Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Paket für Mr. Shapiro


Das englische Original auf Youtube


Den Hosts des SFR ist es zu verdanken, dass der gute alte Spionageroman nicht gänzlich vergessen wird. Anfang Juni 2026 wird das “Paket“ des renommierten britischen Theaterautor präsentiert. Es erschien erstmals im britischen Radio 1975 und der SFR hat dann 1975 die einzige deutschsprachige Fassung mit namhaften Sprechern produziert. Ein Genre, welches mit Eric Ambler und LeCarre eine alte Tradition hat, wird aktuell eher durch Politkrimis ersetzt. Obgleich es reichlich Stoff gibt.

Inhalt

Der frisch aus Deutschland nach England angereiste Mr. Collier wurde gebeten ein Paket für einen Mister Shapiro in einer Pension abzugeben. Doch den gibt es nicht, besser vor längerer Zeit gab es ihn. Ärgerlich, aber nicht sein Problem. Doch es wird für ihn zu einem Problem. Die Wirtin ist in Wahrheit Hüterin eines Safe-Houses für den Geheimdienst und hat unverzüglich ihre Mannen informiert, den Shapiro ist zwar ein Codewort, aber seit 2 Monaten abgelaufen. Carter vom British Intelligence holt Collier zum Verhör. Es stellt sich heraus, dass politisch hochsensible Fotos in dem Paket waren. So beginnt eine Spionagegeschichte mit Geheimdienstlern und Verrätern in der „Ostzone“, vielleicht auch in England. Und wie üblich traut keiner der Ermittler dem anderen über den Weg. 

 

Das Hörspiel

Das Hörspiel besteht im Wesentlichen aus Verhören und entsprechenden Dialogen, alles ohne Erzähler und Musik. Die Anzahl der Personen ist überschaubar, alle gut an ihren Stimmen zu erkennen. Wie bei den russischen Matrjoschkas entsteht nach jedem Verhör, nach jeder neuen Person ein etwas anderes Bild der Realität. Daraus entsteht die Spannung. Es ist noch nicht die Zeit der High-Tech-Überwachung. Ältere Hörer werden sich gut an die Zeit des Kalten Krieges erinnern, die hier abgebildet wird. Die Vorlage verlangt Top-Sprecher, um jede Nuance, jedes Wortspiel zu nutzen. Dies ist gelungen und der Hörer lauscht ohne Pause diesem Thriller. 

Die Hosts des SFR verlinken dankenswerterweise auf das englische Original und zwei ebenso spannende Spionagehörspiele.

https://odysee.com/@radiodrama:e/package-from-berlin-by-simon-masters:2?src=embed

 

«Es war der Hund, der starb»:


https://www.srf.ch/audio/krimi/es-war-der-hund-der-starb-von-tom-stoppard-gespraech?id=AUDI20251016_NR_0091



«Hinter der Mauer»:


https://www.srf.ch/audio/krimi/1-3-hinter-der-mauer-von-val-gielgud-was-nun?id=d65a02bc-4068-4959-9a3e-41f77ae5876f

 

Fazit 

Kein beschaulicher England-Crime, sondern ein anspruchsvolles Hörstück durchaus in der Tradition der großen Autoren.

Wertung            75 %

Dauer                 67 Minuten

Verfügbarkeit    SRF Krimipodcast

 

 

 

 

 

Sonntag, 21. Juni 2026

Westmarkt- 2 Brände und ein Track wie ein Feuersturm: Besser gemacht als geschrieben

 




Erstellt mit ChatGPT AI


Die Autoren Selim Özdogan und Denis Kundic legen eine Fortsetzung des Hörspiels „Westmarkt - 4 Kilo auf Kombi und ein Raubüberfall“ aus dem Jahr 2025 vor. Das neue Werk beruht nicht mehr auf einer literarischen Vorlage, sondern ist eine Eigenproduktion des WDR um die Polizistin Snežana und den Cyber-Detektiv Nizar. Sie ermitteln im Westmarkt, einem fiktiven Stadtteil wie in vielen Städten des Ruhrgebietes. Prall gefüllt mit Drogenhandel, Gewalt, Obdachlosigkeit und und.

