Samstag, 15. August 2026

Sherlock Holmes in Rio – Ein albernes Hörfestival

Buchcover

 


Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies Poirot, längst abgelaufen sind, dürfen Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Der SWR veröffentlicht im Sommer 2026 eine dreiteilige Episodenreihe, die auf einem Roman des Brasilianers Jô Soares beruht. Das Buch wurde bereits 1997 auf Deutsch veröffentlicht. Regie führt der Routinier Alexander Schuhmacher, der sich ein paar weniger bekannte Sprecher ausgesucht hat. 

Inhalt

Rio, 1888. Dem aufgeschlossenen Kaiser Don Pedro II geschieht ein Malheur.  Er hat einer seiner Konkubinen still und heimlich eine Stradivari geschenkt. Und die ist nun verschwunden. Die berühmte französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt, die gerade auf Tournee in Brasilien weilt, empfiehlt ihm den berühmten Detektiv Sherlock Holmes und seinen Kompagnon Dr. Watscon für diskrete Ermittlungen einzuladen. Gesagt getan.  Doch dabei bleibt es nicht. Der einheimische Kommissar Pimenta schaltet Holmes ein, um einen Frauenmörder zu fassen. Der Mörder hinterlässt fast keine Spuren, aber er schneidet Ihnen die Ohren ab und legt eine Geigensaite auf ihre Scham. Gibt es einen Zusammenhang zur gestohlenen Stradivari? Holmes ermittelt in der Szene der reichen und kunstverliebten High-Society, taucht tief in die Mythen und Lebensweise der Brasilianer ein. Und verliebt sich in eine junge Schauspielerin, die ihm die Jungmännlichkeit nimmt. Aber dem Mörder kommt er nicht auf die Spur. Enttäuscht reist er nach Hause. Da muss der Mörder schon seine eigene Geschichte erzählen. Und beweist, dass man ihm durchaus auf die Schliche hätte kommen können.

Das Hörspiel

Ein brasilianischer Journalist führt jeweils mit seinen Erinnerungen in die Episode ein, sodass der Hörer zwischen den Folgen gut pausieren kann. Man hört im Übrigen den Mörder laut nachdenken, der gut trainierte Hörer erkennt ihn womöglich. Ansonsten geht es hier nicht im Entferntesten um irgendeine schlüssige Handlung. Sicher, Holmes wird entblättert und seine menschliche Seite entblößt. Sein deduktives Verfahren ins Lächerliche gezogen.  Er wir eigentlich als Knallcharge präsentiert. Im Wesentlichen sind die Episoden ein wunderbares Hörfestival, das man nicht ernst nehmen muss. Hier wird gerülpst, gefurzt, gefressen. Die Sprecher dürfen sich mit allem, was ihnen an Tönen zur Verfügung steht, austoben. Brasilien mit seinen mythischen Geistervorfahren ist eine unerschöpfliche Quelle. Dabei erfährt der Hörer auch einiges über das Land und die Zeit. Das alles geschieht in einem hohen Tempo und mit immer neuen Einfällen. Eine Satire wie es das ARD Marketing glauben machen will, ist es nicht. Dafür fehlt eine ernstzunehmende Komponente. Das Hörspiel ist nicht spannend, aber unterhaltsam. Der finale Plot ist einfallsreich und überraschend. Etwas kürzer hätte noch mehr Würze ergeben.

Fazit

Sicher für manche Hörer schlicht albern. Aber für alle, die noch beide Ohren haben, kann es ein Spaß sein, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Dauer                        3 Folgen zu ca. 55 Minuten

Wertung                   75 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

Sonntag, 9. August 2026

Grow - Tiefer kann ein Radio Tatort kaum fallen


© ARD / Jürgen Frey



Der Schweizer Rundfunk öffnet nun zum fünften Mal mit seinem neuen Tatort, das Tor in die nahe Zukunft. Autor ist wie gewohnt Dominik Bernet, Regie führte Mark Ginzler. Protagonisten sind die Ex-Kommissarin Laura Martini und ihr Ex-Chef Luzy Kalberer, inzwischen Chef des allmächtigen Swiss Health Institut, kurz SHI. Die beiden waren zunächst spinnefeind, bis sie mehr und mehr Vertrauen zueinander fanden und zuletzt gemeinsam agierten. Die Handlung spielt immer um 2056 irgendwo in der Schweiz.

Inhalt

Grow: DAS Schweizer Unternehmen mit seinem Haarmittel eines der reichsten Unternehmen der Schweiz und der Welt. Seinen Firmen- und Produktionssitz hat es an einem der letzten Gletscher der Alpen. Weil der wichtigste, geheime Rohstoff aus dem Gletscher stammt. Nach der Vision des Gründers wird dort in Hightech-Jurten gelebt und gearbeitet. Und dann stirbt dieser Haarwuchsmittel-Milliardär Toni Rose in seiner geliebten und vertrauten Eisgrotte. Ausgerechnet. Aber Morde gibt es in der Schweiz nicht mehr. Laura und Luzy fliegen mit einer Drohne zum Gletscher, um vor Ort Klärung zu suchen. Dort finden sie sich in einer verschwiegenen, teils esoterischen Gemeinschaft wieder. Tonis Bruder Rose hat inzwischen die Leitung übernommen und macht weiter wie bisher. Unterstützt vom Hologrammklon des toten Bruders. Vera und Klara, die beiden Frauen im Leben des Milliardärs beäugen sich skeptisch und widerwillig. Heimlich lassen Laura und Luzy eine Obduktion machen. Kommen sie einem Mord auf die Spur? Hat sich der Tote absichtlich klonen lassen?

Das Hörspiel

Das Hörspiel ist ein Grauen. Tiefer kann man nicht fallen. Sicher, jede Menge tolle Effekte, gute Sprecher und viel Atmosphäre mit Musik. Aber die Handlung ist hanebüchen. Wie wird man denn mit einem Haarwuchsmittel steinreich? Nach gut 30 Minuten beginnt überhaupt erst etwas Handlung. Ansonsten wird permanent gekichert. Der Autor schleudert dem Hörer einen Sprachwitz nach dem anderen zu. Die sind aber nicht witzig, sondern plump. Auch möchte der Autor dem Hörer seinen Kenntnisreichtum von Geschichte, Literatur und Musik vorführen. Außer der Obduktion besteht das Hörspiel nur aus Dialogen. Die Figuren sind allesamt ohne erkennbaren Charakter. Luzy und Laura sind brav geworden. Das Anliegen des Autors ist ja richtig: Er warnt vor einer Zukunft, die von der KI und allgegenwärtigen Regierungen. Und vor Konzernen, die aus Scheiße Geld machen.

Fazit

Ein Ausrutscher dieser tollen Redaktion, die hiermit einen Schlußstrich unter die Reihe setzen sollte.

Dauer                       ca. 55 Minuten

Wertung                   40 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds und SRF (dort mit Downloadfunktion)

 

Sherlock Holmes in Rio – Ein albernes Hörfestival

Buchcover   Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies P...