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Kriminalkomödien haben keinen leichten Stand. Dem einen zu seicht, dem andren nicht witzig genug. Der routinierte Autor und Regisseur Sebastian Hocke wagt sich mit „Otternwalde“ munter in dieses Genre und holt sich Top-Sprecher zur Seite.
Inhalt
Rita Kommander, eine junge Unternehmerin aus dem Ruhrpott, reist mißmutig nach Otternwalde, ein Kaff am Grüntieflinger See. Berühmt für seinen Vulkansee und das darin lebende Seeungeheuer Otti. Aber Rita sucht ihren Bruder, der dort die letzten Wochen auf einem Hausboot gelebt und gearbeitet hat. Er produzierte einen Podcast. Konstantin ist das schwarze Schaf der Familie. Ihre Mutter liegt im Sterben und will ihr Erbe regeln. Dazu brauchen sie Konstantin. Doch der ist ohne jede Spur verschwunden. Die Dorfbewohner verdächtigen sofort Otti und erinnern an viele vergleichbare Vorfälle. Also ermittelt die tatsachenverbundene Rita auf eigene Faust. Unterstützung hat sie nur vom Kryptozoologen Öczan, der Otti-Spezialist. Ein netter, unkomplizierter Kerl. Als sie die bisherigen Folgen des Podcast anhört, stutzt sie. Wieso vertieft sich ihr Bruder in die Zeit vor fast 40 Jahren? Damals war Otternwalde ein Sägewerk mit Einwohnern, nicht das blühende Touristendort mit einem tollen Hotel und Otti als USP. Und dann gibt es plötzlich einen Beweis: Ein Fuß wird an den Stand gespült. Konstantins? Die Ereignisse überschlagen sich.
Das Hörspiel
Die gespielte Zeit umfasst nur wenige Nächte. Das Hörspiel nimmt die Perspektive von Rita ein, die auch immer wieder kommentiert. Neben ihr spielen noch eine Reihe von Charakterköpfen mit: Die locker-flockige Kommissarin, der schräge Kryptozoologe oder der etwas geheimisvolle Bootsmann. Nie ins Lächerliche gezogen. Wie überhaupt der Krimi alle möglichen Absurditäten erzählt, als seien sie normal. Irgendwann ahnt der Hörer, dass hier etwas nicht stimmt und die Spannung steigt, bis am Ende alles auf eine sehr irdische Antwort zusteuert. Dabei wird aber das Hausboot, in dem Rita zuletzt gewohnt hat, abgefackelt. Die Sprecher überziehen nie ihre Rollen. Wie immer ist Lou Strenger als Rita eine eigene Klasse. Die Rolle der Kommissarin ist ein Kunststück für sich. See, Boote, Wald etc. bieten ein hörenswerte Soundkulisse. Wie es sich für einen Urlaubsort gehört, gibt es weder Hektik noch Langeweile. Bei aller Komödie ist doch auch Kritik an der Tourismusindustrie, ständige Aufgeregtheit und überflüssigen Podcasts nicht zu überhören.
Fazit
Ein großes Hörvergnügen für Nicht-Puristen, besonders für Liebhaber der Sprechkunst.
Wertung 90 %
Dauer 58 min
Verfügbarkeit ARD Sounds

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