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| Wikipedia: 1960-Jahre |
Der WDR ist immer für Überraschungen gut. Die wenig bekannte Autorin Traude Bünger hat ein originales Krimihörspiel geschrieben, das in den 1960-er Jahren spielt und sich an einem realen Fall orientiert. Allein diese Informationen machen neugierig.
Inhalt
West-Deutschland in den 1960-er Jahren. Ein Land, dem es wirtschaftlich gut geht und das in der Zeit vor der Studentenbewegung noch miefig und piefig ist. Hier im Kölner Ruhrpott möchte die junge Journalisten Hilde Eckert mit neuen Themen und viel Engagement Fuß fassen. Die ältlichen Herren Redakteure lächeln milde und setzen sie auf Hausfrauenthemen an. Doch es kommt anders. Ihr guter Bekannter Ludwig zeigt ihr ein mit Nazi-Symbolen beschmiertes Denkmal, das er reinigen soll. Als Schupo!? Getrieben von ihrer journalistischen Spürnase begeben sich beide in eine stadtbekannte Nazi-Kneipe. Dort bandelt Hilde mit Manfred Köhler an und folgt den Gesprächen einer rechten Burschenschaft. Worte wie „Frankfurt, Sprengstoff“ schnappt sie auf. An polizeiliche Ermittlungen ist nicht zu denken. Der Staatsanwalt lässt seinen Sohn nicht hängen, der mitten in der brauen Soße agiert. Ihre Tante, eine ehemalige Edelweiß-Piratin erinnert sie daran, dass in Frankfurt gerade der couragierte Staatsanwalt Bauer die Nazi-Schergen vor Gericht zerrt. Aber Hilde kennt keine Angst.
Das Hörspiel
Das Setting ist ungewöhnlich: Nicht Gegenwart und nicht 30-Jahre, sondern die kaum präsente Epoche der 1960-er Jahre. Die Älteren kennen die Zeit noch, die Jüngeren haben mit Glück etwas von den Eltern erfahren. Die Regie versetzt den Hörer mit aller Kunst genau in diese Zeit. Der Köllsche Dialekt, die aus der Zeit gefallenen Wörter (wie etwa „bedröppelt“), das eher ruhige Tempo. Alles von den eher unbekannten Sprechern glaubwürdig gesprochen. Im Mittelpunkt stehen die umtriebige Journalistin Hilde und der zwischen Loyalität und Gewissen hin-und hergetriebene Schutzpolizist Ludwig. Alle anderen sind Begleitmusik. A propos Musik: Sie ist hier tragendes Element und kongenial ausgewählt bzw. komponiert. Auch die Soundkulisse ist gelungen, leicht nostalgisch, aber nie überdreht. Kein Thriller, aber nach 40 Minuten kommt Spannung auf. Das Hörspiel erinnert daran, das die junge Bundesrepublik jahrzehntelang rechten Ballast nicht nur mitschleppte, sondern unterstützte. Darüber nachzudenken, wie es heute ist, dazu kann dies Hörspiel anregen.
Fazit
Ein etwas ungewöhnlicher, ruhiger Politkrimi. Kein Straßenfeger, aber mit Genuß und Gewinn zu hören.
Dauer ca. 62 Minuten
Verfügbarkeit
ARD Audiothek
