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| © ARD / Jürgen Frey |
Seit 2019 lässt der RBB den verlässlichen Autor Tom Peuckert mit seinen Protagonisten Christian Wonder und Ariane Kruse im Herzen Berlins ermitteln. Wonder ist der solide Abarbeiter der Fälle mit leichtem Hang zur Selbstanalyse. Die russisch-stämmige, trinkfeste Kruse hingegen bringt die Fälle auf den Punkt. Auch die Regie von Kai Grehn und die Musik von Tawater sind in allen 8 Fällen konstant geblieben. Dieses Paket schlägt mittlerweile den Hammer Tatort.
Inhalt
Dr. Arzt Dr. Böttiger wird ermordet aufgefunden. Diese etwas schräge Person hatte ein Herz für Drogenabhängige und hat ihnen mit legalen und illegalen Mitteln immer geholfen. So einen bringt die Szene doch nicht um. Aber es gibt noch eine andere Seite: Der cholerische Böttiger hat unentwegt Politiker verklagt und sich gegen den Deep State gewehrt. Keine leichten Ermittlungen also. Die Sprechstundenhilfe weiß lediglich, dass manche der Patienten den Arzt gehasst haben, andere haben ihn verehrt. Die letzte Patientin Isi Langner gerät in Verdacht, Videoaufnahmen zeigen sie schluchzend aus dem Haus laufen. Gegner hatte Böttiger auch bei Politik genug. Und einen Kommissar hat Böttiger in die vorzeitige Rente gebracht. Da braucht es schon die gemeinsame Ermittlungskunst von Wonder und Kruse, um den Fall zu klären.
Das Hörspiel
Die Konstruktion ist klasse: Der Hörer ist am Beginn Zeuge des Mordes, allerdings ohne Details erlauschen. Aber der Reihe nach. Der Autor Tom Peuckert kann überzeugende Vorlagen liefern und dabei lyrische, bildhafte und träumerische Formulierungen nutzen. Der Hörer erlebt seine Protagonisten als reale Person, aber nie persönlich. Die Regie gibt den Sprechern die richtigen Anregungen und vertieft oder entwickelt einzelne Szenen. Das Hörspiel beginnt mit einem Gedicht von Hölderlin, untermalt von einem Bandeneon. Dann folgt eine Berliner Stimme: „Idioten nur Idioten“. Jede Berliner Schnauze hat ihren eigenen Slang und Tonfall, kann man nicht verwechseln. Die nicht immer einfache musikalische Begleitung von Tawater nimmt dies alles auf, ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder Teil der Handlung zu werden. Die Ermittlungen sind wie der Tango den Wonder mit seiner Partnerin übt: Jeder Schritt muss sitzen. Und der Fall wird gelöst, weil die Art der Ermittlung so besonders ist. Bei aller Spannung hat der Autor auch ein gesellschaftliches Anliegen: Jeder Mensch hat mit allen Stärken und Schwächen ein Recht auf würdiges akzeptiertes Leben und es gibt nicht nur Schwarz und Weiss. Der bekommt Hölderlin noch eine andere Bedeutung: Der Blick nach Innen, ins Gefühlte verändert den Blick auf die Welt.
Fazit
Ein leuchtender Stern in der oft genug Durchschnittsware Milchstraße Radio-Tatort. Ein Höhepunkt der Hörspielkunst, aber auch etwas eigenwillig.
Wertung 90 %
Dauer 53 Minuten
Verfügbarkeit ARD Sounds

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