Freitag, 26. Dezember 2025

Jagd auf Fantomas – Der Adventskalender 2025 des SWR



 

Die Gurkentruppe ist zurück. In alter Tradition hat der SWR für den Advent jeden Tag ein Türchen mit einem Mini-Hörspiel zum Öffnen. Eine liebevolle Krimigroteske von Kai Magnus Sting und Leonhard Koppelmann. Da hebt der Kenner schon die Augenbrauen.

Die drei Hobbyermittler Albrecht Friedrichsberg (Christoph Maria Herbst), Jupp Straaten (Bastian Pastewka) und Willy Dahl (Kai Magnus Sting) machen sich, unterstützt von der pfiffigen Hélène (Annette Frier), auf eine turbulente Verfolgungsjagd durch Europa. Also auch hier erste Sahne. Selbstredend füllen die drei noch etliche andere Figuren


Die Handlung


Die Grundidee: Das Originalrezept für Croissants ist verschwunden und mit ihm sämtliche Croissants! Die drei Hobbyermittlerin machen sich auf, die Ursache zu ergründen. Schnell identifizieren sie den Täter: Fantomas. Sie müssen ihn nur noch finden. So ergeben sich für jeden Adventstag neue Geschichten.

 

Die Reihe

 

Fantomas ist eine Figur, die 1911 in einer Reihe von Kriminalromanen zweier französischen Autoren auftaucht. Fantomas ist ein skrupelloser und zugleich genialer Schurke. Populär wurde die Figur allerdings erst durch die Verfilmungen mit Louis de Funes in den 1960-er Jahren. Funes spielte dabei den ständig durchgeknallten Kommissar. Eindeutig also eine Hommage an Funes ,die Romane und die Filme.

Ansonsten darf sich der Hörer auf ständigen Rollenwechsel, überbordende Fantasie und feinsten Sprachwitz freuen. Tempo und Inszenierung erinnern gelegentlich an die Slapstick-Komödien der Stummfilmzeit. Die Sprecher haben hier wieder die Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen. Bis zum letzten Türchen wahnsinnig spannend, überhaupt nicht vorhersehbar. Beruhigend zu hören, dass nicht nur Bodo Wartke die Sprache noch sezieren kann

 

                                       

Fazit 

 

Man muss diesen Gurkentruppen-Kosmos schon mögen. Nicht vor dem Einschlafen zu hören, ansonsten ein cleverer, temporeicher Sprachspaß und eine verdiente Würdigung.

 

Wertung 90 % 

 

 

Dauer 24 Episoden zu je ca. 7 Min.

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek 

 

Schmerz des Lebens – Der Münchner Radio-Tatort


© ARD / Jürgen Frey

Der BR ist nun auch schon bei der 5. Episode (Dez.2025) um die Privatdetektivin Yanina Adler und den Kommissar Ünal Tekin in München. Diesmal wieder mit Katja Röder als Autorin, die die Hörer auch mit der Reihe „Melitta und Stern“ erfreut.

Inhalt


Ein Tsunami bricht über VINTE herein. Ein E-Payment-Startup der beiden Studienfreunde Elias Heller und Finn Weber. In den wenigen Jahren nach Gründung hat es alle nur erdenklichen Rekorde aufgestellt, ist börsennotiert und milliardenschwer. Und nun plötzlich die Katastrophe: Elias Heller wird erdrosselt in seiner Wohnung aufgefunden und Finn Weber taucht nach einer Dienstreise nicht wieder auf. Die blutjungen Mitarbeiter sind schockiert und hilflos. Auch Ünal Tekin, als die Spurensicherung nachweist, dass Heller bei zweifelhaften BDSM-Praktiken getötet wurde. Hatte Yanina da nicht auch einen Informanten an der Hand? Aber es gibt auch andere Spuren. Eine investigative Journalistin wollte einen Artikel veröffentlichen, der aufzeigt, dass VINTE nur eine Finte war, alles nur Schall und Rauch. Ihr Informant war mal für VINTE tätig. Wollte sich da jemand mehr als nur rächen? Die Mitarbeiter des Unternehmens sagen nichts und wissen nichts. Auch das Mädchen für alles, die Office Managerin Marie. Verrät ihr zärtlichen Kuss mit Finn mehr? Ünal und Yanina graben sich durch das Dickicht des Schweigens und der Lügen zur Klärung.

