Der Deutschlandfunk Kultur stellt im Herbst 2025 die Hörspielbearbeitung des Buches „Fronten“ von Leonhard F. Seidl vor. Der Kriminalroman ist bereits 2017 erschienen und die Handlung orientiert sich grob an einem realen Ereignis im Jahr 1988 in der bayerischen Kleinstadt Auffing/Dorfen. Eine mutige Entscheidung.
Inhalt
Zu Ayyub Zlatar kommen Polizisten. Sie wollen die Waffen abholen. Ayyub stammt aus Srebrenica und fühlt sich seit seiner Flucht als Kind bedroht. Daher die Waffen. Wegen seiner psychischen Probleme ist er auch in Behandlung bei der muslimischen Ärztin Roya Özen. Aufgrund dieser Probleme darf er keine Waffen mehr besitzen. Ayyub ringt mit sich. Am Ende geht er mit seinem Colt zur Polizeistation und erschießt drei Polizisten bevor er schwerverletzt gefasst wird. Roya Özen, die gerade einen Autounfall melden wollte, bleibt als Zeugin des Attentats unverletzt. Noch. Denn in Auffing erhitzen sich die Gemüter, der Hass auf alle Ausländer nimmt zu, auf die Moschee wird ein Anschlag verübt und die Bürger fragen sich: Wieso hat die überlebt? Hat Sie mit dem Attentäter zusammengearbeitet? Ihre kurdische Vergangenheit wird plötzlich zum Problem. Handelte sie im Auftrag des IS? Die Polizei ist hilflos, bis ein Reichsbürger, Mitglied im Schützenverein, Roya entführt.
Das Hörspiel
Die Erzählung hat ein reales Geschehen zur Grundlage und arbeitet diese Gewalttat als Hörspiel auf. Schon als Buch keine leichte Kost und kein Krimi, sondern eher Suspense. Das Hörspiel ist eine beständige Collage aus Ich-Erzählungen von Roya oder Ayyub, einer neutralen Erzählerin und vielen Dialogszenen. Zudem gibt es reichlich wechselnde Zeitsprünge. Im Buch kann ein Leser zurückblättern oder nachlesen. Diese Möglichkeiten entfallen im Hörspiel. Der Hörer kann der Handlung nicht gedanklich folgen, sondern nur warten, was denn noch alles passiert. Das politische Anliegen des Autors ist klar: Er wirbt um Verständnis, für Handlungen, die Angst machen und will zeigen, dass Fronten, die ein Mensch in Bosnien oder dem Iran erlebt hat, auch in den Köpfen vieler Deutscher weiter existieren. In gewissem Sinne ist das Hörspiel ein Weckruf, ein Schrei nach Hilfe. Alles unterlegt mit einer wabernden, verstörenden Geräuschkulisse. Grundsätzlich kein schlechtes Anliegen in einer Welt, in der Menschen anderer Hautfarben oder Religion mehr und mehr bedroht werden. Es wird nur wenige Hörer geben, die bis zum Ende durchhalten. Für die, die es schaffen, wird das Anliegen keine neue Erkenntnis sein.
Fazit
Absolutes Minderheitenprogramm. Die Inszenierung überreizt die schwierige Vorlage.
Wertung 70 %
Dauer ca. 55 Minuten
Verfügbarkeit
ARD Hörspieldatenbank

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