Sonntag, 26. April 2026

Sterbenswort - Einfallsreiche Konstruktion

 





Seit 2020 bietet Contendo Media in seiner Reihe Küstenkrimi „Einfach Meer Spannung“. Der Anspruch ist, das Niveau von Regionalkrimis durch hohe Produktionsqualität zu heben. Folgt man der langen Lebenszeit der Reihe und den Zugriffszahlen auf Spotify scheint dies zu gelingen. Seit einiger Zeit wechseln allerdings die Autoren. „Sterbenswort“ ist Folge 27, Autor ist der Routinier Tobi Jawtusch.

 

Der Inhalt

Buchmesse in Warnemünde. Auf der Messe präsentieren sich die großen Verlage, das Publikum wird mit hochrangigen Lesungen bei Laune gehalten. Auch Adrian Sommer liest. Allerdings ist seine erfolgreichste Zeit schon 20 Jahre her. Nun gehen die Leserzahlen zurück. Vor allem, weil ihm vorgeworfen wird rechts abgedriftet zu sein. Seine Romane seien fremden – und frauenfeindlich, Schuld haben immer die Migranten. Kein Wunder, dass sich Aktivisten gegen seinen Auftritt wehren. Daher Polizeischutz. Der nicht hilft. Sommer wird im Anschluss an die Lesung in der Herrentoilette erschossen. Die örtliche Polizei stellt erstaunt fest, dass es reichlich Verdächtige gibt. Der Hoteldirektor Hans Richter hatte Ärger mit Sommer, weil der ihm das Haus seiner Großeltern weggeschnappt hat. Dem Schriftsteller Markus Vogel hat Sommer eine Story geklaut. Und seiner Ex-Partnerin Tanja Baumann hat er ihr persönliches Vermögen von mehr als 300.000 € in den Sand gesetzt. Beliebt war er auch nicht bei den Aktivisten und einer Journalistin. Reichlich Verdächtige mit denen sich der Kommissar in seinem ersten Fall auseinandersetzen musste.

Das Hörspiel

Das Regionale ist in diesem Hörspiel eher vorsichtig vertreten, dessen Handlung sich an einem Tag und einer Nacht abspielt. Es gibt wenig Aktion, aber reichlich Dialoge der Verdächtigen untereinander und mit dem Kommissar. Das Hörspiel erzeugt die Spannung durch eine gewagte Konstruktion. Der Hörer ist Zeuge des Mordes und kennt den Täter oder die Täterin. Aber findet die Polizei den Täter?  Da alle Verdächtigen unsympathisch sind, gibt es keinen Favoriten und der Autor legt reichlich falsche Fährten. Die meisten sind schlicht gestrickt, da passt es gut, dass der Kommissar noch jung und unerfahren ist. Die Männerstimmen sind eher rauchig und charakterstark, aber gut zu unterscheiden. Leider haben sich bei den Frauenrollen inzwischen quietschende Stimmen durchgesetzt, die wir alle aus der Radioreklame kennen. Der Autor ist erstaunlich politisch mit seiner Story. Unüberhörbar, dass die „Rechten“ nicht seine Freunde sind. Die Regie hätte deutlich mehr aus der Geschichte machen können. Auch wenn,wie gewohnt Sound, Geräuschen, Begleitmusik ausgesprochen professionell sind. 

 

Fazit

Mutige Konstruktion und der politische Anspruch geben dieser Reihe einen weiteren Höranlass für die Freunde dieser Reihe.

 Wertung 85 %

Dauer 69 Min.

Verfügbarkeit

In den gängigen Streaming-Dienstes und bei Contendo Media

Links

https://audiodramaseurope.de/interviews/tobias-jawtusch/

 

https://www.tobias-jawtusch.de/post/k%C3%BCsten-krimi-27-sterbenswort

 

 

 

 

 

 

Davenport 160 x 90 – Ein female Noir ?

 



Der Autorin Sybille Ruge ist mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans „Davenport 160x90“ im Frühjahr 2022 ein sensationelles Debüt gelungen. Der Krimi wurde hochgelobt und entsprechend geehrt. Der Autorin war es gelungen, einen attraktiven Plot mit einer anspruchsvollen Sprache zu veröffentlichen. Mit ihren Anspielungen an die großen Hard-Core-Detektive setzte sie selber die Latte sehr hoch. Die Vorlage verspricht Spannendes.

Der Inhalt

Frankfurt. Sonja Slansky hat eine Firma für Forderungsmanagement. Ohne lefzende Hunde, aber mit russischem Onkel und viel IT-Know how. Geschäftlich läuft es gut, privat eher mau. Ausgerechnet mit ihrem ersten großen Kunden A. geht sie gelegentlich ins Bett. Und dann kommt auch noch seine Frau daher und erteilt ihr einen Auftrag. Ahnt die was? Doch das spielt alles keine Rolle mehr. Denn die junge hippe Künstlerin Luna wird tot in Sonjas Wohnung aufgefunden. Luna war eher eine Zufallsbekanntschaft. Sie ist freakig, hat aber ihre erste große Ausstellung namens Davenport 160x90. Und ihr Lover, der Pate der örtlichen Techno-und Rap-Szene Chang meldet sich nicht. Also braucht sie ein Bett. Aber wer sollte Luna umbringen? Oder sollte sie eigentlich Opfer sein? Jedenfalls wird die Ermittlerin nun zum Gegenstand einer Ermittlung eines smarten älteren Kommissars. Und die Spuren führen nicht nur um Täter/-in, sondern auch zu Sonjas Familiengeschichte. 

Das Hörspiel

Endlich mal wieder ein Krimi, ohne Belehrungsversuch. Die Ich-Erzählerin Sonja ist die dominierende Figur, begleitet von einer überschaubaren Gruppe von Mitspielern. Hardcore nicht im Sinne von Colts und Schlägereien. Aber ihre Sprache ist hart, zynisch, ohne jeden Hauch von Empathie. Nähe und Zärtlichkeit kommen bei ihr nicht vor, Sex schon. Wie bei den Noir-Klassiker lässt sich der Hörer von der Handlung treiben. Hier geht es nicht um Logik oder Nachvollziehen. Die Frauen im Hörspiel sind die spröden, schwierigen Charaktere. Die Männer eher die Netten. Der Versuch, den großen Klassikern des hard-boiled ein deutsches, feministisches Gesicht zu geben ist unüberhörbar und gelungen. Die sprachlich anspruchsvolle Story wird zügig und spannend erzählt. Anders als ein Buch ist das Hörspiel immer schon eine Interpretation. Diese scheint gelungen. Schnelle Dialoge, Rap und Techno als Sound. Aber die Autorin hat ein Anliegen: Ein kritischer Blick richtet sich auf das Geschäftsgebaren reicher Szene-Typen, auf die Absurdität der Kunst und ihrer Professoren.  Und dann wird auch noch eine fast zärtliche Familiengeschichte erzählt. Kein Spoiler: Davenport 160x90 ist ein Gartentisch, den es eine Weile bei OBI gab.

Fazit

Attraktive Vorlage, spannend und unterhaltsam inszeniert. Ein Muß für Krimi-Fans, alle anderen sollten sich diesen dialogen Sprachspaß auch gönnen.

Wertung       90 %

Verfügbarkeit

ARD Sounds (Audiothek)

Sterbenswort - Einfallsreiche Konstruktion

  Seit 2020 bietet Contendo Media in seiner Reihe Küstenkrimi „ Einfach Meer Spannung “. Der Anspruch ist, das Niveau von Regionalkrimis dur...