Sonntag, 26. April 2026

Davenport 160 x 90 – Ein female Noir ?

 



Der Autorin Sybille Ruge ist mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans „Davenport 160x90“ im Frühjahr 2022 ein sensationelles Debüt gelungen. Der Krimi wurde hochgelobt und entsprechend geehrt. Der Autorin war es gelungen, einen attraktiven Plot mit einer anspruchsvollen Sprache zu veröffentlichen. Mit ihren Anspielungen an die großen Hard-Core-Detektive setzte sie selber die Latte sehr hoch. Die Vorlage verspricht Spannendes.

Der Inhalt

Frankfurt. Sonja Slansky hat eine Firma für Forderungsmanagement. Ohne lefzende Hunde, aber mit russischem Onkel und viel IT-Know how. Geschäftlich läuft es gut, privat eher mau. Ausgerechnet mit ihrem ersten großen Kunden A. geht sie gelegentlich ins Bett. Und dann kommt auch noch seine Frau daher und erteilt ihr einen Auftrag. Ahnt die was? Doch das spielt alles keine Rolle mehr. Denn die junge hippe Künstlerin Luna wird tot in Sonjas Wohnung aufgefunden. Luna war eher eine Zufallsbekanntschaft. Sie ist freakig, hat aber ihre erste große Ausstellung namens Davenport 160x90. Und ihr Lover, der Pate der örtlichen Techno-und Rap-Szene Chang meldet sich nicht. Also braucht sie ein Bett. Aber wer sollte Luna umbringen? Oder sollte sie eigentlich Opfer sein? Jedenfalls wird die Ermittlerin nun zum Gegenstand einer Ermittlung eines smarten älteren Kommissars. Und die Spuren führen nicht nur um Täter/-in, sondern auch zu Sonjas Familiengeschichte. 

Das Hörspiel

Endlich mal wieder ein Krimi, ohne Belehrungsversuch. Die Ich-Erzählerin Sonja ist die dominierende Figur, begleitet von einer überschaubaren Gruppe von Mitspielern. Hardcore nicht im Sinne von Colts und Schlägereien. Aber ihre Sprache ist hart, zynisch, ohne jeden Hauch von Empathie. Nähe und Zärtlichkeit kommen bei ihr nicht vor, Sex schon. Wie bei den Noir-Klassiker lässt sich der Hörer von der Handlung treiben. Hier geht es nicht um Logik oder Nachvollziehen. Die Frauen im Hörspiel sind die spröden, schwierigen Charaktere. Die Männer eher die Netten. Der Versuch, den großen Klassikern des hard-boiled ein deutsches, feministisches Gesicht zu geben ist unüberhörbar und gelungen. Die sprachlich anspruchsvolle Story wird zügig und spannend erzählt. Anders als ein Buch ist das Hörspiel immer schon eine Interpretation. Diese scheint gelungen. Schnelle Dialoge, Rap und Techno als Sound. Aber die Autorin hat ein Anliegen: Ein kritischer Blick richtet sich auf das Geschäftsgebaren reicher Szene-Typen, auf die Absurdität der Kunst und ihrer Professoren.  Und dann wird auch noch eine fast zärtliche Familiengeschichte erzählt. Kein Spoiler: Davenport 160x90 ist ein Gartentisch, den es eine Weile bei OBI gab.

Fazit

Attraktive Vorlage, spannend und unterhaltsam inszeniert. Ein Muß für Krimi-Fans, alle anderen sollten sich diesen dialogen Sprachspaß auch gönnen.

Wertung       90 %

Verfügbarkeit

ARD Sounds (Audiothek)

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