Sonntag, 26. Oktober 2025

Das Ende des Westens – Ein Politkrimi




Es gibt sie noch die eigenständige Hörspielredaktionen. Der rbb sendete am 28.09.25 um 16.00 Uhr auf der Website von Radio 3 dieses neue Hörspiel von Lars Werner. Keine vorhergehende nichtssagende Veröffentlichung in der Audiothek, stattdessen ein knappes, informatives Interview mit dem Autor, eine kurze Info und ein paar Bildchen. Chapeau, so macht man neugierig.

Inhalt


Die junge russische Studentin Sascha will mehr haben von ihrem Leben. Sie will schnell Geld verdienen und dann reisen, reisen, reisen. Sie ist fit in der IT, kann mit Menschen umgehen, sich in sie hineinversetzen und ist kreativ. Sascha heuert in einer Trollfabrik im Herzen von Moskau an. Ein schlichter Bau, der gut 500 junge Menschen beschäftigt. Ihre Aufgabe: Internet Identitäten schaffen, denen ein Profil geben und irgendwann damit für Riesenärger im Westen sorgen. So wie bei den Bettwanzen in Paris, die es nie wirklich gab, aber bei den russischen Trollen. Sascha füttert alleine 14 Identitäten. Sie ist mehr als gut in ihrem Job. Und dann diese zärtlichen Blicke der neuen Kollegin. Sascha ist verwirrt, man merkt es ihr an. Und dann muss sie in die heilige Chef-Etage zu Nico. War´s das nun? Im Gegenteil, Sascha soll befördert werden.

 

Das Hörspiel

 

Der Autor hat ein klares Anliegen: Putin hat seit seinen Dresdner Zeiten nichts anderes zum Ziel als das Ende des Westens. In vielen Rückblenden werden einige Beispiele aufgeführt. Die Trollfabriken sind nur ein kleiner Teil. Und diese Trolle sind uns näher als uns lieb ist. Denn das Bild der Trollfabrik ist wie in wohl in den meisten IT-Unternehmen: Mit gammeligen Kaffeetassen, Small-Talk im Flur, kleinen Lügen und großen Träumen. Also keine weitere Information, sondern ein Weckruf an jeden Einzelnen. Die Inszenierung ist diesem Ziel untergeordnet. Zwei ErzählerInnen, die wechselseitige ihr Wissen und ihre Beobachtungen berichten wie der Chor in der griechischen Tragödie. Sie klingen, wie alle anderen auch, nicht wie wirkliche Menschen, obwohl man ihr Menschsein spürt. Eine immer wieder auftauchende Titelmelodie spiegelt die Situation wieder: Mal fröhlich, mal ängstlich, oft neutral.  Immer schwankend zwischen Realität und digitaler Simulation. Alle Figuren neben Sascha und den ErzählerInnen sind Staffage. Immer wieder gelingen dem Autor wunderbare Szenen und Sätze:  „weginformieren“ ; „play the long game“ oder schlicht die Reflexion über den Geruch des Regens auf Beton. Es gibt keine spannende Handlung, kein Ende auf das man zusteuert. Aber eine Szenerie, die dem Hörer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Putin meint es so, wie der Titel es formuliert. Das Alles ist nicht ganz einfach anzuhören, die Erzählerinnen sprechen sehr schnell, alles vollgepackt mit IT-Jargon, aber ohne moralischen Zeigefinger. 

 

Fazit 

 

Unbedingt hörenswert. Lars Werner gelingt es, den Hörer zum Nach-und Neudenken zu bewegen. 

 

Wertung 85 % 

 

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

Leider wurde dieses Hörspiel lediglich zweimal gesendet. Aus rechtlichen Gründen darf es nicht in der Audiothek veröffentlicht werden. Der Autor hatte den Stoff ursprünglich für das Theater in Oldenburg geschrieben, die es im Spätherbst 2025 aufführen.

 

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