Sherlock Holmes und Dr. Watson sind immer einen Versuch wert, mit neuen Interpretationen Hörer zu gewinnen. Das junge Label SOS Studios startet im Sept. 2026 eine neue Reihe unter dem Titel: „Die Holmes Akten“. Zwei junge, zeitgenössische Podcasterinnen begleiten die historischen Stories um Holmes und Watson, die sich mehr oder weniger an den Vorlagen von Doyle orientieren. Die Neugier erfordert es, der ersten Episode unter dem bekannten Titel „Der Bund der Rothaarigen“ sein Ohr zu leihen. Obwohl oder weil es schon eine Reihe von Umsetzungen gibt, zuletzt in Episode 4 bei Holmes Classics von Holysoft.
Inhalt
Die Originalerzählung umfasst nur ca. 28 Buchseiten. Der ärmliche Pfandleiher Jabez Wilson lässt sich auf einen lukrativen Deal ein. Sein Gehilfe Vincent Spaulding hat eine Stellenanzeige gefunden: Die Liga der Rothaarigen sucht eine Hilfskraft, die täglich 4 Stunden in ihren Räumen arbeitet. Die Liga wurde gegründet, um den benachteiligten rothaarigen Menschen in London finanziell zu helfen. Und tatsächlich. Wegen seiner tiefroten Haare bekommt er den begehrten Job und arbeitet nun jeden Tag für 4 Stunden in einer Bibliothek und muss eine Enzyklopädie abschreiben! Doch plötzlich ist Schluss. Ein Schild an der Tür: Die Liga der Rothaarigen ist unbekannt verzogen! Und Wilson fühlt sich betrogen. Er wendet sich an Sherlock. Nach einer Ortsbegehung erkennt Holms schnell, dass weit mehr dahintersteckt und schaltet Scotland Yard ein. Schnell zeigt sich, dass da weit mehr dahinter steckt, als ein kleiner Betrug.
Das Hörspiel
Das Hörspiel folgt recht genau der Vorlage und wurde, leicht modernisiert, neu übersetzt. Dieser Teil spielt um 1890. Die Handlung wird immer wieder durch die zwischengeschalteten, jungen Podcaster Jessica Watson und Lina Miller unterbrochen. Die beiden kommentieren die Handlung durch Bewertung und Information aus Gegenwartsperspektive. So erfährt der Hörer etwa, was 4 Pfund als Lohn für den Job heute bedeuten würden. Die beiden machen das glaubwürdig und unterhaltsam. Also durchaus wie ernstzunehmende Podcaster. Doyles Plots sind ja nun keine Strassenfeger, sondern leben eher von der Figur Holmes. Die ist hier leider schlecht besetzt. Viel zu viele Betonungen in einem Satz. Und man sollte es an Tempo und Ton schön hören, wenn es gefährlich wird. Watson hingegen wird kongenial gesprochen. Die Szenen sind angemessen in der Länge. Musik und Geräusche fehlen fast gänzlich. Die Autoren haben einen Ausweg dafür gefunden. Die beiden Podcasterinnen lesen nämlich die Geschichte. Die Fan-Gemeinde wird es kennen, aber es kommt ja durchaus zu einem spannenden Ende. Am Schnitt muss noch gearbeitet werden, da fehlen an manchen Stellen ein paar Endsilben. In dieser Interpretation wird auch noch ein Stück Aktualität deutlich: Wie leicht sich Menschen betrügen lassen. Per Telefon, Internet oder vermeintliche Freunde.
Fazit
Kein schlechter Einstieg, der auch Puristen gefallen kann. Der etwas angestaubte Stoff kann eine solche Aktualisierung durch aus vertragen
Dauer ca. 54 Minuten
Wertung 70 %
Verfügbarkeit in allen gängigen Streaming-Diensten

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