Montag, 24. August 2026

Albatros Down- Cozy-crime mit Sozialkritik

 




Nach drei Jahren Pause startet Hermann Media im Sommer 2026 eine neue Staffel, der Reihe Lefèvre & Murphy. Pierre Lefèvre ist ein ruhiger, kluger französischer Berufsdetektiv, der stark an Poirot erinnert. Willow Murphy ist eine lebenslustige Irin, die zufällig an seiner Seite in Kriminalfälle gerät. In den ersten vier Episoden haben sie frotzelnd und cozy Fälle in der ganzen Welt gelöst. Marcus Meisenberg bleibt der Autor, allerdings müssen sich die Hörer an neue Stimmen der beiden Detektive gewöhnen.

 

Inhalt

Paris in der Gegenwart. Eigentlich will Lefèvre den Charme und die Schönheit der Hauptstadt zeigen. Doch bereits am ersten Tag erhalten sie ein Päckchen mit ungewöhnlich viel Geld und einem Auftrag: Ein Amphibienflugzeug wurde mitten in der Nacht vom Hangar eine Werft entführt: Der Albatros. Dabei haben die Diebe auf Menschleben keine Rücksicht genommen. Der Zugang in die Flugzeughalle wurde nur durch die Chipkarte eines Toten möglich. Das Radar gibt keinerlei Hinweise auf irgendwelche Flüge. Allerdings hat Willow eine gute Idee: Sie googelt nach Beschwerden über Fluglärm in den letzten Tagen und es ergibt sich eine erste Spur. Auch weil Beiden immer irgendwo einen Helfer finden. Je näher sie der Lösung des Falles kommen, umso gefährlicher wird es für sie. Am Ende bringt Willow die Flugsicherung zur Verzweiflung rettet aber mit einer Landung auf der Seine die Detektive und dutzende Menschen.

Das Hörspiel

Das Hörspiel lebt von den Dialogen dieser beiden Detektive, die nicht liiert sind. Nett und frotzelnd nähern sie sich der Lösung. Dabei helfen Kontakte, Zufälle und intensives Mitdenken. Der französische Akzent von Lefèvre ist heftig, Murphy kichert etwas viel. Die Story braucht viel Anlauf. Richtig spannend wird es erst in den letzten 15 Minuten. Bis dahin wird vieles zusammengebastelt, was nicht wirklich zusammenpasst. Aber dafür stimmt die Atmosphäre. Die im übrigen brillant von Musik und Sound unterstützt wird. Ein Flugzeughangar gibt da auch viel her. Mutig, dass der Autor am Ende ein hochpolitisches und sensibles Thema in den Vordergrund rückt. 

Fazit

Ein grundsolider cozy-crime, den man sich an einem ruhigen Abend gönnen kann.

Wertung       80 %

Dauer            67 Minuten

Verfügbarkeit         Hermann Media oder die Streaming-Dienste

Samstag, 15. August 2026

Sherlock Holmes in Rio – Ein albernes Hörfestival

Buchcover

 


Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies Poirot, längst abgelaufen sind, dürfen Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Der SWR veröffentlicht im Sommer 2026 eine dreiteilige Episodenreihe, die auf einem Roman des Brasilianers Jô Soares beruht. Das Buch wurde bereits 1997 auf Deutsch veröffentlicht. Regie führt der Routinier Alexander Schuhmacher, der sich ein paar weniger bekannte Sprecher ausgesucht hat. 

Inhalt

Rio, 1888. Dem aufgeschlossenen Kaiser Don Pedro II geschieht ein Malheur.  Er hat einer seiner Konkubinen still und heimlich eine Stradivari geschenkt. Und die ist nun verschwunden. Die berühmte französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt, die gerade auf Tournee in Brasilien weilt, empfiehlt ihm den berühmten Detektiv Sherlock Holmes und seinen Kompagnon Dr. Watscon für diskrete Ermittlungen einzuladen. Gesagt getan.  Doch dabei bleibt es nicht. Der einheimische Kommissar Pimenta schaltet Holmes ein, um einen Frauenmörder zu fassen. Der Mörder hinterlässt fast keine Spuren, aber er schneidet Ihnen die Ohren ab und legt eine Geigensaite auf ihre Scham. Gibt es einen Zusammenhang zur gestohlenen Stradivari? Holmes ermittelt in der Szene der reichen und kunstverliebten High-Society, taucht tief in die Mythen und Lebensweise der Brasilianer ein. Und verliebt sich in eine junge Schauspielerin, die ihm die Jungmännlichkeit nimmt. Aber dem Mörder kommt er nicht auf die Spur. Enttäuscht reist er nach Hause. Da muss der Mörder schon seine eigene Geschichte erzählen. Und beweist, dass man ihm durchaus auf die Schliche hätte kommen können.

Das Hörspiel

Ein brasilianischer Journalist führt jeweils mit seinen Erinnerungen in die Episode ein, sodass der Hörer zwischen den Folgen gut pausieren kann. Man hört im Übrigen den Mörder laut nachdenken, der gut trainierte Hörer erkennt ihn womöglich. Ansonsten geht es hier nicht im Entferntesten um irgendeine schlüssige Handlung. Sicher, Holmes wird entblättert und seine menschliche Seite entblößt. Sein deduktives Verfahren ins Lächerliche gezogen.  Er wir eigentlich als Knallcharge präsentiert. Im Wesentlichen sind die Episoden ein wunderbares Hörfestival, das man nicht ernst nehmen muss. Hier wird gerülpst, gefurzt, gefressen. Die Sprecher dürfen sich mit allem, was ihnen an Tönen zur Verfügung steht, austoben. Brasilien mit seinen mythischen Geistervorfahren ist eine unerschöpfliche Quelle. Dabei erfährt der Hörer auch einiges über das Land und die Zeit. Das alles geschieht in einem hohen Tempo und mit immer neuen Einfällen. Eine Satire wie es das ARD Marketing glauben machen will, ist es nicht. Dafür fehlt eine ernstzunehmende Komponente. Das Hörspiel ist nicht spannend, aber unterhaltsam. Der finale Plot ist einfallsreich und überraschend. Etwas kürzer hätte noch mehr Würze ergeben.

Fazit

Sicher für manche Hörer schlicht albern. Aber für alle, die noch beide Ohren haben, kann es ein Spaß sein, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Dauer                        3 Folgen zu ca. 55 Minuten

Wertung                   75 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

Albatros Down- Cozy-crime mit Sozialkritik

  Nach drei Jahren Pause startet Hermann Media im Sommer 2026 eine neue Staffel, der Reihe Lefèvre & Murphy. Pierre Lefèvre ist ein ruhi...