 

Das Hörspiel

 

Das Wirecard irgendwann in Krimis aufgegriffen wird, war ja nur eine Frage der Zeit. Da sind München und der BR genau die Richtigen. Dort wurden Milliarden von gutwilligen Anlegereuros versenkt und einer der Haupttäter ist immer noch flüchtig bzw. für den russischen Geheimdienst tätig. Das Hörspiel ergänzt diese an sich schon bizarre Szenerie um einen Ausflug in die BDSM-Szene, Einblicke in die Arbeits-und Familienwelt. Also ausgesprochen hörenswert, chronologisch erzählt mit beindruckender Soundkulisse. Eher ruhig und trotz gelegter Spuren mit wenig Spannung inszeniert. In dieser Episode steht Ünal im Vordergrund, Yanina ist lediglich Sidekick. Die Autorin hat sich bemüht, die Finanztricks in einer Szene zu erläutern. Das ist allerdings schwer verdaulich. Der Titel „Schmerz des Lebens“ weist schon darauf hin, dass es nicht nur um Sado-Maso geht: Die junge Mutter, die allein mit dem Kind zu Recht kommen muss, weil ihr Mann nur Business kennt oder Marie, die den Laden zusammenhält, ohne das es jemand zur Kenntnis nimmt. Dazu passt, dass vor allem die Frauenrollen kongenial besetzt sind. Das Mordmotiv überzeugt den Rezensenten nicht vollends.

                                       

Fazit 

 

Beachtlich diese einstündige Umsetzung des Wirecard-Skandals in ein Hörspiel. Keine Minute verschenkter Hörzeit und ein Highlight in der bayerischen Tatort-Reihe.

 

Wertung 90 % 

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

Sonntag, 14. Dezember 2025

Enthauptung – Ein 3D-Krimi

 

Von Artemisia Gentileschi - Uffizi, Gemeinfrei, 

                  https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79711017

    


Der Deutschlandfunk Kultur ist immer noch für anspruchsvolle Kriminalhörspiel zu haben. Pünktlich zum Tag der Gewalt gegen Frauen, wird „Enthauptung“ ins Netz gestellt. Ein Hörstück, welches Bilder der Barockmalerin Gentelischi (1593-1654) zum Anlass nimmt, eine kunstvolle Reise durch Krimi, Doku und Zeitkritik zu unternehmen.



Inhalt


Der ehemalige Polizist Adam ist Museumswärter. Obgleich er gerne unbeobachtet auf dem Handy rumdaddelt, kümmert er sich liebevoll um seine Objekte. Aktuell werden gerade Bilder der Malerin Artemisia Genteleschi ausgestellt. Darunter so berühmte Werke wie die Enthauptung des Holofernes und Susanne mit dem Bade.

Doch Adam ist irritiert: Er hört Stimmen aus den Bildern, eine junge Frau mit Baby auf dem Arm taucht immer wieder auf, eine ältere Mutter fordert ihn auf, etwas gegen ihren Sohn zu unternehmen, der sich an Frauen vergeht. Traum und Wirklichkeit gehen durcheinander, bis Adam an seine Vergangenheit erinnert wird. Als junger Polizist war er an der Verhinderung einer Anzeige wegen Vergewaltigung beteiligt. Läuft Adam Gefahr enthauptet zu werden?

 

Das Hörspiel

 

Der Hörer muss sich auf eine Reise zwischen Illusion und Wirklichkeit einlassen. Die Zeitebenen gehen durcheinander, Bilder beginnen zu sprechen, Grauen und Witz wechseln sich ab. Pünktlich zum Tag der Gewalt gegen Frauen greift das Hörspiel anhand der barocken Bilder dieses Thema auf. In bewegenden, berührenden Szenen die auch andeuten, wie Männer zu diesem Verhalten kommen. Durch diese Szenen und Zeitebenen führt eine allwissende Erzählerin, die mit sympathischer Stimme auch gruseligen Momente nachvollziehbar macht. Überhaupt macht hier das Produktionsteam in seiner Gänze einen beneidenswert guten Job. Musik und Geräusche sind eher vorsichtig eingesetzt. Der Text der Autorin kennt keine Schwächen. Aber der Einsatz der Kopfhörer ist unbedingt zu empfehlen, wenn man den Gang durch die Ausstellung hören möchte. Die leicht absurde Story wird ausgesprochen unterhaltsam, gelegentlich witzig erzählt. Und berührt vielleicht gerade durch das Fehlen eines moralischen Zeigefingers.

