Sonntag, 26. Juli 2026

Truth or dare - Ein Blick in die Kinky-Szene

 

mit KI erstellt


Eigentlich hat die ARD es nicht so mit den Minderheiten. Umso erstaunlicher, daß nun zwei junge, eher unbekannte Autorinnen sich den sexuellen Freuden und Problemen jenseits der Norm widmen dürfen. Jedenfalls beschreibt meine KI die „Kinky-Szene“. Truth or Dare ist dafür nichts Spezifisches. Es gibt reichlich Filme und Bücher mit diesem Titel. Immer geht es um den Konflikt Wahrheit oder Pflicht. 

Inhalt

Malia braucht nach dem Ende einer Beziehung etwas Neues, etwas, was sie aufbaut, ihren Schmerz überwindet und ihr hilft, zu sich selbst zurückzufinden. Und stürzt sich in einen Kölner Club für Schwule, Lesben und andere Orientierungen. Sie findet Stimmung, Lärm und Liebe. Und verknallt sich gleich hemmungslos in Emelie. Hier passt alles. Die gleiche Denke, die gleiche Szene und sie ist wunderschön. Vielleicht entsteht schnell mehr als zärtliche Schmuserei, denn Emelie lädt sie in ihren eigenen Club! Nach einer Woche langen Wartens ist es soweit. Malia wird von einem Chauffeur abgeholt. Upps! Ähh? Er fährt zu einer großen, etwas unheimlichen Villa. Dort findet die queere Party statt, von Emelie nichts zu sehen. Zum Glück geht es Zara ähnlich, auch sie findet sich nicht zurecht. Statt Emilie taucht Liou auf und verkündet, dass bald das Spiel beginnt. Und für Malia beginnt ein grauenhaftes Spiel, dass sie zurück zu ihren Wurzeln schickt, aber statt Liebe und Genuss, Angst und Schrecken verbreitet.

Das Hörspiel

Protagonistin ist Malia, die den Hörer durch ihre eigene Sicht und Stimme begleitet. Es gibt nur einen Club und die Villa von Emilie als Spielorte, aber darin viele Dialoge. Jedes Mal in sehr dichter überzeugender Atmosphäre. Was überhaupt die eigentliche Stärke des Hörspiels ist. Die Stimmen sind variantenreich und glaubhaft. Dazu tragen vor allem die reichlich vorhandenen Sidekicks bei. Sound und Musik vermitteln den Eindruck, der Hörer sei mittendrin. Ein wenig mehr als Bass-Wummern hätte es schon sein dürfen. Der Hörer muss sich auf das dauernde okay, die vielen englischen Szeneslogans und die langen Pausen an den falschen Stellen schon einlassen. Auch wenn das Hörspiel sich von zärtlichen Liebesszenen zu grauenhaften Erlebnissen entwickelt, kann man es kaum als Thriller oder Grauen bezeichnen. Hier wird auf die Schmerzgrenze des Hörers geachtet. Das Hörspiel ist eine Mahnung an jeden Einzelnen: Es gibt keine Heilsversprechen und jeder passe auf sich auf. Wie Malia wegen oder trotz traumatischer Kindheitserlebnisse zu sich findet, bleibt offen. Was das Ganze mit Truth or Dare zu tun hat, können wollen nur die beantworten, die schon an solchen Partyspielen teilgenommen haben. Es ist ja schon bei der Wahrheit allein nicht ganz einfach.

Fazit

Das Hörspiel ist schon extrem auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten und nicht jedermanns Kost. Aber überzeugend geschrieben und gespielt und des Lauschens wert.

Dauer            55 Minuten

Wertung       80 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

 

Dienstag, 21. Juli 2026

Paradise City - Die Zukunft ist näher als du denkst

 

Buchcover



Zoe Beck ist eine der wenigen deutsch-sprachigen Krimiautorinnen. Immer wieder hochdekoriert schreibt sie spannende Krimis, die stark in den Thrillerbereich reichen. Die literarische Vorlage zu diesem Hörspiel wurde bereits 2020 als Buch veröffentlicht und hatte einen Umfang von mehr als 200 Seiten. Außer dem Titel hat es überhaupt nichts mit dem Paradise City von Dirk Schmidt aus dem Jahre 2017 für das Hammer Tatort Team zu tun.

