SciFi bleibt ein bei den Hörern beliebtes Genre, da kommt es gerade recht, dass nun eine 3. Staffel der Werke des Autors Prokop erscheint. Prokops kurze Geschichten, geschrieben ab 1983 in der DDR werden üblicherweise als Dystopie bezeichnet, also eine Utopie mit düsterem Ausgang. Tatsächlich glaubt man sich streckenweise in der Gegenwart. Mit Grauen dienen aber diese Episoden nicht. Stattdessen überbordende Phantasie, leichte Ironie, politische Anspielungen und vor allem toller Wortwitz. Die drei neuen Episoden folgen den gleichnamigen Kurzgeschichten, die erstmals 1983 in der DDR in dem Sammelband „Samenbankraub“ erschienen
Im Mittelpunkt der Episoden steht der kleinwüchsige Timothy Truckle (Tiny). Er arbeitet als einzig verbliebener Privatdetektiv in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er lebt in Chicago im 827. Stock eines der vielen Hochhäuser. Unterstützt von seinem allwissenden Computer Napoleon. Tiny arbeitet nur für die Schönen und Reichen und die ganz schön Reichen.
Teufelspuzzle – Episode 8
Huck Peabody kommt auf eine Stippvisite zu Timothy. Auf dem Weg dorthin wird er mehrmals bestohlen und soll dann noch entführt werden. Ein Fall für Timothy. Doch auch andere interessieren sich für Huck, der Geheimdienst, die NSA. Letztlich geht es um das brandaktuelle Thema Identitätsdiebstahl.
Der Laurin oder der Umzug der Engel – Episode 9
Truckle erhält einen Auftrag aus der High-Society. Die dreißigjährige attraktive Großmutter, Chefin von General Motors, erteilt ihm den Auftrag Henri Ford VI zu suchen. Den Echten, denn sie hat den Verdacht, dass der längst tot ist und durch einen Klon ersetzt wurde. Tot wäre er ihr lieber. Dazu muss Truckle ins Gelände des Ford Konzerns. Dazu braucht er den Mantel des Laurin, der ihn unsichtbar macht. Bei der Befreiung von Hunderten von Kindern, die im Untergrund leben, testet er den Prototyp. Das Überleben in Parallel-Welten ist hier Thema.
Die Spur der Mutanten – Episode 10
Mühsam erholt sich Truckle vom Tod seiner Freundin Anna. Da verschwindet der erfolgreiche Künstler und gute Freund Daniel Schopenhauer. Und dann taucht auch noch die ehrgeizige Polizeipräsidentin von Chicago mit einem Auftrag auf: Ein Hubschrauber wurde abgeschossen. Am Bord wurden mehrere Einjährige entdeckt, deren Körper Mutationen aufwiesen. Truckle kümmert sich um beide Fälle und der Hörer taucht tief in ethische Erörterungen. Körperteile werden geklont und gezüchtet, der übermächtige Staat und korrupte Großkonzerne entscheiden. Und am Ende taucht Timothy Truckle in eine ganz andere neue Welt.
Die Inszenierung
Die Staffel folgt in allem den ersten beiden Produktionen. Erstklassige Sprecher. Matschke kann deutlich mehr als im Fernsehen zu zeigen ist. In Valery Tschepanowa als Anna kann sich der Hörer genauso wie Truckle verlieben. Die brilllante Umsetzung, Konzentration auf den Text, klanglich leicht zukunftserheischend, aber immer zum Stoff passend. Mit Musik von Jazz, über easy listening bis hin zu Zukunftsklängen Ein Erzähler führt durch die Story, die eher ruhig abläuft. Alles so inszeniert, dass der Hörer immer auch etwas über die Gegenwart erfährt und nachdenkt. Die Laurin-Episode ist die schönste und die schaurigste. In ihr wird eine zärtliche Liebesgeschichte erzählt und zugleich ein unerträgliches Abschlachten geschildert.
Fazit
Nur Krimi, weil Truckle Privatdetektiv ist. Kein Science-Fiction im Sinne des aktuellen Mainstreams, aber beste Unterhaltung, die den Hörer frösteln lässt, wie wenig davon noch Utopie ist.
Wertung 90 %
Dauer ca. 50 Min. je Episode
Verfügbarkeit
ARD Audiothek



