Sonntag, 15. März 2026

Tödliche Baustelle - Der hessische Radio-Tatort

© ARD / Jürgen Frey

 


Hochkarätiger kommen nur wenige Radio-Tatorte daher: Regiegenie Leonhard Koppelmann, renommierter Autor Martin Mosebach und dann noch Sprecher wie Felix von Manteuffel und Ole Lagerpusch. Mit der neunten Episode des Frankfurter Teams startet der HR ins Jahr 2026. Und das Team sind nicht nur die beiden Kommissare sondern auch hessischen Urgesteine im Büro: Fr. Teschenmacher und Fr. Felsenstein.


Inhalt


Der Bauunternehmer Lummelmann wird tot am Fuße eines Aufzugsschacht aufgefunden. Es war seine Baustelle und eigentlich stand der sechstöckige Bau seit einigen Wochen still. Und das war das Problem. Das Großunternehmen Investo war sang-und klanglos und geldlos Pleite gegangen. Was wollte er dort? War er versehentlich heruntergefallen? Oder geschubst? Es gibt reichlich Spuren im Schnee, die nicht weiterhelfen. Wo fängt man da an zu suchen? Doch Hilfe kommt von unerwarteter Seite: Die Felsensteine ist seit ihrer Kindheit mit der Frau des Toten befreundet und so ergeben sich ganz neue Information. Lummelmann stand selber vor der Pleite, seine Bank hatte die Daumenschrauben angezogen. Sein gute Freund und Subunternehmer Eimer drohte Lummelmann heftig, weil der ihn in diese Misere hineingezogen hat. Wieso ist plötzlich der Sohn aus erster Ehe der Frau verschwunden?

Wieso hat Lummelmann kurz vor seinem Tod noch den einen türkisch-stämmigen Kollegen angerufen? Viele Frage, aber keine Antwort. Vielleicht gibt der Tresor Auskunft, der überraschend im Wohnhaus der Lummelmanns entdeckt wird.

 

Das Hörspiel

 

Das Setting mit den beiden Kommissaren und den Damen im Büro verschiebt sich etwas, weil Felsenstein viele unbekannte Details einbringen kann. Im übrigen tun alle vier ihren soliden Dienst in der Großstand Frankfurt mit reichlich Immobilienhaien und Menschen, die immer noch Dialekt sprechen. Felsenstein ist die Erzählerin, die die Story in Rück-und Einblendungen berichtet. Dies erfordert hohe Konzentration, lohnt aber. Das Tempo ist angemessen und mit attraktiver Szenerie: Baustelle, edles Wohnhaus, Flughafen, Büro. Die Musik spielt eine bedeutende Rolle, Songs bestärken den gehörten Inhalt (16 tons), gehen gelegentlich in den Text über und deuten Ruhe oder Spannung an. Allein auch schon hörenswert. Der Stammhörer wird wissen, dass es weniger auf den Plot ankommt, sondern auf den Weg dahin. Der gewiefte Autor Mosebach erzählt aber auch Familiendramen und von der Hilflosigkeit eines kleinen Bauunternehmers gegenüber den Konzernen. Und ein klein wenig schummeln wir doch alle.

 

Fazit 

 

Die Inszenierung ist mutiger und schwieriger zu hören, aber es lohnt sich, weil eine Weiterentwicklung stattfand, die Sprecher und die Regie bestens agieren und es einfach ein Hörvergnügen ist.

 

Wertung 85 % 

 

 

Dauer ca. 53 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

Samstag, 7. März 2026

Der Hakenmann – Der SWR Radio-Tatort 208


© ARD / Jürgen Frey


Die routinierte Autorin Monika Geier legt im Februar 2026 ihren 4. Krimi mit dem Landauer Team um Anima King vor. Anima hatte zuletzt Abwanderungsgelüsten angedeutet. Neugier ist also angesagt.


Inhalt


Für Anima King beginnt der Tag mit einer Enttäuschung. Der Vorstellungstermin in Ludwigshaben beim Team von Fe Ekelberger wird kurzfristig abgesagt. Man werfe ihr Fehlverhalten im Umgang mit Daten vor. Also auf zusammen mit Pirosi in Landau ermitteln: Dort wurde das Trinkwasser gefährlich verunreinigt. Der Brauereibesitzer Alfons Maaß ist erster Verdächtiger. Auf ihrem Gelände steht der alte, anheimelnde Wasserturm und dort laufen alle Leitungen zusammen. Maaß steht unter Druck, die Geschäfte gehen zurück und er denkt daran, an den Großkonzern Multifood zu verkaufen. Seine Tochter ist auf der Gegenseite aktiv: Sie unterstützt die Umweltaktivisten HW100, die sich gegen diesen Verkauf wehren und Wasser  nicht privatisieren wollen. Ganz harmlos waren ihre Aktivitäten bisher nicht, daher ist HW100 ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Auch der rechten Szene mit der Influencerin Franka Raischel ist diese Truppe ein Dorn im Auge. Mittendrin der Bürgermeister Kristian Lindefeldt, der auch persönlich von einem Verkauf profitieren könnte. Und dann gibt es noch den Hakenmann: Seit sein Bruder vor vielen Jahren als Kind ertrunken ist, führt er ein Leben ohne Halt und Heimat. Da unerbittlich angelt, hat er von den Kindern den Namen eines Schauermärchens erhalten. Aber statt Fahndungserfolge zu melden, spitzt sich die Situation zu.

 

Das Hörspiel

 

Monika Geier ist zweifellos eine routinierte Hörspielautorin. Der Hörer folgt den Hauptfiguren, die ein wenig Privates offenbaren, aber nicht zu viel. Die Figuren sind glaubwürdige Charaktere, die in die Landschaft passen. Norddeutsche Hörer müssen sich schon ein wenig in den Pfälzer Dialekt hineinhören. Viele kurze Spielszenen reihen sich aneinander und der Hörer folgt stets neugierig, ohne je zu ahnen, was nun kommt. Verdächtige gibt es zuhauf. Wir begleiten die Ermittler in eine Brauerei, einen etwas gruseligen Wasserturm oder beim Paddeln in den Altarmen des Rheins. Die reichhaltige, begleitende Musik ist auf Dauer allerdings eher ein Stimmungstöter. Auch das Ambi meint es gelegentlich zu gut: Ein Käuzchen am Rhein, na ja. Aber es gibt auch beeindruckende Mitschnitte der Influencerin.Die Autorin greift gesellschaftlich relevante Themen auf: Verdrängung kleiner Unternehmen durch Konzerne, Verschleudern von Wasserrechten, linke Aktivisten und rechte Influencer, vereinsamte Menschen. Etwas viel für ein knappe Stunde. Weitere Wermutstropfen: Vieles ist extrem weit hergeholt und wenig glaubwürdig. Da wäre weniger mehr gewesen.

 

Fazit

 

Trotz Kritik ein guter, hörenswerter Tatort mit viel Lokalkolorit und wohlwollendem Blick auf die Menschen der Region,

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit  

 

ARD Audiothek

  

Tödliche Baustelle - Der hessische Radio-Tatort

© ARD / Jürgen Frey   Hochkarätiger kommen nur wenige Radio-Tatorte daher: Regiegenie Leonhard Koppelmann, renommierter Autor Martin Mosebac...