Sonntag, 1. November 2026

Der Bund der Rothaarigen – Podcast meets Klassiker

 




Sherlock Holmes und Dr. Watson sind immer einen Versuch wert, mit neuen Interpretationen Hörer zu gewinnen. Das junge Label SOS Studios startet im Sept. 2026 eine neue Reihe unter dem Titel: „Die Holmes Akten“.  Zwei junge, zeitgenössische Podcasterinnen begleiten die historischen Stories um Holmes und Watson, die sich mehr oder weniger an den Vorlagen von Doyle orientieren. Die Neugier erfordert es, der ersten Episode unter dem bekannten Titel „Der Bund der Rothaarigen“ sein Ohr zu leihen. Obwohl oder weil es schon eine Reihe von Umsetzungen gibt, zuletzt in Episode 4 bei Holmes Classics von Holysoft.

Inhalt

Die Originalerzählung umfasst nur ca. 28 Buchseiten. Der ärmliche Pfandleiher Jabez Wilson lässt sich auf einen lukrativen Deal ein. Sein Gehilfe Vincent Spaulding hat eine Stellenanzeige gefunden: Die Liga der Rothaarigen sucht eine Hilfskraft, die täglich 4 Stunden in ihren Räumen arbeitet. Die Liga wurde gegründet, um den benachteiligten rothaarigen Menschen in London finanziell zu helfen. Und tatsächlich. Wegen seiner tiefroten Haare bekommt er den begehrten Job und arbeitet nun jeden Tag für 4 Stunden in einer Bibliothek und muss eine Enzyklopädie abschreiben! Doch plötzlich ist Schluss. Ein Schild an der Tür: Die Liga der Rothaarigen ist unbekannt verzogen! Und Wilson fühlt sich betrogen. Er wendet sich an Sherlock. Nach einer Ortsbegehung erkennt Holms schnell, dass weit mehr dahintersteckt und schaltet Scotland Yard ein. Schnell zeigt sich, dass da weit mehr dahinter steckt, als ein kleiner Betrug.

Das Hörspiel

Das Hörspiel folgt recht genau der Vorlage und wurde, leicht modernisiert, neu übersetzt. Dieser Teil spielt um 1890. Die Handlung wird immer wieder durch die zwischengeschalteten, jungen Podcaster Jessica Watson und Lina Miller unterbrochen. Die beiden kommentieren die Handlung durch Bewertung und Information aus Gegenwartsperspektive. So erfährt der Hörer etwa, was 4 Pfund als Lohn für den Job heute bedeuten würden. Die beiden machen das glaubwürdig und unterhaltsam. Also durchaus wie ernstzunehmende Podcaster. Doyles Plots sind ja nun keine Strassenfeger, sondern leben eher von der Figur Holmes. Die ist hier leider schlecht besetzt. Viel zu viele Betonungen in einem Satz. Und man sollte es an Tempo und Ton schön hören, wenn es gefährlich wird. Watson hingegen wird kongenial gesprochen. Die Szenen sind angemessen in der Länge. Musik und Geräusche fehlen fast gänzlich. Die Autoren haben einen Ausweg dafür gefunden. Die beiden Podcasterinnen lesen nämlich die Geschichte. Die Fan-Gemeinde wird es kennen, aber es kommt ja durchaus zu einem spannenden Ende. Am Schnitt muss noch gearbeitet werden, da fehlen an manchen Stellen ein paar Endsilben. In dieser Interpretation wird auch noch ein Stück Aktualität deutlich: Wie leicht sich Menschen betrügen lassen. Per Telefon, Internet oder vermeintliche Freunde.

Fazit

Kein schlechter Einstieg, der auch Puristen gefallen kann. Der etwas angestaubte Stoff kann eine solche Aktualisierung durch aus vertragen

Dauer            ca. 54 Minuten

Wertung       70 %

Verfügbarkeit         in allen gängigen Streaming-Diensten

 

Sonntag, 25. Oktober 2026

Holysoft Krimis – Die Musik der Toten Episode 1

 





Der rührige Media Verlag Holysoft hat bereits 2025 eine eigenständige Krimireihe erarbeitet und auf seiner Plattform vermarktet. Ab Herbst 2026 werden diese Krimis auch sukzessive über die gängigen Streaming-Dienste vermarktet. Die Episoden sind in sich abgeschlossen und von unterschiedlichen Autoren geschrieben. Sie soll verbinden, dass es immer klassischen Whodunit-Krimis sind. 

Inhalt

Good old England in den USA: Ein Kammerspiel in einem opulenten Landhaus. Die exzentrische, aber erfolgreiche Opernsängerin Victoria Hamilton lädt zu ihrem 70. Geburtstag ein. Aber es ist kein großes Event, denn nur wenige ausgewählte Gäste dürfen dabei sein. Victoria wurde vor einigen Jahren das Aurora-Diadem gestohlen. Es hat ihr viel bedeutet. Kurz vor ihrem Tode, seit leidet an Krebs, hat sie einen Detektiv beauftragt den Täter zu finden. Es gelang: Es ist einer dieser fünf Gäste! Darunter Angela, ihre stets schlecht behandelte Tochter, ihr EX Adam Coopers und der Pianist Damian Walker.Allle haben beständige Geldnöte. Aber am nächsten Morgen liegt Victoria mit Gift aus einer Spritze ermordet im Bett! Der leicht trottelige Kommissar Grant lässt den Tatort prüfen und beginnt tief in der Vergangenheit aller Beteiligten zu graben. Der Hörer folgt spannend immer neuen Entlarvungen, um am Ende eine unerwartete, dramatische Lösung des Falles zu  erleben.

Das Hörspiel

Schön, dass es ein Autor wagt, noch so ein old-school-Hörspiel zu schreiben. Fast ein closed-room Erlebnis mit wenigen Verdächtigen. Die Stimmen sind alle sehr charakteristisch für die jeweiligen Figuren. Der Kommissar Grant erinnert ein wenig an Colombo und der Hörer ahnt schnell, dass da mehr zu erwarten ist. Und wie in den großen Agatha Christie Krimis klärt der Kommissar vor versammelter Runden den Fall. Autor und Regie lassen sich Zeit genug, dass der Hörer sich in die Figuren hineinversetzen kann. Da werden schon Schicksale erzählt, die einen Mord zur Folge haben können. Insgesamt nett und glaubwürdig erzählt, gelegentlich etwas weit hergeholt. Das Beiwerk an Musik und Geräuschen ist eher sparsam genutzt. Leider wird es mit der Zeit dann doch alles etwas langatmig und die Spannung lässt nach. Der Autor hat die Latte vielleicht etwas hoch gehängt, aber dennoch eine beachtliche Höhe erreicht.

Fazit

Als Einstieg unbedingt gelungen. Das Hörspiel macht Lust auf mehr. Luft nach oben bleibt immer.

Dauer                 ca. 110 Minuten

Wertung             80 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds

Der Bund der Rothaarigen – Podcast meets Klassiker

  Sherlock Holmes und Dr. Watson sind immer einen Versuch wert, mit neuen Interpretationen Hörer zu gewinnen. Das junge Label SOS Studios st...