Inhalt

Es brennt im Westmarkt und nicht zu ersten Mal. Niemand wird verletzt, aber Täterspuren gibt es auch nicht. Verdächtig ist aber M-Berr. Diese zunehmend erfolgreiche Rapperin hat gerade den Track„Feuersturm“ veröffentlicht, der sich mit den Zuständen im Westmarkt beschäftigt und dazu aufruft, alles abzufackeln. Snežana soll sie befragen. Sie streitet alles ab, der Text ist metaphorisch gemeint. Ansonsten redet sie nicht mit einer deutschen Bitch, die auf der falschen Seite steht. Das ist nicht Snežana´s einziges Problem. Im Schrebergarten ihres Vaters findet eine Hausdurchsuchung statt und die Kollegen finden Hehlerware. Ihr Vater hat früher Tachos manipuliert, also keine weiße Weste. Aber nun ist er als und krank und kümmert sich liebevoll um Ivo, ihren Sohn. Klar, dass da was faul ist. Die Durchsuchung wurde von Nelle veranlasst. Er ist offen rechtsradikal. Dann brennt es wieder und diesmal wird sogar geschossen. Nizar mittendrin. Nun reicht es der Szene, die der Polizei nicht traut. Der rechte Nelle scheint mit Drogen zu dealen. Nun wagen sich die Szena an Drogenclans und Immobilienhaie. Dabei haben Nizar und Snežana genug private Probleme. Ivo Snežana´s Sohn und Lesane, Nizars Sohn tun sich schwer mit der Unterscheidung von Recht und Unrecht. Was ja auch in dieser Szene nicht ganz einfach ist, wenn mal überleben will. Der Regie hat aus einem schwachen Skript erstaunlich viel gemacht.

 

Das Hörspiel

Ein eigenwilliges Hörspiel, tief verankert bei den Menschen, die Gangsta-Rap lieben, ein wenig türkisch verstehen und Wörter wie line oder track kennen. Kein Erzähler, aber viel entsprechende Musik, die das Hörspiel prägt. Die Rapperin Liz trägt mit einem eigens geschrienen Track (!) dazu bei. Die Handlung verbindet die persönliche Situation der Protagonisten Snežana und Nizar mit der übergeordneten Problem-Viertel -Thematik. Das ermöglicht Verständnis, für alle, die sonst eher den Kopf schütteln, über das was dort passiert. Das alles wird zügig in vielen Dialogen an unterschiedlichsten Orten mit beeindruckender Hörkulisse erzählt. Spannend ist das nicht, es ermittelt auch niemand wirklich. Die Polizei kommt außer Snežana und Nelle gar nicht vor. Die Szene verlässt sich auf Hörensagen. Das Hörspiel endet, als man erwartet, es folge noch ein zweiter Teil. Es ist nicht klar, wer Snežanas Opa hereingelegt hat oder ob ein Immobilienhai die Finger im Spiel hatte. Leider sind auch die Rollen alle sehr holzschnittartig dargestellt. Die Polizisten sind alle rechts, die guten gibt es nur in der Westmarkt-Szene, die wegen traumatischer Erlebnisse lediglich vom rechten Weg abgekommen sind. Türkische Oma und Balkon-Opa sind dann der Rest der heilen Welt.

Fazit 

Kein Krimi, eher ein Sozialdrama. Die Hörer sollten Teil der entsprechenden Community sein oder Gangsta-Rap mögen.

Wertung            75 %

Dauer                 55 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

Links

Ein Interview mit Denis Kundic: https://www.storypendler.de/2026/05/25/denis-kundic-krimi-horspiele/

Eine Info über die Sängerin Liz: https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-liz-rap-hiphop-interview-news-91343803.html

 

 

 

 

Sonntag, 14. Juni 2026

Piefke 18 – Menschenexperimente der Bruderschaft

 




Die Reihe um den etwas abgehalfterten Berliner Privatdetektiv Piefke ist nun seit 2020 bei der Folge 18 angekommen. Inhalt und Qualität schwankten im Laufe der Jahre. Aber der Charme der Berliner Großstadt aus den 1920-er Jahren kombiniert mit etwas Geschichtsvermittlung und schwurbelnden Geheimbünden hat offenbar seine Stammhörer gefunden. Mit gut 30.000+ Zugriffen bei Spotify hat Piefke einen festen Stand. Piefke ermittelt nicht allein, sondern wird von einer energischen Journalistin unterstützt. Jede neue Folge nimmt den gesponnenen Faden mit neuen Ideen und Szenen auf.

Inhalt

Berlin, Anfang 1919. Frauen durften erstmals bei der Wahl zur Nationalversammlung mitwählen. Am frühen Morgen bekommt Piefke Besuch von Prof. Lauterbach. Der berichtet von einer gewaltigen Explosion in seinem Laborgebäude. Muß allerdings gestehen, dass dort illegale Forschungen im Auftrag der „Bruderschaft“ durchgeführt wurden. Man wollte den Supermenschen züchten! Er selbst streitet jede Mitwirkung ab, sondern behauptet, das Schlimmste verhüten zu wollen. Piefke weiß nicht, ob er ihm glauben darf und entscheidet gemeinsam mit Lena Reiser, der Journalistin, zu ermitteln. Dem Berliner Polizeichef trauen sie nicht über den Weg. Er ist über die Bruderschaft an seinen Job gekommen. Schnell merken sie, dass ein hochangesehener, untadeliger Politiker in Lebensgefahr schwebt? Können sie ihn nach einer turbulenten Taxifahrt noch retten?

