Sonntag, 16. November 2025

Wer Hunde weckt – Ein Politthriller


Buchcover




Nach langer Zeit gibt es mal wieder einen politischen Krimi beim Deutschlandfunk Kultur. Er beruht auf dem gleichnamigen Roman des Münchner Journalisten Achim Zorn. Buch (466 S.) und Hörbuch sind bereits 2017 erschienen und waren mäßig erfolgreich. Neben dem politischen Inhalt ist es auch ein Schmachtfetzen. Da wird man doch neugierig, was der DLK daraus macht.



Inhalt


Kundus 2009. Die deutschen Truppen haben gerade einen Angriff auf zwei Tanklastwagen veranlasst und dabei mehr als hundert tote Afghanen in Kauf genommen. Darunter viele Kinder. Ein journalistisches Ereignis höchstens Ranges. Und die DAZ kann nicht berichten. Denn ihr Starreporter David Jakubowicz liegt im Krankenhaus in Hongkong. Er hatte ein Hintergrundgespräch mit einer CIA-Agentin und wurde bei einem Attentat auf diese verletzt. Dennoch macht er sich auf die Suche nach Jakob Westphal. Der hatte den Befehlt erteilt und befindet sich auf der Flucht. Aber  David ermittelt eigenständig und treibt Westphal in München auf. Und gerät dabei in die Machenschaften mächtiger Gegner und Freunde: Die Zeitung, die wirtschaftlich kämpft, verschiedene Ministerien und Behörden. Da geht Beseitigung von Problemen vor Klärung. Dennoch wagt er die Reise nach Afghanistan, um sich selber ein Bild zu machen. Ein Tanz auf der Rasierklinge.

 

Das Hörspiel

 

Weder Buch noch Hörspiel erheben einen dokumentarischen Anspruch. Aber der Angriff auf die Tanklastwagen ist reale Hintergrund dieses Politthrillers. Auch das Hörspiel selbst ist ein Angriff: Ein Lauschangriff erster Güte. Geräusche im Vordergrund, Nebengeräusche, elektronische Verzerrungen und Einspielungen, Stimmen und Sprachen, mal laut und dann wieder leise und zurückhaltend. Der Text ist journalistisch leger und ohne Finessen. Die Musik passt sich bestens den Spielorten und den Ereignissen an, ohne sich vorzudrängeln. Wer die Augen schließt, sieht die Geschehnisse wie im Kino. Ob der gespielten Wirklichkeit ist das manchmal kaum auszuhalten. Das Zuhören erfordert Konzentration. Es ist eine ständige Mixtur aus Vor-und Rückblenden, Ortswechseln, Ich-Erzählern, neutralen Erzählern und damit ein ständiger Perspektivwechsel, der dem Hörer einen journalistischen Überblick ermöglicht. Inhaltlich werden viele Themen angerissen: Journalismus im ständigen Gegensatz von Wirtschaftlichkeit und Anspruch, der Staat als Aufklärer und Vertuscher, die Menschen in Deutschland und anderswo zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Begleitet von kleinen und großen persönlichen und familiären Dramen. Alles zügig in eher kleinen Szenen gespielt und mit passenden Stimmen besetzt. Viele Schwächen der Vorlage werden sanft ausgebügelt, aber nicht alle. David ist etwas viel ein Lonesome-Cowboy, etliche Ideen überzeugen nicht, sehr schnell erkennt der Hörer die Guten und die Bösen, was der Spannung etwas nimmt. Und etwas viel Herz und Schmerz.

 

Fazit 

 

Viel besser wird man eine solche Vorlage kaum inszenieren können. Spannend bis zum Schluß, mit hochpolitischem Hintergrund. Was in der Gegenwart viel zu selten zu hören ist. 

 

Wertung 85 % 

 

 

Dauer zwei Teile zu je ca. 54 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

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