Sonntag, 17. Mai 2026

Otternwalde – Ein spannendes Hörvergnügen

Erstellt mit AI ChatGPT



Kriminalkomödien haben keinen leichten Stand. Dem einen zu seicht, dem andren nicht witzig genug. Der routinierte Autor und Regisseur Sebastian Hocke wagt sich mit „Otternwalde“ munter in dieses Genre und holt sich Top-Sprecher zur Seite.

Inhalt


Rita Kommander, eine junge Unternehmerin aus dem Ruhrpott, reist mißmutig nach Otternwalde, ein Kaff am Grüntieflinger See. Berühmt für seinen Vulkansee und das darin lebende Seeungeheuer Otti. Aber Rita sucht ihren Bruder, der dort die letzten Wochen auf einem Hausboot gelebt und gearbeitet hat. Er produzierte einen Podcast. Konstantin ist das schwarze Schaf der Familie. Ihre Mutter liegt im Sterben und will ihr Erbe regeln. Dazu brauchen sie Konstantin. Doch der ist ohne jede Spur verschwunden.  Die Dorfbewohner verdächtigen sofort Otti und erinnern an viele vergleichbare Vorfälle. Also ermittelt die tatsachenverbundene Rita auf eigene Faust. Unterstützung hat sie nur vom Kryptozoologen Öczan, der Otti-Spezialist. Ein netter, unkomplizierter Kerl. Als sie die bisherigen Folgen des Podcast anhört, stutzt sie. Wieso vertieft sich ihr Bruder in die Zeit vor fast 40 Jahren? Damals war Otternwalde ein Sägewerk mit Einwohnern, nicht das blühende Touristendort mit einem tollen Hotel und Otti als USP. Und dann gibt es plötzlich einen Beweis: Ein Fuß wird an den Stand gespült. Konstantins? Die Ereignisse überschlagen sich.

Das Hörspiel


Die gespielte Zeit umfasst nur wenige Nächte. Das Hörspiel nimmt die Perspektive von Rita ein, die auch immer wieder kommentiert. Neben ihr spielen noch eine Reihe von Charakterköpfen mit: Die locker-flockige Kommissarin, der schräge Kryptozoologe oder der etwas geheimisvolle Bootsmann. Nie ins Lächerliche gezogen. Wie überhaupt der Krimi alle möglichen Absurditäten erzählt, als seien sie normal. Irgendwann ahnt der Hörer, dass hier etwas nicht stimmt und die Spannung steigt, bis am Ende alles auf eine sehr irdische Antwort zusteuert. Dabei wird aber das Hausboot, in dem Rita zuletzt gewohnt hat, abgefackelt. Die Sprecher überziehen nie ihre Rollen. Wie immer ist Lou Strenger als Rita eine eigene Klasse. Die Rolle der Kommissarin ist ein Kunststück für sich. See, Boote, Wald etc. bieten ein hörenswerte Soundkulisse. Wie es sich für einen Urlaubsort gehört, gibt es weder Hektik noch Langeweile. Bei aller Komödie ist doch auch Kritik an der Tourismusindustrie, ständige Aufgeregtheit und überflüssigen Podcasts nicht zu überhören.

Fazit

Ein großes Hörvergnügen für Nicht-Puristen, besonders für Liebhaber der Sprechkunst.

Wertung                 90 %

Dauer                    58 min

Verfügbarkeit        ARD Sounds

 

  

Der Beifahrer - Ein fies-fröhlicher Crime-Noir

 


Buchcover


Pascal Garnier, der Autor der Buchvorlage, wurde erst nach seinem Tod entdeckt und durch aktuelle deutsch-sprachige Übersetzungen seiner Bücher durch den Schweizer Septime Verlag gewürdigt. Vor etwa einem Jahr hat der DLF Kultur das Hörspiel „Zu nah am Abgrund“ gesendet. Im Mai 2026 hat nun der HR die Federführung mit der Regisseurin Viviane Koppelmann übernommen. Wird auch das neue Hörspiel zwischen Lakonie, Grauen und Augenzwinkern chargieren? Ohne den Druck des Stundenrhythmus  des linearen Radios darf in ARD Sounds ein Hörspiel von wenigen 155 Seiten auch mal 78 Minuten dauern.

