Samstag, 7. März 2026

Der Hakenmann – Der SWR Radio-Tatort 208


© ARD / Jürgen Frey


Die routinierte Autorin Monika Geier legt im Februar 2026 ihren 4. Krimi mit dem Landauer Team um Anima King vor. Anima hatte zuletzt Abwanderungsgelüsten angedeutet. Neugier ist also angesagt.


Inhalt


Für Anima King beginnt der Tag mit einer Enttäuschung. Der Vorstellungstermin in Ludwigshaben beim Team von Fe Ekelberger wird kurzfristig abgesagt. Man werfe ihr Fehlverhalten im Umgang mit Daten vor. Also auf zusammen mit Pirosi in Landau ermitteln: Dort wurde das Trinkwasser gefährlich verunreinigt. Der Brauereibesitzer Alfons Maaß ist erster Verdächtiger. Auf ihrem Gelände steht der alte, anheimelnde Wasserturm und dort laufen alle Leitungen zusammen. Maaß steht unter Druck, die Geschäfte gehen zurück und er denkt daran, an den Großkonzern Multifood zu verkaufen. Seine Tochter ist auf der Gegenseite aktiv: Sie unterstützt die Umweltaktivisten HW100, die sich gegen diesen Verkauf wehren und Wasser  nicht privatisieren wollen. Ganz harmlos waren ihre Aktivitäten bisher nicht, daher ist HW100 ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Auch der rechten Szene mit der Influencerin Franka Raischel ist diese Truppe ein Dorn im Auge. Mittendrin der Bürgermeister Kristian Lindefeldt, der auch persönlich von einem Verkauf profitieren könnte. Und dann gibt es noch den Hakenmann: Seit sein Bruder vor vielen Jahren als Kind ertrunken ist, führt er ein Leben ohne Halt und Heimat. Da unerbittlich angelt, hat er von den Kindern den Namen eines Schauermärchens erhalten. Aber statt Fahndungserfolge zu melden, spitzt sich die Situation zu.

 

Das Hörspiel

 

Monika Geier ist zweifellos eine routinierte Hörspielautorin. Der Hörer folgt den Hauptfiguren, die ein wenig Privates offenbaren, aber nicht zu viel. Die Figuren sind glaubwürdige Charaktere, die in die Landschaft passen. Norddeutsche Hörer müssen sich schon ein wenig in den Pfälzer Dialekt hineinhören. Viele kurze Spielszenen reihen sich aneinander und der Hörer folgt stets neugierig, ohne je zu ahnen, was nun kommt. Verdächtige gibt es zuhauf. Wir begleiten die Ermittler in eine Brauerei, einen etwas gruseligen Wasserturm oder beim Paddeln in den Altarmen des Rheins. Die reichhaltige, begleitende Musik ist auf Dauer allerdings eher ein Stimmungstöter. Auch das Ambi meint es gelegentlich zu gut: Ein Käuzchen am Rhein, na ja. Aber es gibt auch beeindruckende Mitschnitte der Influencerin.Die Autorin greift gesellschaftlich relevante Themen auf: Verdrängung kleiner Unternehmen durch Konzerne, Verschleudern von Wasserrechten, linke Aktivisten und rechte Influencer, vereinsamte Menschen. Etwas viel für ein knappe Stunde. Weitere Wermutstropfen: Vieles ist extrem weit hergeholt und wenig glaubwürdig. Da wäre weniger mehr gewesen.

 

Fazit

 

Trotz Kritik ein guter, hörenswerter Tatort mit viel Lokalkolorit und wohlwollendem Blick auf die Menschen der Region,

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit  

 

ARD Audiothek

  

Sonntag, 1. März 2026

Die Ersten von Morgen – Ein politischer True-Crime

 

Wikipedia: 1960-Jahre


Der WDR ist immer für Überraschungen gut. Die wenig bekannte Autorin Traude Bünger hat ein originales Krimihörspiel geschrieben, das in den 1960-er Jahren spielt und sich an einem realen Fall orientiert. Allein diese Informationen machen neugierig.


Inhalt


West-Deutschland in den 1960-er Jahren. Ein Land, dem es wirtschaftlich gut geht und das in der Zeit vor der Studentenbewegung noch miefig und piefig ist. Hier im Kölner Ruhrpott möchte die junge Journalisten Hilde Eckert mit neuen Themen und viel Engagement Fuß fassen. Die ältlichen Herren Redakteure lächeln milde und setzen sie auf Hausfrauenthemen an. Doch es kommt anders. Ihr guter Bekannter Ludwig zeigt ihr ein mit Nazi-Symbolen beschmiertes Denkmal, das er reinigen soll. Als Schupo!? Getrieben von ihrer journalistischen Spürnase begeben sich beide in eine stadtbekannte Nazi-Kneipe. Dort bandelt Hilde mit Manfred Köhler an und folgt den Gesprächen einer rechten Burschenschaft. Worte wie „Frankfurt, Sprengstoff“ schnappt sie auf. An polizeiliche Ermittlungen ist nicht zu denken. Der Staatsanwalt lässt seinen Sohn nicht hängen, der mitten in der brauen Soße agiert. Ihre Tante, eine ehemalige Edelweiß-Piratin erinnert sie daran, dass in Frankfurt gerade der couragierte Staatsanwalt Bauer die Nazi-Schergen vor Gericht zerrt. Aber Hilde kennt keine Angst.

 

Das Hörspiel

 

Das Setting ist ungewöhnlich: Nicht Gegenwart und nicht 30-Jahre, sondern die kaum präsente Epoche der 1960-er Jahre. Die Älteren kennen die Zeit noch, die Jüngeren haben mit Glück etwas von den Eltern erfahren. Die Regie versetzt den Hörer mit aller Kunst genau in diese Zeit. Der Köllsche Dialekt, die aus der Zeit gefallenen Wörter (wie etwa „bedröppelt“), das eher ruhige Tempo. Alles von den eher unbekannten Sprechern glaubwürdig gesprochen. Im Mittelpunkt stehen die umtriebige Journalistin Hilde und der zwischen Loyalität und Gewissen hin-und hergetriebene Schutzpolizist Ludwig. Alle anderen sind Begleitmusik. A propos Musik: Sie ist hier tragendes Element und kongenial ausgewählt bzw. komponiert. Auch die Soundkulisse ist gelungen, leicht nostalgisch, aber nie überdreht. Kein Thriller, aber nach 40 Minuten kommt Spannung auf. Das Hörspiel erinnert daran, das die junge Bundesrepublik jahrzehntelang rechten Ballast nicht nur mitschleppte, sondern unterstützte. Darüber nachzudenken, wie es heute ist, dazu kann dies Hörspiel anregen.

 

Fazit

 

Ein etwas ungewöhnlicher, ruhiger Politkrimi. Kein Straßenfeger, aber mit Genuß und Gewinn zu hören.

 

Dauer ca. 62 Minuten

 

Verfügbarkeit  

 

ARD Audiothek

 

Der Hakenmann – Der SWR Radio-Tatort 208

© ARD / Jürgen Frey Die routinierte Autorin Monika Geier legt im Februar 2026 ihren 4. Krimi mit dem Landauer Team um Anima King vor. Anima ...