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Bettina Wilpert ist eine junge Autorin, die noch nicht viel veröffentlicht hat. Sie lebt als freie Autorin und Mutter zweier Kinder in Leipzig. Ihr erfolgreichstes Buch „nicht., was uns passiert“ wurde für das Hörspiel bearbeitet. Im Übrigen hat sie viele Kinderhörspiele geschrieben. Regie führt Petra Feldhoff, die mit dem Zweiteiler „Miss Terry“ von Liza Cody gezeigt hat, wie nahe sie Frauenschicksalen folgt. Veröffentlicht vom WDR im Sommer 2026.
Inhalt
Die 27-jährige Elli wurde brutal ermordet. Mit einem Hammer, wie man ihn im Baumarkt kaufen kann. Beim gewohnten Joggen im Auwald. Ihre Leiche wurde erst eine Woche später gefunden, allerdings kaum verwertbare Spuren. Die Polizei agiert routinemäßig. Alibis werden überprüft. Gut ist. Kein Nachhaken. Elli war eine junge, lebenslustige Studentin, mit vielen Freundinnen und Freunden. Beim Tanzen konnte sie die Welt um sich herum vergessen. Vor einem halben Jahr hat sie sich von ihrem Freund getrennt. Es folgte eine harte Zeit, da er sie gestalkt hat. Kurz vor ihrem Examen hat sie ihr Lehramtsstudium hingeschmissen. Zum Unverständnis und Ärger ihrer Mutter Brigitte. Neue Erkenntnisse gibt es erst als im Podcast „Kalter Kaffee“ Mitschnitte von Telefonate Ellis mit ihrer besten Freundin Lenja veröffentlicht werden. Elli hat sich eine verheimlichte Auszeit an einem italienischen See gegönnt. Doch auch dort wurde sie gestalkt.
Das Hörspiel
Schon die Vorlage ist ein Meisterwerk: Der Hörer folgt der Handlung aus ständig wechselnden Perspektiven: Mutter, Freundin, Podcaster, gegen Ende sogar noch ein Gericht. Jeder Perspektivwechsel erhöht die Spannung, weil neue Informationen präsentiert werden, folgt dabei aber dem klassischen Krimi: Wer hatte die Gelegenheit und/oder ein Motiv. Auch wenn hier unstrittig Femizide thematisiert werden, ist die Autorin bis auf die Knochen neutral. Selbst die möglichen Täter wirken irgendwie sympathisch. Und dann die Erzählperspektiven: Ich- Erzähler, Telefonate zwischen Freundinnen, Podcasterinnen und eine Gerichtsverhandlung, deren Ergebnis anders ist als der Hörer erwarten darf. Die Podcasterinnen und sozialen Medien sind auch keine Unschuldslämmer. Und immer wieder auftauchend die Story von Angst der Frauen im Wald: Mehr vor einem Mann oder einem Bären. Und das alles wird wunderbar inszeniert. Die Autorin legt auf jedes Wort wert, selbst wenn es nur dahin genuschelt ist. Die sensible Autorin erinnert daran, dass auch der Geruch der Haare einen Menschen charakterisieren kann. Selten hört man so gelungen Tempowechsel. Hier wird keine Sprache inszeniert, sondern ein Charakter vermittelt. Musik spielt keine große Rolle, aber die Geräusche. Es gibt Momente, in denen der Hörer einem Fluss oder einem Specht lauschen darf. So muss großer Hörgenuss sein. Eine Anklage gegen Femizide, die auch Männer und Behörden bewegen kann.
Fazit
Von Vorlage und Inszenierung her, ein Sahnehäubchen für Liebhaber politischer Themen und raffinierter Krimis.
Wertung 95 %
Dauer ca. 55 Minuten.
Verfügbarkeit ARD Sounds

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