Samstag, 18. Dezember 2021

Die Wahrheit der Gloria Scott – Krimiklassiker meets Blogger

 


„Die Wahrheit der Gloria Scott“ ist die Folge 10 in der 2. Staffel der verdienstvollen Reihe Sherlock & Watson - Neues aus der Baker Street des Deutschen Audio Verlages (DAV). Alle Fälle dieser Reihe spielen in der Gegenwart. Es kommen bekannte Gestalten mit aktuellen Themen und neuen Medien vor.

 

 

Die Story

 

Nach dem Tod von Sherlock Holmes vor 5 Jahren macht sich Watson auf die mühsame Suche nach den Anfängen von Sherlocks detektivischem Talent. In alten Unterlagen findet er tatsächlich Sherlocks 1. Fall und stellt ihn seinen Followern, Hören oder Lesern vor.

 

Edinburgh – 1990: Holmes studiert Chemie und geht fleißig seinen Experimenten nach. Anders als sein Mitbewohner Victor Trevor, den vor allem sein Privat-und Partyleben interessiert. Doch plötzlich ist Trevor verschwunden und Sherlock begibt sich auf Spurensuche. Er entdeckt, dass Trevor in das Dealen von Drogen verwickelt war und kommt dabei dem Drogenmixer, einem Chemieprofessor, ins Gehege. Das Lahmlegen dieser Drogenquelle macht ihn bei seinen Mitstudenten zunehmend unbeliebter. Doch Trevor bleibt verschwunden und Sherlock gerät mehr und mehr in die Unterwelt von Edinburgh.

Wie schon in den klassischen Kanon-Fällen weiß man eigentlich vorher, dass Holmes den Täter entlarven wird. Dennoch gelingt es der Autorin, viele Spuren zu legen, überraschende Wendungen einzubauen und damit immer wieder Spannung zu erzeugen. Das zugespitzte Ende wird kaum ein Hörer erwarten.

 

Die Macher

 

Die Idee der renommierten Hörspielautorin Viviane Koppelmann, die Holmes-Stories in die Gegenwart zu verlegen, funktioniert. Die alten Fälle verlieren dabei ihre Angestaubtheit und gewinnen an Aktualität. Tatsächlich hat dieser Fall nahezu gar nichts mit dem Kanon-Titel Gloria Scott zu tun. Lediglich die Namen der wichtigsten Personen und einige Charaktereigenschaften sind übernommen und erweitert worden. Holmes irrt sich, macht Fehler, braucht die Unterstützung anderer. Dies tut der Figur gut und ermöglicht es, die Handlung immer wieder spannungsgeladen voranzutreiben. Das Skript wirkt von den aktuellen Holmes – Verfilmungen wie z.B. mit Benedict Cumberbatch inspiriert.  Schön ist auch, dass die „üblichen Verdächtigen“ alle erscheinen: Lestrade, Moriarty, Mycroft und und. Dieser Ansatz ist sicher besser, als die x-te Wiederholung eines alten Stoffes.

 

Das ganze Team von artinhalt um Leonhard Koppelmann macht gewohnt gute Arbeit. Es lohnt sich, Musik und Ton zu genießen. Vielleicht spielt Holmes bei einer Fortsetzung auch mal Geige?

 

 

Die Machart

 

Das Hörspiel basiert auf drei Pfeilern. Watson studiert die alten e-mails von Sherlock und treibt als Erzähler im Monolog die Handlung voran.  Die Handlung selbst wird dann in den einzelnen Szenen „hörspielgerecht“ vertieft. Uns begegnen Hörsäle, Drogenlabore, Wohnwagen, Verfolgungsjagden und vieles mehr, das des Lauschens wert ist. Der dritte Pfeiler sind kurze Blöcke mit eingestreuten Blogger- oder Twitter-Kommentaren zu Holmes oder Watson. Das ist modern und witzig, trägt aber nicht zur Handlung oder Spannung bei und wird sicher von vielen als nervig empfunden.

Das Ende ist ein spannender, unerwarteter Shut-Down. Genial die Idee, endlich zu erfahren, wie Holmes zu seiner Haushälterin kommt! Etwas langatmig gerät das Ende, wenn die Hintergründe der letzten fünf Fälle dargelegt werden.

