Sonntag, 27. September 2026

Babylon Berlin Staffel 5 Haus Vaterland – Ein großes Ohr-Kino

 



Ein Mammut-Projekt geht zu Ende. Im Herbst 2026 veröffentlicht die ARD die endgültig letzte Staffel von „Babylon Berlin“. Wiederum als opulenten Mehrteiler im Fernsehen und Radio. 2018 startete mit „Der nasse Fisch“ die erste Staffel, die dritte Staffel „Goldstein“ erschien 2022. Mit „Haus Vaterland“ enden die Geschichten um Gereon Rath und Charlotte im Berlin der 1930-er Jahre. Basierend auf den Romanen von Volker Kutscher. Nun hat sich die Zeit verändert, Berlin seinen Charme etwas verloren und Zuschauer und Hörer sind neugierig, ob der Stoff auch heute noch funktioniert. Es ist jedenfalls schon beeindruckend, dass das Sprecherteam und die Regie durchgehalten haben.

Inhalt

Berlin, Ende der 1920-er, Anfang der 1930-er Jahre. Die lebensfrohe Weltstadt wird zunehmend von wirtschaftlicher Krise und einem Erstarken der Nazis geprägt. Mittendrin Gereon Rath als Kommissar und seine Freundin Charlie Ritter, Kommissaranwärterin. Gerade zurück aus Paris. Doch für Privatleben bleibt wenig Zeit. Ein Mord im renommierten Vergnügungstempel Haus Vaterland führt Gereon weit in die Masuren an der Ostgrenze und in Lebensgefahr. Charlie ermittelt als Aushilfe undercover im Haus Vaterland. Aus einem rätselhaften Mord an einem Schnappspanscher wird eine Mordserie. Alle Opfer verbindet die gemeinsame Vergangenheit. Charlie drängelt sich in ein neues Gewaltverbrechen: Die junge Hanna, ein Straßenmädchen und Jüdin wurde schwer verletzt und traumatisiert. Dann kommen die Nazis an die Regierung, der Reichstag und die un-deutschen Bücher brennen. Und viele biedern sich an. So auch der Kriegsveteran und Autor Roddeck, der eine Buch über seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg schildert. Aber auch Angst um sein Leben hat. Denn damals ging es um Mord und viel Gold und Roddeck hat Angst vor Rache. Nicht zu unrecht. 

Das Hörspiel

Vorab: Die Hörspielreihe hat wenig mit den parallelen Fernsehepisoden zu tun und ist deutlich näher an den literarischen Vorlagen. Die Episodenreihe ist eigenständig, aber leichter nachvollziehbar, wenn man die Vorgänger gehört hat. Auch diesmal wieder opulente Filmmusik, viele parallele Stories immer mit bewegender Atmosphäre, die aber nicht immer zueinander finden. Die Stammsprecher sind wieder dabei und erfüllen ihre Rollen bestens. Niemand kann den Unterweltpaten Mahlow mit seiner tiefen, sonoren Stimme besser sprechen als Reiner Schöne. Die Reihe ist stark politisch, spiegelt den Zeitgeist wider und ist auch etwas Krimi. Dabei sind die Plots des Autors Kutscher nicht immer überzeugend. Sehr viel Handlung, sehr viele Rollen erfordern konzentriertes Hören und lassen keine langen Pausen zwischen den Folgen zu. Die Episoden enden mit schönen Cliff-Hangern, starten aber nicht mit Zusammenfassungen. Neben der Liebesgeschichte zwischen Gereon und Charlotte ist das Hörspiel immer ganz nahe an den Menschen, ihren Sorgen, ihren Entwicklungen. Und Mini-Szenen wie mit einem dunkelhäutigen Barmann (Husen) , den Straßenkindern wie Hanna und Fritzi oder den Köllner OB Adenauer sind kleine Highlights, die das Überladene und den ständigen moralischen Zeigefinger vergessen lassen. Trotz kleiner Schwächen wiederum ein Meisterwerk, das uns 2026 stärker bewegen sollte als noch vor wenigen Jahren

Fazit

Ein Muß für jeden Hörspielfan, für alle anderen ein sehr unterhaltsames, spannendes Stück Zeitgeschichte.  

