Seit 2020 bietet Contendo Media in seiner Reihe Küstenkrimi „Einfach Meer Spannung“. Der Anspruch ist, das Niveau von Regionalkrimis durch hohe Produktionsqualität zu heben. Folgt man der langen Lebenszeit der Reihe und den Zugriffszahlen auf Spotify scheint dies zu gelingen. Seit einiger Zeit wechseln allerdings die Autoren. „Sterbenswort“ ist Folge 27, Autor ist der Routinier Tobi Jawtusch.
Der Inhalt
Buchmesse in Warnemünde. Auf der Messe präsentieren sich die großen Verlage, das Publikum wird mit hochrangigen Lesungen bei Laune gehalten. Auch Adrian Sommer liest. Allerdings ist seine erfolgreichste Zeit schon 20 Jahre her. Nun gehen die Leserzahlen zurück. Vor allem, weil ihm vorgeworfen wird rechts abgedriftet zu sein. Seine Romane seien fremden – und frauenfeindlich, Schuld haben immer die Migranten. Kein Wunder, dass sich Aktivisten gegen seinen Auftritt wehren. Daher Polizeischutz. Der nicht hilft. Sommer wird im Anschluss an die Lesung in der Herrentoilette erschossen. Die örtliche Polizei stellt erstaunt fest, dass es reichlich Verdächtige gibt. Der Hoteldirektor Hans Richter hatte Ärger mit Sommer, weil der ihm das Haus seiner Großeltern weggeschnappt hat. Dem Schriftsteller Markus Vogel hat Sommer eine Story geklaut. Und seiner Ex-Partnerin Tanja Baumann hat er ihr persönliches Vermögen von mehr als 300.000 € in den Sand gesetzt. Beliebt war er auch nicht bei den Aktivisten und einer Journalistin. Reichlich Verdächtige mit denen sich der Kommissar in seinem ersten Fall auseinandersetzen musste.
Das Hörspiel
Das Regionale ist in diesem Hörspiel eher vorsichtig vertreten, dessen Handlung sich an einem Tag und einer Nacht abspielt. Es gibt wenig Aktion, aber reichlich Dialoge der Verdächtigen untereinander und mit dem Kommissar. Das Hörspiel erzeugt die Spannung durch eine gewagte Konstruktion. Der Hörer ist Zeuge des Mordes und kennt den Täter oder die Täterin. Aber findet die Polizei den Täter? Da alle Verdächtigen unsympathisch sind, gibt es keinen Favoriten und der Autor legt reichlich falsche Fährten. Die meisten sind schlicht gestrickt, da passt es gut, dass der Kommissar noch jung und unerfahren ist. Die Männerstimmen sind eher rauchig und charakterstark, aber gut zu unterscheiden. Leider haben sich bei den Frauenrollen inzwischen quietschende Stimmen durchgesetzt, die wir alle aus der Radioreklame kennen. Der Autor ist erstaunlich politisch mit seiner Story. Unüberhörbar, dass die „Rechten“ nicht seine Freunde sind. Die Regie hätte deutlich mehr aus der Geschichte machen können. Auch wenn,wie gewohnt Sound, Geräuschen, Begleitmusik ausgesprochen professionell sind.
Fazit
Mutige Konstruktion und der politische Anspruch geben dieser Reihe einen weiteren Höranlass für die Freunde dieser Reihe.
Wertung 85 %
Dauer 69 Min.
Verfügbarkeit
In den gängigen Streaming-Dienstes und bei Contendo Media
Links
https://audiodramaseurope.de/interviews/tobias-jawtusch/
https://www.tobias-jawtusch.de/post/k%C3%BCsten-krimi-27-sterbenswort