Inhalt

Eine unbestimmte Zeit in der Zukunft. Die Uckermark ist praktisch unbesiedelt, der Staat bestimmt die Medien. Es gibt keine chronischen Krankheiten mehr, die Apps der High-Techmedizin steuern den Alltag der Menschen. Aber es gibt noch ein paar Unbelehrbare. Das Journalisten Team Gallus arbeitet immer noch investigativ und kritisch. Der Gallus-Chef Özlem schickt Liina in die Uckermark. Dort wurde eine Frau von einem Wolf brutal überfallen. Doch Liina trifft auf eine Mauer des Schweigens. Niemand sagt etwas, niemand weiß etwas. Doch Liina gibt nicht auf, erst recht als sie erfährt, daß Özlem bei einem Unfall am Bahnhof ums Leben kam. Das ganze Gallus-Team ist beunruhigt. War Özlem auf einer heißen Spur? Wieso lief er morgens den gleichen Weg wie die Gesundheitsministerin? Doch Liina hat ihr eigenes Geheimnis: Sie lebt mit dem ersten gezüchteten Herzen der Welt. Und nun entwickelt sich eine spannende Story um Parallelwelten, Dystopien und einen übermächtigen Staat.

Das Hörspiel

Trotz Sci-Fi-Elementen ein eher konventionelles Hörspiel. Eine begleitende Erzählerin, viele Dialoge, viele Geräusche und fast keine Musik. Die Sprecher lassen die unterschiedlichen Charaktere deutlich erklingen. Eine unbestimmte Zukunft erscheint glaubwürdig, weil all diese Dinge sich aus heutiger Sicht schon abzeichnen. Dieser angstmachenden Dystopie werden „echte“ Menschen entgegengesetzt, die lachen, lieben, weinen und Angst haben. Die Protagonisten Liina ist ausgesprochen sympathisch und der Hörer folgt ihren Gefühlen und ihren Spuren. Auch sind die vermeintlich Bösen nicht nur Übeltäter, sondern eben auch Menschen.  Dadurch entsteht die Spannung in der Story, weil der Hörer kaum ahnt, wie es weitergeht. Die Autorin warnt deutlich vor möglichen Entwicklungen, greift aber dabei etwas zu viele Nebenthemen auf. Es wird auch zuviel zurechtgebogen, damit die Story funktioniert. 

Fazit

Diesen warnenden Hinweis auf eine mögliche Zukunft sollte man sich nicht entgehen lassen. Nicht wirklich eine Dystopie, sondern ein Blick auf eine futuristischen, aber realistische Welt.

Dauer                 56 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

Sonntag, 12. Juli 2026

BND 29 Ein Falle im Weltraum – Wer hoch fliegt, kann auch tief falle

 



BND (Bundesnachrichtendienst) ist ein Solitär in der Serienlandschaft. Im Mittelpunkt dieser Serie in der dritten Staffel steht ein Team des Bundesnachrichtendienstes mit den beiden Allround-Spioninnen Anna und Nelly. Die Serie hat mit dem Begründer des BND Gehlen und der Vorgeschichte von Annas Vater bald nach dem zweiten Weltkrieg begonnen und ist inzwischen in der Gegenwart angekommen.

Inhalt

Kourou, Guyana. Der Start der neuen Ariane6-Rakete endete mit einer Katastrophe. Eine Explosion ruiniert die Startrampe, die Rakete und ihre wertvolle Fracht. Es droht das Ende dieser erfolgreichen europäischen Zusammenarbeit, wenn es wiederum technisches Versagen ist. Doch das Team um Anna hat seine Zweifel. War es ein Hack? Der ESA-Sicherheitsdienst schwört, alles gecheckt zu haben. Doch es gibt Staaten, die Ariane liebend gerne am Boden sehen. Und es gibt in den USA finanzstarke Wettbewerber, die vielleicht einen Konkurrenten ausschalten wollen. Jedenfalls macht sich das Team auf nach Kourou, um die Fakten zu prüfen. Ein Teil begibt sich in die Staaten, wo der größte private Wettbewerber gerade dabei ist, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Anna macht sich die Eitelkeit und die Frauenverrücktheit des Milliardärs zu nutze. Sie machen gemeinsam einen Ausflug ins All und Anna setzt ihn unter Druck.

