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Friedrich Ani ist eine Art Urgestein unter den Krimiautoren. Mit seinen Figuren Tabor Süden oder Jacob Franck hat Ani Geschichte geschrieben. Krimis auf hohem Niveau und mit viel Nähe und Liebe zu den Menschen und ihre liebenswerten Schwächen. Ani hat schon immer auch Original-Radiohörspiele geschrieben. Nun hat es den bayerischen Autor beim NDR auf die Insel Juist verschlagen!
Der Inhalt
Auf der kleinen, autofreien Nordsee-Insel Juist ertrinken unglücklich zwei Kinder. Mittags als die Urlauber speisen und ihren ersten Sekt trinken. Niemand hat etwas gesehen und die Rettungsschwimmer waren 500 m weiter im Einsatz. Nicht der erste Fall in den letzten Jahren. Immer weniger Kinder können schwimmen und immer mehr Eltern werden sorgloser. Dieser Fall wühlt auch die Anne Graf auf. Sie ist Kommissarin in Hamburg und war als Kind häufig mit der Familie auf Juist und hat in den Wellen ihre kleine Schwester Isa verloren. Zufällig trifft sie auf Isra Hassan, ebenfalls Kommissarin, allerdings aus Hannover. Sie sucht Ruhe, denn sie wurde vom Dienst suspendiert, weil sie beim Schlafwandeln eine Frau erschossen hat. Die Beiden trauen den örtlichen Kräften und ermitteln aus eigener Betroffenheit und auf eigene Weise. Gut, dass Anne noch einige alte Bekannte hat. Und vielleicht helfen die Zeugen, die bisher nicht ernst genommen worden doch weiter. Aber dann wird Anne, die gute Schwimmerin am frühen Morgen tot am Strand aufgefunden.
Das Hörspiel
Das Hörspiel braucht 20 Minuten, bevor etwas nennenswertes geschieht. Überhaupt ist das Tempo inselgemäß ruhig. Wenig Handlung, viele Dialog zwischen Isra und Anne und Ich-Gespräche der psychologisch hoffnungslos überfrachteten Protagonistinnen. Die Norddeutschen klingen mit ihrem Klang immer etwas dümmlich wie ja auch die örtliche Polizei als hilflos dargestellt wird. Den beiden Hauptsprecherinnen nimmt man diese schwierigen Personen glaubwürdig ab. Die unvermeidliche Heidi Kriegeskotte bekommt auch hier eine Nebenrolle. Die Musik von Zeitbloom wabert beständig elektronisch im Hintergrund. Die Geräusche beschränken sich auf Möwengekreische, Meeresrauschen und Pferdegetrappel, definitiv kein ear-catcher. Wie der Titel andeutet ist das Hörspiel voll von esoterischen Anwandlungen und den Befindlichkeiten der beiden Hauptpersonen. Das Frauenbild des Autors ist zwiespältig. Zwei starke weibliche Figuren dominieren, die aber eigenmächtig und psychisch angeschlagen sind, Wollen Frauen so dargestellt werden? Die Handlung ist abstrus bis abwegig mit gelegentlich erhobenem Zeigefinger. Weit entfernt von dem Anspruch des NDR: „Ein Mystery-Krimi über Naturgewalten und menschliche Abgründe“ zu sein.
Fazit
So schlecht war Ani noch nie, auch die Regie hatte schon bessere Tage. Gut möglich, dass Mystery, Grauen und Esoterik dennoch ihre Liebhaber finden.
Wertung 60 %
Dauer ca. 60 Minuten
Verfügbarkeit
ARD Audiothek

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