Inhalt

Fabien erhält einen Anruf von der Polizei. Seine Frau Sylvie ist bei einem Autounfall in Dijon ums Leben gekommen. Dijon? Sie leben in Paris. Der Mann am Steuer sei übrigens auch tot. Welcher Mann? Sie führten eine respektvolle Ehe ohne Zerwürfnisse, die Zeit der Leidenschaft war aber längst vorbei. Die Nachricht wirft ihn aus der Bahn: „Jetzt bin ich Witwer, ein anderer Mensch: Was soll ich denn jetzt anziehen?“. Fabien wird neugierig. Wer war der Mann, war er verheiratet? Im Leichenschauhaus ist er zwei Frauen begegnet. Ihre Spur nimmt er auf und sein bürgerliches Weltbild gerät erneut ins Wanken. Mathilde ist die Ehefrau des toten Fahrers, Madeleine dessen erste Frau und die beste Freundin von Mathilde. Fabien drängt sich unauffällig in das Leben von Madeleine: Er betritt heimlich ihre Wohnung und hinterlässt offensichtliche Spuren. Er bucht, wie die Beiden, eine Reise nach Mallorca, gleiche Zeit, gleiches Hotel. Und bekommt mehr als Kontakt zu Martine. Dem steht aber die eifersüchtige Madeleine im Wege. Und nun beginnt eine weitere Geschichte mit Hass, Liebe und weiteren Morden.

 

Das Hörspiel

Das Buch ist eine dankbare Vorlage, knappe Sätze, lakonischer Ton, wenig Psychologie und dauernd unerwartete Wendung. Ein Rezensent hat den Stil als „fies-fröhlich“ bezeichnet. Koppelmann nimmt sich genau die richtige Zeit für die vielen Szenen, die beim Hörer allmählich ein Bild der komplexen Persönlichkeiten entstehen lassen. Sie bleibt nahe an der Vorlage und gönnt uns so schöne Sätze wie: „Die Einsamkeit war für ihn nur in Begleitung denkbar.“ Ein Erzähler, der klar aus der Perspektive von Fabien berichtet, begleitet den Hörer durch das Hörspiel. Grausame Taten, eine zarte Liebesgeschichte. Ständig ein Wechselbad. Die intensive Spannung entsteht daraus, dass Garnier immer noch etwas Neues einfällt. Und wenn der Hörer denkt, nun sei´s genug, geschieht noch ein Mord. Und nicht einmal völlig abwegig. Immer zart von einer Musik begleitet, manchmal die Stimmung weiterführend oder sie explodieren lässt. Aber immer Frankreich, also nett anzuhören. Eine solche Szenerie braucht Stimmen, die alle menschlichen Wendungen erklingen lassen. Matthias Leja als Erzähler hält sich zurück, die oft gelobte Lou Strenger ist die kongeniale Besetzung für Mathilde. Der unterschätzte Patrick Güldenberg spricht die schwierige Rolle des Fabien. Der Text ist keine offene Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, aber eine Beschreibung, die den Hörer an den alten Satz: Homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf erinnert. Wieso ist dieses Motiv vor wenigen Wochen auch im Hörspiel „Wolfshunger“ aufgetaucht?

Fazit 

Hier wurde eine brillante Vorlage kongenial in ein kleines Kunstwerk umgesetzt, dass dem Hörer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Kann es im Frühjahr 26 schon das Highlight des Jahres geben?

Dauer                 78 Minuten

Wertung             95 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

 

 

 

 

Otternwalde – Ein spannendes Hörvergnügen

Erstellt mit AI ChatGPT Kriminalkomödien haben keinen leichten Stand. Dem einen zu seicht, dem andren nicht witzig genug. Der routinierte Au...