Montag, 14. September 2026

Hase tot - Eine Überforderung

 

© ARD / Jürgen Frey


Der 212. Radio Tatort entführt den Hörer wieder in die Pfalz mit ihrem sympathischen Sprachklang. Autorin der 7. Episode mit dem Team aus Landau ist Uta-Maria Heim, die schon die 2. Episode schrieb. Trotz wechselnder Autoren bleibt das Setting erstaunlich gleich: Protagonistin ist die junge Kommissarin Anima King, die gerade nach Ludwigshafen zur Kripo gewechselt ist. Anima hadert mit ihrer Chefin Fe Ekkelsberg, die ihre Förderin ist, aber im Umgang auch nicht einfach.

Inhalt

Der Einstieg ist nicht so, wie Anima es sich vorgestellt hat. Keine spannende Ermittlungsarbeit, sondern ein Lehrgang zum Umgang mit Gewalt gegen Frauen, also eher präventive Arbeit. Doch die Wirklichkeit holt Anima schnell ein. Martina Stadler hat ihren Mann Gunnar wegen Gewaltanwendung angezeigt. Beim Hausbesuch trifft Anima auf den kläffenden Dackel Frau Hase und ein Jagdgewehr, das an der Wand hängt!  Doch bevor sie etwas unternehmen kann, folgt ein Auftrag von Fe: Milan Helfer wurde vor die S-Bahn gestoßen. Er hat nicht überlebt. Milan war als Gewalttäter aktenkundig. Er hat immer wieder seine Ex-Freundin Lucy Stadler misshandelt. Aber Lucy kann nicht Täterin sein, sie war mit ihrer Tochter Nora unterwegs. Kommt sonst jemand aus der Familie in Frage? Jedenfalls nicht die Großmutter Gertraud Stadler, die ist dement und lebt im Heim und liest Patricia Highsmith auf ihrem ebook. Und wieder eine Wendung: Gunnar Stadler wird erschossen. Dank Frau Hase kommen die Ermittler der Lösung des Falles nahe. Der Hund hat eine Stück Stoff erwischt.

 

Das Hörspiel

Wie auch in den anderen Episoden gibt es immer wieder innere Dialoge von Anima. Auch ist Anima nicht nur Ermittlerin, sondern auch Privatperson. Sie hadert mit ihrer Mutter und wird ihren Vater nicht los. Er war selbst Täter in der elterlichen Ehe. Die Geschichte wird abwechslungsreich und unterhaltsam erzählt. Trotz des wichtigen Themas Gewalt gegen Frauen, wird nicht ohne Augenzwinkern erzählt und manches selbstkritisch hinterfragt. Allerdings kann der Hörer der Handlung kaum folgen, weil man bei der Anzahl von Namen und Familien den Überblick verliert. Dann kommt noch hinzu, dass zwei Sprecher auch noch jeweils verschiedene Personen spielen. Da helfen auch die kurzen Zusammenfassungen der Anima wenig. Wem es gelingt, die Konzentration nicht zu verlieren, wird den Fall schneller als Anima lösen können, weil sie einem entscheidenden Hinweis nicht folgt. Der Plot kann auch nicht wirklich überzeugen. Genauso wie der Titel: Hase tot. Die Jagd nach den Tätern ist ja nach diesem Bläsersignal nicht abgeschlossen, sondern geht immer noch weiter.

Fazit

Professionell gemacht, aber letztlich eine Zumutung für die Hörer.

Wertung:           70 %

Dauer                 ca. 55 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

 

 

 

 

 

Sonntag, 6. September 2026

Mit Schirm und blinkender Pistole – Nett aber überflüssig

 

Buchcover



Die 1931 geborene Autorin ist vor allem durch ihre Inspector Jury Romane bekannt und beliebt geworden. Sie spielen im guten alten England und leben von den Charakteren der Hauptpersonen: Inspector Jury, sein schwieriger Chef, der immer verschnupfte Sergeant Wiggins und der adlige Melrose Plant. Der MDR hat 12 dieser Romane als Hörspiel bearbeitet. In der Sommerpause von „Kein Mucks“ gräbt ARD Sounds eine vierteilige Mini-Serie des SWR aus dem Jahre 1996 aus.

Inhalt

Die vier Episoden spielen im beschaulichen Little Pudley Sussex. Es gibt alles, was man für einen England-Krimi braucht: Den Inspektor Modergard, der undercover ermittelt und deswegen nie zu hören oder sehen ist: den tatsächlich ermittelnden Detective Sergeant Billingsgate,  eine Gutsherrin, einen schleimigen Neureichen und selbstverständlich einen Gärtner sowie eine Köchin. Zu guter Letzt tritt auch noch Martha Grimes herself auf. Ständig passieren irgendwelche üblen Geschehnisse und der Detective kommt nicht recht voran, zumal von seinem Chef immer nur der Trenchcoat zu sehen ist. 

 

Das Hörspiel

Die Miniserie ist eher eine Spielwiese der Autorin, die ihr eigenes Genre gehörig auf die Schippe nimmt. Spannung darf man nicht erwarten, wenngleich viel geschieht und reichlich witzige Szenen vorhanden sind. Die Protagonisten sprechen den Hörer häufig direkt an, so auch Grimes, die erläutert, warum sie die Szene gerade so geschrieben hat. Da wird dann auch etwas Literaturtheorie untergebracht. Nervig ist allerdings, dass ein Großteil des Textes in Reimen und uralten Rhythmen sowie gestelzten Sätzen geschrieben ist. Allerdings ist es eine Freude, dieser namhaften Sprecherriege zuzuhören. Die sparsam begleitende Musik kommt von einem Kontrabass.

Fazit

Freunde der Jury-Bücher und Hörspiele sind hier fehl am Platz. Eine Episode hätte es auch getan.

Wertung: 60 %

Dauer                 4 Episoden je ca. 30 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

Hase tot - Eine Überforderung

  © ARD / Jürgen Frey Der 212. Radio Tatort entführt den Hörer wieder in die Pfalz mit ihrem sympathischen Sprachklang. Autorin der 7. Episo...