 

Die Münder

 

Der Erfolg dieser Serie basiert sicher auch auf den beiden Sprechern Johann von Bülow und Florian Lukas, die vor allem aus dem Fernsehen bekannt sind und entsprechend auf den Covern zu sehen sind. Sie machen einen exzellenten Job. Mir persönlich sind allerdings die Stimmen zu wenig charaktervoll. Auch alle anderen Sprecher bewältigen ihre vielseitigen Rollen (Studenten, Gangster, Inspektor etc.) mit Bravour. Ein Highlight ist es, Stefan Kaminski als Moriarty zu lauschen.  Er ist so extrem vielseitig, dass man ihn kaum wiedererkennt.

 

Das Marketing

 

Eine mit solchem Aufwand erstellte Hörspielreihe benötigt ein erfolgreiches Marketing. Dies ist dem Verlag offenbar gelungen und man kann auf weitere Folgen hoffen. Ein wenig mehr Information in den CD-Ausgaben wäre nett.

Man muss dem Verlag dankbar sein, dass er eine Reihe von Videos bei Youtube veröffentlicht, die ein making-of darstellen: ausführliche Interviews mit den wichtigsten Akteuren.

 

 

Fazit

 

Die Wahrheit der Gloria Scott ist ein exzellent gemachtes Hörspiel. Diese moderne Holmes-Version macht Lust auf mehr ältere oder künftige Folgen. Es braucht aber Geduld für zwei Stunden und die Bereitschaft, die eine oder andere Schwäche zu akzeptieren. Schön, dass ein Verlag den Mut hat, solche aufwändigen Produktionen zu wagen.

 

 

Links

 

Für alle die an mehr Informationen über Sherlock Holmes, auch was Hörspiele angeht, ist folgender Link Pflichtlektüre:

 

https://sherlockholmes.fandom.com/de/wiki/Sherlock_Holmes_Wiki


Sonstiges

 

Das Hörspiel ist über die gängigen Kanäle zu erwerben:

 

https://www.amazon.de/Sherlock-Watson-Wahrheit-H%C3%B6rspiel-u-v/dp/3742417959/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=die+wahrheit+der+gloria&qid=1628064698&s=books&sr=1-1

 

 

 


Mittwoch, 15. Dezember 2021

Todesstunt auf Usedom – Ein Cozy-Krimi für junge Erwachsene

 

 
Todesstunt auf Usedom ist bereits die Folge 16 der Reihe Insel-Krimi von Contendo Media. Diese Reihe überträgt den Erfolg der Regionalkrimis ins Hörspiel und verbindet regionalen Charme mit spannenden Handlungen und sympathischen Charakteren.

 

Die Abiturientin Lea will sich vor dem Studium noch eine Weile bei ihrem Onkel Raik in ihrer alten Heimat Usedom erholen. Sie freut sich auf ihre Clique und träumt von den alten Zeiten. Doch bereits am ersten Abend wird die Idylle jäh zerstört, als Lea und ihr Freund Luke Zeuge eines tödlichen Sturzes werden. Ihr Freund und Abenteurer Tomasz ist bei einem gefährlichen Stunt für seinen Youtube-Kanal auf einer Baustelle ums Leben gekommen.

 

Doch schnell ergeben sich Zweifel. Es finden sich Ölspuren an der Absturzstelle auf dem Kran!

Nun beginnt eine spannende Spurensuche, an der sich die Clique, die Polizei und Onkel Raik beteiligen. Es
tauchen erste Verdächtige auf, sollte sogar ein Mord vertuscht werden?  Mit Unterstützung des vermeintlich dementen Onkels Raik wird der Fall erst spät gelöst und Lea kann ihre Ferien genießen.

 

Lauer Regionalkrimi ?