Dauer                    5 Episoden je ca. 45 Minuten

Wertung            85 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds als Podcast

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sonntag, 20. September 2026

Alles was wir voneinander wissen – Ein seltenes Highlight

 

Mit AI erstellt


Bettina Wilpert ist eine junge Autorin, die noch nicht viel veröffentlicht hat. Sie lebt als freie Autorin und Mutter zweier Kinder in Leipzig. Ihr erfolgreichstes Buch „nicht., was uns passiert“ wurde für das Hörspiel bearbeitet. Im Übrigen hat sie viele Kinderhörspiele geschrieben. Regie führt Petra Feldhoff, die mit dem Zweiteiler „Miss Terry“ von Liza Cody gezeigt hat, wie nahe sie Frauenschicksalen folgt. Veröffentlicht vom WDR im Sommer 2026.

Inhalt

Die 27-jährige Elli wurde brutal ermordet. Mit einem Hammer, wie man ihn im Baumarkt kaufen kann. Beim gewohnten Joggen im Auwald. Ihre Leiche wurde erst eine Woche später gefunden, allerdings kaum verwertbare Spuren. Die Polizei agiert routinemäßig. Alibis werden überprüft. Gut ist. Kein Nachhaken. Elli war eine junge, lebenslustige Studentin, mit vielen Freundinnen und Freunden.  Beim Tanzen konnte sie die Welt um sich herum vergessen. Vor einem halben Jahr hat sie sich von ihrem Freund getrennt. Es folgte eine harte Zeit, da er sie gestalkt hat.  Kurz vor ihrem Examen hat sie ihr Lehramtsstudium hingeschmissen. Zum Unverständnis und Ärger ihrer Mutter Brigitte. Neue Erkenntnisse gibt es erst als im Podcast „Kalter Kaffee“ Mitschnitte von Telefonate Ellis mit ihrer besten Freundin Lenja veröffentlicht werden. Elli hat sich eine verheimlichte Auszeit an einem italienischen See gegönnt. Doch auch dort wurde sie gestalkt. 

Das Hörspiel

Schon die Vorlage ist ein Meisterwerk: Der Hörer folgt der Handlung aus ständig wechselnden Perspektiven: Mutter, Freundin, Podcaster, gegen Ende sogar noch ein Gericht. Jeder Perspektivwechsel erhöht die Spannung, weil neue Informationen präsentiert werden, folgt dabei aber dem klassischen Krimi: Wer hatte die Gelegenheit und/oder ein Motiv. Auch wenn hier unstrittig Femizide thematisiert werden, ist die Autorin bis auf die Knochen neutral. Selbst die möglichen Täter wirken irgendwie sympathisch. Und dann die Erzählperspektiven: Ich- Erzähler, Telefonate zwischen Freundinnen, Podcasterinnen und eine Gerichtsverhandlung, deren Ergebnis anders ist als der Hörer erwarten darf. Die Podcasterinnen und sozialen Medien sind auch keine Unschuldslämmer. Und immer wieder auftauchend die Story von Angst der Frauen im Wald: Mehr vor einem Mann oder einem Bären. Und das alles wird wunderbar inszeniert. Die Autorin legt auf jedes Wort wert, selbst wenn es nur dahin genuschelt ist. Die sensible Autorin erinnert daran, dass auch der Geruch der Haare einen Menschen charakterisieren kann. Selten hört man so gelungen Tempowechsel. Hier wird keine Sprache inszeniert, sondern ein Charakter vermittelt. Musik spielt keine große Rolle, aber die Geräusche. Es gibt Momente, in denen der Hörer einem Fluss oder einem Specht lauschen darf. So muss großer Hörgenuss sein. Eine Anklage gegen Femizide, die auch Männer und Behörden bewegen kann.

Fazit

Von Vorlage und Inszenierung her, ein Sahnehäubchen für Liebhaber politischer Themen und raffinierter Krimis.

Wertung            95 %

Dauer                 ca. 55 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

Babylon Berlin Staffel 5 Haus Vaterland – Ein großes Ohr-Kino

  Ein Mammut-Projekt geht zu Ende. Im Herbst 2026 veröffentlicht die ARD die endgültig letzte Staffel von „Babylon Berlin“. Wiederum als opu...