Sonntag, 15. Februar 2026

Der tote Weckmann – Ein rheinischer Cosy-crime


 


Der WDR pflegt noch die Tradition des regionalen Cosy Crime. Anfang 2026 erscheint der zweite Krimi um die rheinische Frohnatur Pamela Schlonski, Inhaberin der Putzfirma Sauberzauber und den aus Norddeutschland stammenden Kommissar Lennard Vogt. Eine echte Herausforderung: Bis auf die Dramaturgie und Musik haben alle anderen Mitwirkenden gewechselt.


Inhalt


Im Backofen der Biobäckerei Schnerrenberg wird ein toter Weckmann gefunden. Eigentlich eine süßes Hefegebäck in Form eines stilisierten Mannes. Hier mit einer echten Leiche: Dem Inhaber der Gärtnerei Klaus Steiner. Pamela ist noch vor dem Kommissar an Ort und Stelle. Inhaber der Bäckerei ist schließlich ihr Onkel. Aber wer tut dem angesehenen und erfolgreichen Gärtner so etwas an? Als Expertin für Ordnung und Sauberkeit mischt sich Pamela aktiv in die Ermittlungen ein. Unterstützt vom Kioskbesitzer Totti, ihrer Tochter Leia und viel Bauernschläue. Verdächtige gibt es schnell: Die langjährige Chefsekretärin, eine Mitarbeiterin, der gerade gekündigt wurde. Ein Streit bei einem Grundstückskauf. Aber es gibt auch viele Ungereimtheiten: Wer konnte überhaupt in die Bäckerei kommen und so eine komplizierte Tat verüben? Zu guter Letzt wirft dann das Testament des Toten noch einmal alles über den Haufen. Wieso erbt eine junge Pferdewirtin der Pferdehofes sein ganzes Vermögen?

 

Das Hörspiel

 

Vorab: Deutlich spannender als man es von einem Cosy-Krimi erwarten darf. Der Hörer darf beständig mitdenken und wird am Ende überrascht sein. Alles ganz brav und grundsolide inszeniert mit attraktiven Spielorten wie Bäckerei, Gärtnerei und Pferdehof. Aber am wichtigsten sind hier die im sympathischen rheinischen Singsang daherkommenden Charakterköpfe. Alle mit viel Charme und Chuzpe. Allen voran Pamela, der man gerne zuhört. Erstaunlich, dass der WDR so viele Dialektsprecher auftreibt, die stark überzeichnen, aber immer die richtige Grenze finden Der Autorin sind viele falsche Fährten gelungen, die Freude am Mitverfolgen machen. Die Dialoge sind immer kurz und knackig und laden gelegentlich zum lauten Lachen ein. Von einem frotzelnden Team werden Pamela und Lennard zunehmend zu einem Team, dass sich gegenseitig schätzt und ergänzt. Tochter Leia, als Internet-Aktivistin bringt dann noch ein paar jungen Töne ein. A propos. Die Musik ergänzt die Szenen bestens. Wenn Pamela zur Ruhe kommen will, vernimmt der Hörer entsprechend ruhige Töne, die ihm erlauben, seine Gedanken schweifen zu lassen.

 

Fazit

 

Ein ausgesprochen unterhaltsames, spannendes Hörspiel. Zugleich eine warmherzige Hommage an die Menschen und die Region des Rheinlandes. Gerne mehr davon.

 

Wertung 90% 

 

 

Dauer 55 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

 

Sonntag, 8. Februar 2026

Jähnicke kehrt zurück – Nach 13 Jahren

 

© 2026 Eva Lia Reinegger



Schön, dass die ARD mit dem Deutschlandfunk eine so attraktive Reihe wiederentdeckt. Mit Jähnicke tauchen auch Dr. Chang, seine Partnerin und Dengler, der Polizist wieder auf. Die erste Episode erschien bereits 2012, es folgten bis 2015 zwei weitere, die alle in der ARD Audiothek abrufbar sind.


Inhalt


Ein junger Obdachloser wird tot im Vorraum einer Bankfiliale aufgefunden. Die Obduktion ergibt, dass er durch einen E-Schocker oder Teaser getötet wurde. Papiere finden sich keine. Die Überwachungskameras zeigen etwa zur Tatzeit drei Jugendliche, die Geld abholen, ihn aber auch treten. Der Kommissar Dengler bittet Jähnicke um Hilfe. Der kennt sich in der Szene aus, denn man muss den Toten noch identifizieren. Die mühsamen Befragungen in der Szene helfen nicht weiter. Kann ein kaum zu lesender Zettel mit einem Straßennamen helfen?

 

Das Hörspiel

 

Das Hörspiel ist vor allem eine hörenswerte Sozialstudie. Milan Peschel schnoddert sich durch Berlin, so wie alle Mitspieler klanglich das pralle Leben widerspiegeln. In der Obdachlosenszene, bei den Sicherheitskräften, den geflohenen Ukrainern bietet sich reichlich Gelegenheit dazu. Die Spannung entsteht durch manche Ermittlungsschwierigkeiten, die auf falsche Fährten führen. Für manchen wird die Figur des Jähnicke überzogen sein: Er versteht sich mit jedem und öffnet immer wieder ein neues Türchen. Letztlich wird der Fall aber durch tapferes Ermitteln gelöst.

Die Story wird zügig und abwechslungsreich erzählt mit hörenswerten Charakteren sowie stimmiger Musik und Atmo. Wie heute üblich, gehört sich auch ein Blick in das komplexe Seelenleben des Jähnicke. Die Nebenschauplätze Frau Dr. Cheng und Dengler lockern die letztlich zutiefst ernste Handlung etwas auf. Mit Sprache und Story knüpft Reinegger bestens an die Vorläufer an. Ohne moralischen Zeigerfinder wird hier an Menschen erinnert, die unter Flucht und Vertreibung leiden oder aus dem Raster fallen.

 

Fazit

 

Trotz leichter Schwächen gerne mehr von Jähnicke, ohne dreizehn Jahre warten zu müssen. Allein Milan Peschel zu hören, ist ein Hörgenuss ohnegleichen.

 

Wertung 90

 

 

Dauer 76 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

 

Der tote Weckmann – Ein rheinischer Cosy-crime

  Der WDR pflegt noch die Tradition des regionalen Cosy Crime. Anfang 2026 erscheint der zweite Krimi um die rheinische Frohnatur Pamela Sch...