 

Fazit 

 

Kein wirklicher Krimi, sondern eine zeitkritische Mahnung, die nicht für jedermann gut verträglich ist. Aber unterhaltsam und spannend und bestens produziert.

 

Wertung 90 % 

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

Montag, 8. Dezember 2025

Juists verlorene Seelen – Inselkrimi 40

 



Tobias Jawtusch ist mit ca. 40 Hörspielen in 2,5 Jahren ein routinierter Autor, der auch Drehbücher fürs Fernsehen schreibt und von diesem Job lebt. Im Netz bekennt er seine Liebe zu Whodunit-Formaten. Da wird doch der Leser schon neugierig. Juist ist eine kleine ostfriesische Insel, gerade mal 900m breit und 17 km lang. Knapp 2.000 Einwohner, aber reichlich Touristen, die nur mit der Fähre zurückkommen. 

 

Inhalte

 

Lena Nöttke wird von der Reinigungskraft erstochen in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Sie wollte ein paar Tage im Hotel Strandpalais die Ruhe und die Nordseeluft genießen. Allerdings hatte sie sich zwei Keycards geben lassen. War der Täter damit ins Zimmer gekommen? Oder hat sie jemanden hereingelassen? Einbruchspuren gab es nicht. Die  Untersuchung der Spusi hilft nicht weiter. Der Ortspolizist Römer und das eilends geholte Landei Kommissar Peterson konzentrieren ihre Ermittlungen auf das Hotel und seine Gäste. Ein Tagebuch der Toten deutet an, dass sich Lena offenbar frisch verliebt hat. Fabian Hamm druckst herum und macht sich verdächtig. Aber auch das Ehepaar Neumann gerät ins Visier der Ermittler: David Neumann ist ein Arbeitskollege von Lena. War er auch ihr Geliebter? Wer war Besitzer der zweiten Keycard. Immer wieder Befragungen und Nachforschungen. Und das alles unter Zeitdruck. Denn schon am nächsten Nachmittag des nächsten Tages fährt wieder eine Fähre. 

 

 

Das Hörspiel

 

Nicht nur ein klassischer Whodunit, sondern auch noch closed-room. Man kommt ja nicht so schnell weg von Juist. Der Kommissar ist menschlich nicht ganz einfach, aber ein einfühlsamer Befrager. Der Ortspolizist ist nicht nur Staffage. Es gibt eine überschaubare Reihe von Verdächtigen und einige Hinweise. Das Erzähltempo ist ruhig. Nach 20 Minuten kommt es zur ersten Zeugenbefragung. Der Hörer macht sich bald durchaus eigene Gedanken und wird am Ende überrascht und versteht dann den Episoden-Titel. Bis auf zwei Rück-bzw. Einblendungen wird alles brav linear erzählt. Tatsächlich werden die Polizisten eher von den Befragungen getrieben, als von ihren eigenen Ermittlungen. Die Sprache des Autors ist angemessen, mit einem gelegentlichen Hang zum Deftigen. Die Sprecher machen alle einen soliden Eindruck. Lediglich die Putzfrau mit italienischem Akzent ist hoffnungslos überzogen. Musik und Sound haben das gewohnte hohe Niveau. Allerdings gelegentlich zu gut gelaunt. Insgesamt fehlt auch das Ambiente etwas. Kein Hotellärm, wenig Wind und Wellen. Mit dem fiesen Hotelmanager, gegen den die Beschäftigten eine Demo starten, macht der Autor auf die schlechten Arbeitsbedingungen in dieser Branche aufmerksam. Leider die schlechteste Szene des Hörspiels. Ein Schwachpunkt ist auch das Thema Mittel. Ein Mord wird vom Dreigestirn: Motiv, Gelegenheit und Mittel. Wo ist das Messer geblieben? Nirgendwo Blutspuren.

 

Fazit

 

Ein ordentlicher ruhiger Krimi, der dem Hörer erlaubt mitzudenken. Passend zum Setting der Reihe: Wer will im Nordseeurlaub schon einen beunruhigen Thriller hören oder lesen?

