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| Besnards Eigendarstellung |
Der routinierte Wiener Autor Jan Decker hat mehr als 30 Hörspiel verfasst, darunter eine Reihe veritabler Krimis wie die Osnabrück-Trilogie. Zugleich liebt er den Blick auf die absonderlichen Gewalttaten von Menschen wie allein schon Titel zeigen: Die Bestie Angerstein oder Vampir Haarmann. Nun (Sommer 2025) knöpft sich Decker beim SWR einen realen Fall aus Frankreich um 1940 vor.
Das Geschehen
Marie Besnard starb 1980 in Loudon, einem kleinen Ort inmitten Frankreichs, ihre Heimat und Ort der ihr vorgeworfenen Morde war. Sie stammte aus einem großbäuerlichen Haushalt und wurde durch Erbschaften der zahlreichen Verstorbenen eine reiche Frau. Sie war 5 Jahre in Untersuchungshaft und erlebte zwischen 1952 und 1961 3 Prozesse. In Allen wurde sie freigesprochen. Sie soll insgesamt 13 Menschen mit Arsen vergiftet haben. Ihr erster Ehemann starb 1927 mit 33 Jahren lt. Todesschein an Tuberkulose. Bei der Untersuchung des Leichnams fanden die Mediziner 66mg Arsen/Kg in seinem Körper. Zu der Zeit fand sich Arsen noch in jedem bäuerlichen Haushalt, obwohl seine Giftwirkung bekannt war. Der 13. Tote war ihr Ehemann Leon im Oktober 1947. Auch in seinem Leichnam fand sich Arsen. Die Verteidiger überzeugten die Richter, dass nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, woher das Arsen im Körper stammt. Der Fall erregte weltweit Aufsehen und ein großes Pressecho. Besonders in Deutschland, da einer der Hauptzeugen (Adi) aus Karlsruhe stammte.
Das Hörspiel
Wie in allen seinen Hörspielen erweist sich Decker als ein neutraler Chronist, der dem Hörer die Wertung überlässt. Er wählt dazu eine fast journalistische Montagetechnik, in der Zeitungsberichte, Rundfunksendungen oder Aussagen gelesen werden. Damit gelingt es mit diesen furchteinflössenden Geschehnissen, eine gewisse Spannung zu entwickeln. Dies geschieht jeweils mit Rückblicken aus den 1980-er Jahren entlang der Todesfälle. Bei Decker kommen fiktiv auch die Toten zu Wort. Die Gerichtsprozesse und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit kommen überhaupt nicht vor. Decker will nicht die Psychologie der Besnard aufdecken, sondern die Betroffenen in den Vordergrund rücken. Adi zur zentralen Figur des Hörspiels. Er war als Kriegsgefangener an den Hof der Besnards geraten und galt zeitweise als ihr Liebhaber. Letztlich nimmt Decker aber bezieht Decker deutlich Position. Jenseits der juristischen Urteilsfindung kann es eine menschliche Wahrheit geben. Die Dramaturgie von Uta-Maria Heim zeigt, dass man true crime auch nicht voyeuristisch oder juristische Dampfplauderei inszenieren kann.
Fazit
Ein abwechslungsreiches, spannendes Hörspiel, dass zum Nachdenken anregt, indem es menschliche Schicksale und nicht das Grauen in den Vordergrund rückt.
Wertung 80 %
Dauer ca. 59 Min.
Verfügbarkeit
ARD Audiothek

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