 

Das Hörspiel

Wie immer nutzt die Reihe reale Gegebenheiten und entwickelt daraus fiktive Hörspiele. Ariane, Kourou und die ESA mit Sitz in Darmstadt kennt der Nachrichtenhörer. Und schnell sind auch die Russen und Elon Musk zu identifizieren. Die Hörspielsituation ist also durchaus denkbar. Das Team tritt in gewohnter Besetzung an, in der jeder seinen eigenen Sprachduktus hat, der auch zotig bis ordinär sein kann. Die Amerikaner müssen dann einen grauenhaften Slang sprechen. Im Übrigen nutzt die Regie sonst nicht die klanglichen Möglichkeiten einer Spielszene in Afrika oder den USA. Keine Musik, kein Geräusch deutet darauf hin, wo der Hörer sich gerade befindet. Das hätte ein wenig Abwechslung in die vielen netten Dialoge gebracht. Da hilft dann auch das Lauschen eines touristischen Raumausfluges wenig. In ihrer inhaltlichen Hilflosigkeit sind den Autoren dann die Gäule durchgebrannt. Eine eigenwillige Umsetzung des Spruches:  Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.  Musik und Geräusche spielen keine große Rolle, die B-Liga Sprecher arbeiten ihren Auftrag ab.

Fazit 

Ein Tiefpunkt der Serie, die offenbar ihren Höhepunkt überschritten hat. Neugierige sollten die Finger und Ohren davon lassen.

Dauer                 58 Minuten

Wertung             60 %

Verfügbarkeit    auf den gängigen Streaming - Diensten

 

 

 

 

Montag, 6. Juli 2026

Übertherapie- Tango, Hölderlin und ein Mordfall

 

© ARD / Jürgen Frey


Seit 2019 lässt der RBB den verlässlichen Autor Tom Peuckert mit seinen Protagonisten Christian Wonder und Ariane Kruse im Herzen Berlins ermitteln. Wonder ist der solide Abarbeiter der Fälle mit leichtem Hang zur Selbstanalyse. Die russisch-stämmige, trinkfeste Kruse hingegen bringt die Fälle auf den Punkt. Auch die Regie von Kai Grehn und die Musik von Tawater sind in allen 8 Fällen konstant geblieben. Dieses Paket schlägt mittlerweile den Hammer Tatort.

Inhalt

Dr. Arzt Dr. Böttiger wird ermordet aufgefunden. Diese etwas schräge Person hatte ein Herz für Drogenabhängige und hat ihnen mit legalen und illegalen Mitteln immer geholfen. So einen bringt die Szene doch nicht um. Aber es gibt noch eine andere Seite: Der cholerische Böttiger hat unentwegt Politiker verklagt und sich gegen den Deep State gewehrt. Keine leichten Ermittlungen also. Die Sprechstundenhilfe weiß lediglich, dass manche der Patienten den Arzt gehasst haben, andere haben ihn verehrt. Die letzte Patientin Isi Langner gerät in Verdacht, Videoaufnahmen zeigen sie schluchzend aus dem Haus laufen. Gegner hatte Böttiger auch bei Politik genug. Und einen Kommissar hat Böttiger in die vorzeitige Rente gebracht. Da braucht es schon die gemeinsame Ermittlungskunst von Wonder und Kruse, um den Fall zu klären.

 

Das Hörspiel

Die Konstruktion ist klasse: Der Hörer ist am Beginn Zeuge des Mordes, allerdings ohne Details  erlauschen. Aber der Reihe nach. Der Autor Tom Peuckert kann überzeugende Vorlagen liefern und dabei lyrische, bildhafte und träumerische Formulierungen nutzen. Der Hörer erlebt seine Protagonisten als reale Person, aber nie persönlich. Die Regie gibt den Sprechern die richtigen Anregungen und vertieft oder entwickelt einzelne Szenen. Das Hörspiel beginnt mit einem Gedicht von Hölderlin, untermalt von einem Bandeneon. Dann folgt eine Berliner Stimme: „Idioten nur Idioten“. Jede Berliner Schnauze hat ihren eigenen Slang und Tonfall, kann man nicht verwechseln. Die nicht immer einfache musikalische Begleitung von Tawater nimmt dies alles auf, ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder Teil der Handlung zu werden. Die Ermittlungen sind wie der Tango den Wonder mit seiner Partnerin übt: Jeder Schritt muss sitzen. Und der Fall wird gelöst, weil die Art der Ermittlung so besonders ist. Bei aller Spannung hat der Autor auch ein gesellschaftliches Anliegen: Jeder Mensch hat mit allen Stärken und Schwächen ein Recht auf würdiges akzeptiertes Leben und es gibt nicht nur Schwarz und Weiss. Der bekommt Hölderlin noch eine andere Bedeutung: Der Blick nach Innen, ins Gefühlte verändert den Blick auf die Welt.

Fazit 

Ein leuchtender Stern in der oft genug Durchschnittsware Milchstraße Radio-Tatort. Ein Höhepunkt der Hörspielkunst, aber auch etwas eigenwillig.

Wertung            90 %

Dauer                 53 Minuten

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

Sherlock Holmes in Rio – Ein albernes Hörfestival

Buchcover   Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies P...