Spannung hat der Autor auch ein gesellschaftliches Anliegen: Jeder Mensch hat mit allen Stärken und Schwächen ein Recht auf würdiges akzeptiertes Leben und es gibt nicht nur Schwarz und Weiss. Der bekommt Hölderlin noch eine andere Bedeutung: Der Blick nach Innen, ins Gefühlte verändert den Blick auf die Welt.

Fazit 

Ein leuchtender Stern in der oft genug Durchschnittsware Milchstraße Radio-Tatort. Ein Höhepunkt der Hörspielkunst, aber auch etwas eigenwillig.

Wertung            90 %

Dauer                 53 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

BND 29 Ein Falle im Weltraum – Wer hoch fliegt, kann auch tief falle

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