Sonntag, 11. Januar 2026

Sherlock Holmes Baker Street – Ein neue Serie im Holmes-Kosmos



Die Pastiche-Episoden erfreuen die Hörer seit Jahren. Seit kurzem gibt es auch wieder erfolgreiche Kanon-Erscheinungen (z.B. Holysoft). Der Zaubermond Audio Verlag veröffentlicht mit der „Studie in Scharlachrot“ als erster Episode einen Kanon-Stoff als Appetizer. Die weiteren Folgen sind offenbar eine Mischung aus Doyles Stoffen oder aus Motiven des Haus-Autors Dennis Ehrhardt.


1 Studie in Scharlachrot


Dieses Hörspiel basiert auf der gleichnamigen Geschichte von 1887, in der Holmes das erste Mal erschien. Dieser Roman wurde bereits 1894 unter dem Titel „Späte Rache“ übersetzt. Es existieren lediglich 5 Hörspielfassungen.

Unüberhörbar ist diese Interpretation ein Ear-Catcher. Die Figuren werden ausführlich dargestellt und der Text hält sich eng an die Vorlage. Mit 2,5 h eine eher lange Fassung. Textlich eine gute Mischung aus England-Touch und gegenwärtiger Alltagssprache. Die Sprecher können mit den berühmten Interpreten durchaus mithalten, wenngleich Puristen die Nase rümpfen. Sie vermeiden die so häufig zu hörende Affektierung. Tempo, Betonung und Intonation stimmen und können in der Gegenwart gut gehört werden. Sound ist eher sparsam eingesetzt, aber die Musikbegleitung ist immer wieder schön zu hören und verstärkt die Atmosphäre.

 

2 Das Porzellanzimmer

 

Frühjahr 1881: Wenige Wochen nach der »Studie in Scharlachrot« stirbt Dr. Phineas Vale, Watsons väterlicher Freund und Mentor, auf Marwood Manor. Gift. Watson bittet Holmes um Hilfe, doch der ermittelt bereits in einem anderen Fall. Watson reist allein – und wird im Porzellanzimmer von Marwood Manor Zeuge eines bizarren Rituals: ein Rätsel, dessen Enthüllung ihn in tödliche Gefahr bringt. Mit gut 90 Minuten Laufzeit ist es eine eher längere Erzählung, die mit Ruhe und Liebe zum Detail erzählt wird. Die Stimmen halten nicht das Niveau der ersten Episode. Die Handlung ist eher abstrus und nicht immer überzeugend, für die Ermittlung und Aufklärung des Falles nimmt man sich viel Zeit. Holmes Deduktion als gut funktionierender Problemlöser.

3 Die drei Spiegel

 

Während Lestrade noch mit dem Mord an einem bekannten Krimiautor befasst ist, kümmert sich Sherlock um eine Nebensache.  In der Royal Albert Hall zerbersten gleichzeitig drei Spiegel. Es wird niemand verletzt, aber in wenigen Stunden soll Premiere eines neuen Konzertes sein. Sherlock ahnt Böses und ermittelt gegen alle Widerstände in der Musikszene. Eine ungewöhnliche spannende Szenerie.

 

4 Das gefleckte Band

 

Ein Klassiker von Doyle: Dieses Mal ermitteln Holmes und Watson im Auftrag von Helen Stoner, um den rätselhaften Tod ihrer Schwester aufzuklären – und sie selbst vor drohender Gefahr zu bewahren. „Das gefleckte Band“ waren die letzten Worte der toten Schwester, in ihrer Hand fand man ein abgebranntes Streichholz. In den Nächten vor ihrem Tod hatte die junge Frau oft ein leises Pfeifen gehört – genau dieses unheimliche Geräusch raubt jetzt auch Helen Stoner den Schlaf.

 

Zwischenbilanz

 

Fiktiv folgen die Episoden den chronologischen Aufzeichnungen Watsons. Sprachlich sind die Texte sehr nahe am Stil von Doyle, atmosphärisch immer überzeugend. Bemerkenswerte musikalische Begleitung und ein gutes Gefühl für das Timing. Die Spielzeit passt sich jeweils den Stoffen an und variiert entsprechend. Die Sprechregie hat noch Luft nach oben. Die Nebenrollen halten nicht das Niveau der beiden Hauptpersonen.

 

                                       

Fazit 

 

Für eingefleischte Holmes-Fans ein absolutes Muß. Diese neue Reihe kann auf hohem Niveau mithalten. Für Gelegenheitshörer nette, bestens inszenierte Geschichte mit Holmes und Old-England Flair in Spielfilmlänge.

 

Wertung 85 % 

 

 

Dauer ab 90 Minuten

 

Verfügbarkeit

 

Auf den üblichen Streaming-Diensten

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