 

Der regionale Charme hält sich in Grenzen. Man hört gelegentlich Möwen im Hintergrund, die Folge wird von netter Musik begleitet, aber lediglich der Polier spricht Honoratioren-Platt. Obwohl bereits im Titel der Folge das Unglück angesprochen wird, ist der Handlungsverlauf voller kaum voraussehbaren Überraschungen und das Ende dann doch unerwartet. Manche Idee des Autors ist allerdings wenig glaubwürdig: So flieht ein Verdächtiger vor der Polizei und klettert über Autos, um dann kurze Zeit später bei sich zuhause entdeckt zu werden! Man hört auch ein wenig Kritik am Bauboom im Tourismus durch. Das Liebesglück in einer Jugendclique gerät letztlich sehr schnulzig.

 

Viele Höhen, wenig Tiefen

 

Das Kommissarenpaar geht konzentriert und mit Humor an die Arbeit. Ob der Kommissar nun wirklich selbst auf den Baukran klettert und seiner Chefin per Headset berichtet, darf getrost bezweifelt werden.

Die bunt gemischte Clique spricht sehr gewähltes Hochdeutsch mit gelegentlich Ausrutschern in verqueren Jugendslang („In den Leichenbunker gehört er definitiv noch nicht“; „Bullen“). Ja und dann gibt es noch ein paar schwer einzuschätzende Charaktere wie den verdächtigen Polier oder den oft überraschend auftauchenden Onkel Raik.

Man kann den geschickt zusammengestellten Szenen gut folgen, die Spielorte sind abwechslungsreich gewählt.

 

Zum Krimi gehört ein guter Ton!

 

Die Sprecherstimmen passen zu den Charakteren. Die eher unbekannten, jugendlichen Sprecher sind mir persönlich zu manieriert. Man muss nicht in einem Satz jedes zweite Wort betonen. Auch kennt der Hörer manche Stimmen aus nerviger Radiowerbung.

Ein Genuss ist es, die Sprecherikone Lutz Mackensy zu genießen!

Die Folge ist mit angemessenem Sound hinterlegt und wird von serientypischer Musik begleitet. Das ganze Hörspiel ist sehr professional gemacht und hebt sich von Durchschnittsware ab.

 

An welche Zielgruppe sich der Krimi wendet, ist schwer einzuschätzen. Das Cover empfiehlt ein Mindestalter von 16 Jahren. Gruselig ist der Krimi aber an keiner Stelle. Da wird im Fernsehen schon für 6-Jährige härtere Kost geboten.

Für den klassischen Krimiliebhaber ist es nun doch zu sanft und zu cozy, zu wenig stringent.

Streckenweise wirkt der Krimi wie TKKG oder Fünf Freunde für Erwachsene. Die brauchen sich dann nicht mehr die alten Kassetten anzuhören!

 

Fazit

 

Anhänger von Regionalkrimis und erwachsene Fünf-Freunde-Fans werden ihre Freude an dem Hörspiel haben und über manche Schwäche hinwegsehen. Der Whodunnit-Liebhaber kann entspannt lauschen, bevor ihn der x-te Sonntagabendkrimi im Fernsehen langweilt.

 

Wertung

 

80 %

 

sonstige Info


Inselkrimi 16: Todesstunt auf Usedom

Spieldauer: ca. 60 Min.

ISBN 978-3-96762-014-6

VÖ auf CD und Digital: 23. April 2021

Darsteller: Melinda Rachfahl, Lutz Mackensy, Patrick Mölleken, Damon Zolfaghari, Monika Disse, Vincent Fallow, Nadine Most, Uve Teschner, Katrin von Chamier und Toni Michael Sattler

Buch: Thorsten Beckmann

Idee, Konzept, Produzent & Regie: Christoph Piasecki

Schnitt: Stefanie Berg, Anika Roth

Sounddesign: Tom Steinbrecher

Musik: Tom Steinbrecher

Zusätzliche Musik: Michael Donner

Cover & Design: Kito Sandberg

Produktion & Vertrieb: Contendo Media GmbH

 

Erhältlich als CD oder in den gängigen Streaming-Diensten

 

https://www.amazon.de/s?k=todesstunt+auf+usedom&__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=28UI2VTSACENN&sprefix=todesstunt+auf+us%2Caps%2C166&ref=nb_sb_ss_ts-doa-p_1_17

 

 

 

 

 

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