Ein Mammut-Projekt geht zu Ende. Im Herbst 2026 veröffentlicht die ARD die endgültig letzte Staffel von „Babylon Berlin“. Wiederum als opulenten Mehrteiler im Fernsehen und Radio. 2018 startete mit „Der nasse Fisch“ die erste Staffel, die dritte Staffel „Goldstein“ erschien 2022. Mit „Haus Vaterland“ enden die Geschichten um Gereon Rath und Charlotte im Berlin der 1930-er Jahre. Basierend auf den Romanen von Volker Kutscher. Nun hat sich die Zeit verändert, Berlin seinen Charme etwas verloren und Zuschauer und Hörer sind neugierig, ob der Stoff auch heute noch funktioniert. Es ist jedenfalls schon beeindruckend, dass das Sprecherteam und die Regie durchgehalten haben.
Inhalt
Berlin, Ende der 1920-er, Anfang der 1930-er Jahre. Die lebensfrohe Weltstadt wird zunehmend von wirtschaftlicher Krise und einem Erstarken der Nazis geprägt. Mittendrin Gereon Rath als Kommissar und seine Freundin Charlie Ritter, Kommissaranwärterin. Gerade zurück aus Paris. Doch für Privatleben bleibt wenig Zeit. Ein Mord im renommierten Vergnügungstempel Haus Vaterland führt Gereon weit in die Masuren an der Ostgrenze und in Lebensgefahr. Charlie ermittelt als Aushilfe undercover im Haus Vaterland. Aus einem rätselhaften Mord an einem Schnappspanscher wird eine Mordserie. Alle Opfer verbindet die gemeinsame Vergangenheit. Charlie drängelt sich in ein neues Gewaltverbrechen: Die junge Hanna, ein Straßenmädchen und Jüdin wurde schwer verletzt und traumatisiert. Dann kommen die Nazis an die Regierung, der Reichstag und die un-deutschen Bücher brennen. Und viele biedern sich an. So auch der Kriegsveteran und Autor Roddeck, der eine Buch über seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg schildert. Aber auch Angst um sein Leben hat. Denn damals ging es um Mord und viel Gold und Roddeck hat Angst vor Rache. Nicht zu unrecht.
Das Hörspiel
Vorab: Die Hörspielreihe hat wenig mit den parallelen Fernsehepisoden zu tun und ist deutlich näher an den literarischen Vorlagen. Die Episodenreihe ist eigenständig, aber leichter nachvollziehbar, wenn man die Vorgänger gehört hat. Auch diesmal wieder opulente Filmmusik, viele parallele Stories immer mit bewegender Atmosphäre, die aber nicht immer zueinander finden. Die Stammsprecher sind wieder dabei und erfüllen ihre Rollen bestens. Niemand kann den Unterweltpaten Mahlow mit seiner tiefen, sonoren Stimme besser sprechen als Reiner Schöne. Die Reihe ist stark politisch, spiegelt den Zeitgeist wider und ist auch etwas Krimi. Dabei sind die Plots des Autors Kutscher nicht immer überzeugend. Sehr viel Handlung, sehr viele Rollen erfordern konzentriertes Hören und lassen keine langen Pausen zwischen den Folgen zu. Die Episoden enden mit schönen Cliff-Hangern, starten aber nicht mit Zusammenfassungen. Neben der Liebesgeschichte zwischen Gereon und Charlotte ist das Hörspiel immer ganz nahe an den Menschen, ihren Sorgen, ihren Entwicklungen. Und Mini-Szenen wie mit einem dunkelhäutigen Barmann (Husen) , den Straßenkindern wie Hanna und Fritzi oder den Köllner OB Adenauer sind kleine Highlights, die das Überladene und den ständigen moralischen Zeigefinger vergessen lassen. Trotz kleiner Schwächen wiederum ein Meisterwerk, das uns 2026 stärker bewegen sollte als noch vor wenigen Jahren
Fazit
Ein Muß für jeden Hörspielfan, für alle anderen ein sehr unterhaltsames, spannendes Stück Zeitgeschichte.
Dauer 5 Episoden je ca. 45 Minuten
Wertung 85 %
Verfügbarkeit ARD Sounds als Podcast
Hinweis zur Nutzung von KI-Tools
Mit Zusendung der Rezension bestätigt die Rezensentin / der Rezensent, dass die Rezension auf eigener Lektüre, eigener Einschätzung und eigener redaktioneller Leistung beruht.
KI-Tools dürfen ledi

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