 

Das Hörspiel

Das Setting der Serie ist konstant geblieben. Piefke ermittelt, inzwischen mit einer neuen Journalistin. Die „Bruderschaft“ stellt eine ständige Gefahr dar und wird immer stärker. Sie durchdringt inzwischen Politik und Behörden. Immer wieder gibt es Einblendungen zum realen geschichtlichen Hintergrund. Ein Erzähler führt durch die eher ruhig gestaltete Handlung. Piefke ist nicht der systematische, abenteuerliche Ermittler, seine Stärke ist das Spüren von Gefahren und das vertrauensvolle Gespräch. Spielorte, Hintergrundmusik und der leichte Berliner Akzent vermitteln ein authentisches, wenngleich ernüchterndes Bild, der 1920-er Jahre in Berlin. Die Sprecher klingen leider sehr gestelzt und wenig lebensecht. 

Fazit 

Eher etwas für Stammhörer. Wenig wirkliche Spannung, durchaus zum Entspannen geeignet.

Wertung            70 %

Dauer                 50 Minuten

Verfügbarkeit    auf den gängigen Streaming - Diensten

 

Sonntag, 7. Juni 2026

Mörder sind blöd – Eine satirische Sternschnuppe


ARD Sounds_Open AI


Die Autorin Dunja Arnaszus hat schon viele Hörspiele geschrieben. Immer mit viel Sprachwitz und Ironie bis hin zum schwarzen Humor. Voll geprallt mit wahnwitzigen Ideen. Diesmal hat sie sich das Thema True Crime Podcasts vorgenommen. Anders als die Ignoranten von ARD Sounds schreiben, ist es keine Komödie, sondern bitterer Ernst.

Inhalt


Da Dideldum – Der Podcaster-Mörder geht um. Betroffen sind nur Podcaster des True-Crime-Formats. Der Attentäter nimmt keine Rücksicht und hinterlässt keine Spuren. Lediglich ein quietschendes Geräusch taucht immer wieder auf. Kelli und Melli sind zwei der Opfer: Kelli ist tot, Melli kann nicht mehr sehen. Caro und Jonas von „Krass tot“ haben auch Angst und gehen auf den Vorschlag eines Fans ein, ihnen eine Sicherheitsausstattung zur Verfügung zu stellen. Tauno stellt alles kostenlos zur Verfügung. Dafür darf er mit auf die „Convention“, die Messe für Podcaster. Da die Polizei zu keinen Ergebnissen kommt, wollen Caro, Melli und Jonas die Gefahr auf der Messe öffentlich zu thematisieren, um den Täter unter Druck zu setzen. Das gelingt auch, aber anders als erwartet. Es gibt Schüsse und Panik bricht aus. Jedenfalls wissen anschließend alle, woher das quietschende Geräusch stammt.

 

Das Hörspiel


Mörder müssen blöd sein, weil sie fast alle gefasst werden. Aber das Hörspiel erschließt sich nicht über seinen Inhalt. Die Autorin lässt an den Podcastern kein gutes Haar und nimmt sie aus allen Seiten auf die Schippe. Ihre selbstverliebte Sucht mit Tod und Kriminalität Aufmerksamkeit zu wecken. Ihr sorgloser Umgang mit Tätern und ihrer Psyche. Ein Rundumschlag, der nur auszuhalten ist, weil immer wieder neue absurde Ideen auftauchen und der Sprachwitz und die Ausdruckskunst der Autorin den Hörer bei Laune halten. Sie seziert die Sprache detailliert und entblößt den Unsinn solcher Formulierungen wie: „Danke dafür“. Dank vieler kluger Sätze gibt es aber durchaus sowas wie einen Plan. Es passiert viel und man kann leicht den Überblick verlieren. Macht aber nichts. Denn das Stück ist ein Hörvergnügen ohne Ende. Die Sprecher sind so glaubhaft, als seien es echte Mitschnitte. Es knallt und quietscht, Kuckucksuhren sind zu hören. Die Aufnahmestudios mit leisen Regieanweisungen, die Atmo auf der Convention, die Schwätzereien der Podcaster hat man so noch nie gehört. Das Hörspiel ist ein Fest für Stimmen und Stimmungen. Eine Klasse für sich ist der Abspann, der das ganze Vexierspiel noch einmal zusammenfasst. Die Rolle Taunos und seine Lebensumstände enthalten dann aber noch einen wahren, bewegenden Kern.

Fazit 

Nicht für Jedermann. Aber Schwarzer Humor at it´s best und eine gnadenlose Abrechnung mit der Podcasteritis, insbesondere der True-Crime-Variante.


Wertung            90 %

Dauer                 56 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

Paradise City - Die Zukunft ist näher als du denkst

  Buchcover Zoe Beck ist eine der wenigen deutsch-sprachigen Krimiautorinnen. Immer wieder hochdekoriert schreibt sie spannende Krimis, die ...