 

Wertung 75 %

 

Dauer ca. 70 Min.

 

Verfügbarkeit

 

https://insel-krimi.lnk.to/Folge40JuistsVerloreneSeelen

 

Halloween – Mord auf der Halloween-Party

© ARD / Jürgen Frey



Pünktlich nach dem Ende von Halloween erscheint  beim Bremer Rundfunk die 7. Episode um das gemischte Polizeiteam Yelda Üncan und Jonathan Brooks sowie seinem Bruder, dem Drogendealer Marcus mit seinem Handlanger Oscar. Der bisherige Autor Safier hat sich offenbar zurückgezogen und mit der neuen Autorin Natalie Tielcke wurde die Chance für ein neues Setting vertan. Tielcke ist eine überaus erfolgreiche Autorin von Krimis, Hörspielen und Hörbücher, die auch regelmäßig Drehbücher für Fernsehfilme schreibt.

Inhalt


DIE große Halloween-Party von Bremen! Viele schräge Typen, reichlich Alkohol und andere Drogen, verstörende Verkleidungen. Auch Oscar ist dabei. Aber sein Spaß endet als er eine Zombie-Leiche vor seinen Füßen entdeckt. Sie wurde vom Dach heruntergestoßen und Oscar war Zeuge. Er flieht, sucht Schutz und Hilfe bei Marcus, dem Bruder des Kommissar Jonathan. Der übernimmt gemeinsam mit Yelda diesen Todesfall, der auch sich auch ihnen schnell als Mord erweist. Der tote Tom Bergmann ist unbescholten. Er hat vor einem Jahr genau auf dieser Party den Tod seiner Freundin wegen einer Überdosis Drogen erlebt. Nun arbeitet er in einer Drogenberatung und ist clean. Doch dann tauchen andere Informationen auf. In seiner Wohnung finden sich Unmengen Drogen. Er selbst hat sich vor kurzem viel Geld geliehen. Die Polizei ermittelt sorgfältig: Befragt die Eltern der toten Freundin, ihren Ex, die sexbessesene Geldverleiherin, die Besucher, das ganze Programm. Aber der wichtigste Zeuge, Oscar, bleibt verschwunden. Als er volltrunken und mit Drogen abgefüllt an einer Bushaltestelle gefunden wird, gerät er erst recht in Lebensgefahr und die Polizei in Zeitnot.

 

Das Hörspiel

 

Ein klassischer Whodunit. Eine erkleckliche Zahl roter Heringe mit entsprechenden Verdächtigen. Der Autorin ist es gelungen, dass Setting mit dem Polizeiteam und dem familiären Drogenteam nahtlos fortzuführen. Allerdings nutzt es sich mit der Zeit und der 7. Episode das Schema ab: Frotzelndes Team weiß nicht weiter. Kommissar Jonathan ruft kriminellen Bruder Marcus an, Handlanger Oscar gerät in Probleme. Gut zu wissen, dass es unter den Bösen auch Gute gibt. Und so zieht sich das Hörspiel ohne viel Spannung in die Länge. Trotz Halloween, Zombies und Geisterbahnatmosphäre, die immerhin für einen attraktiven Hörgenuss gut sind. Die Inszenierung ist stimmig und abwechslungsreich, die Sprecher klingen jederzeit überzeugend. Auf einen regionalen Bezug wurde verzichtet, nicht einmal norddeutscher Tonschlag ist zu vernehmen. Der Plot ist in der Form unerwartet und aufregend, aber der aufmerksame Hörer ahnt schon, dass ein ziemlich abwegiger Schluß naht. Da alle Tatorte einen gesellschaftlichen Touch haben müssen, ist die Warnung vor Drogen und den kriminellen Folgen verständlich, wenngleich etwas platt. 

 

Fazit 

 

Solide Arbeit, die den Hörer nicht in Begeisterungsstürme versetzt. Aber auch keine Zeit verplempert. Der Fußballfan schaut auch mal Spiele der Mannschaften im Mittelfeld an.

 

 

Wertung 70 % 

 

Dauer ca. 55 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

ARD Audiothek

Tödliche Baustelle - Der hessische Radio-Tatort

© ARD / Jürgen Frey   Hochkarätiger kommen nur wenige Radio-Tatorte daher: Regiegenie Leonhard Koppelmann, renommierter Autor Martin Mosebac...