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| Buchcover |
Im Februar 2026 veröffentlicht der Deutschlandfunk einen Noir-Krimi, der auf dem gleichnamigen Buch des Autors Jakob Nolte beruht. Das Staatstheater Hannover hat im Herbst 2025 eine Schauspielinszenierung des Stoffes realisiert. Nolte hat bisher nicht eben viele Hörspiele geschrieben, wagt sich aber mutig an die Bearbeitung und Regie. Auf jeden Fall ist es schön zu lesen, dass der Sender immer noch mutig neue Pfade beschreitet. Die eigens komponierte Musik kann man übrigens auf den gängigen Streaming-Diensten nachhören.
Der Inhalt
Die junge Kommissarin Rita Aitzinger findet am frühen Morgen nach Abschluß ihrer Achtsamkeitsübungen eine Leiche im Park. Ein junger Mann, stranguliert. Nicht die erste Leiche eines jungen Mannes, die sie findet. Der Mord an einem jungen Nachbarn, nagt noch an ihr, weil man den Fall ungeklärt zu den Akten legen musste. Das darf ihr nicht noch einmal passieren und sie etabliert eine aufwändige Soko. Die Toten verbindet etwas: Die Inszenierung der Leiche, das gleiche Tattoo an den Unterarmen. Trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe gibt es aber noch etwas: Sie waren offenbar einsame, junge Männer, die über Dating-Apps Kontakt suchten. Hunderte Polizisten klappern tausende Frauen ab, die in Dating-Apps aktiv sind. Und tatsächlich bringt ein junger Polizist, der sich dabei verliebt, die Soko auf eine erste Spur. Den dritten Mord können sie aber nicht mehr verhindern.
Die Hörspiele
Die Handlung spielt in Hannover und unmittelbarer Umgebung. Ohne Dialekt und nicht im Sinne eine Cozy-Regionalkrimis. Eher unter dem Gedanken, dass wir in einer globalen Welt leben, aber unser Handeln immer lokal stattfindet. Der Zeitablauf ist nicht immer klar, weil nur die wichtigsten Szenen entlang der aufwändigen Ermittlungen gespielt werden. Viele arg kluge, schön zu hörende Dialoge, innere Monologe von Rita und eine Erzählerin führen durch die Szenerie. Gelegentlich ist das alles etwas ausufernd. Rita ist keine Sympathie-Trägerin, sondern nervig, anstrengend und willensstark. Sie ist die Frau mit den vier Armen, weil sie zwei Pelzmäntel ihrer beiden Großmütter zusammengenäht hat und bildlich damit mehr ist als sie allein. Die teils gruselige Handlung ist auch für Zartbesaitete gut zu verfolgen. Es lohnt sich, auf jedes Wort zu achten, weil der Autor wunderschöne Sätze schreiben kann, die von den Sprechern glaubwürdig umgesetzt werden: „Die Theorie hat was gemeinsam mit Avocado: verdammt weit hergeholt“. Der Autor neigt allerdings dazu, seine Belesenheit stark in den Vordergrund zu rücken, ohne dass dies zur Handlung beiträgt. Die unterschiedlichen Szenen garantieren unentwegte Unterhaltung und Hörfreude. Stark unterstützt von vorsichtig instrumentierter Musik, die immer neue, passende Töne für den Moment findet. Der Tonregie ist es gelungen, die Atmo extrem differenziert einzusetzen. Letztlich ist der Plot wenig überzeugend, dem Autor geht es offenbar auch nicht um einen Krimi. Er malt ein Bild junger Menschen, die einsam sind und keinen Sinn im Weiterleben sehen. Gedanken, die bisher alten Menschen vorbehalten waren. Der Autor nennt es an einer Stelle: Die Kartografie der Befindlichkeiten. Eine Thematik, die ja auch gerade in der Serie der ARD „Die Blender“ im Mittelpunkt steht.
Fazit
Trotz abstruser Handlung und weltkluger Dialoge ein unterhaltsames Hörspiel für alle Altersgruppen mit Krimi-Touch und Gruseln im Kopf.
Verfügbarkeit
Bei Amazon Music:
https://music.amazon.de/albums/B0G26C3V8X
oder bei allen gängigen Streaming-Dienste

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