Freitag, 9. Dezember 2022

Dark Holmes – Bingen nicht nur für Sherlock Fans


 

 

Das rührige Team von Contendo Media hat mit der 13-teiligen Reihe Dark Holmes den Ehrgeiz, dem Hörer hohe Serienqualität mit den bekannten Figuren Holmes, Watson und Lestrade zu bieten. Der Verlag verspricht ein „einzigartiges Erlebnis in Kino-Qualität“. Die Episoden spielen in der Gegenwart und Holmes wurde in die USA versetzt. Der Reihentitel deutet ja an, dass die dunklen Seiten von Holmes auftauchen. Da wird der geneigte Hörer schon neugierig, welche dunklen Seiten der bewährte Autor Erik Albrodt neben der Kokainsucht noch aufdeckt. Bisher sind die Episoden 1-3 erschienen (Nov. 22), auf die sich die Rezension bezieht. Pro Monat erscheinen je 2 Episoden

 

Inhalt

 

Dallas, USA, 20xx. In einer einsamen Nebengasse wird ein brutaler, blutiger Mord (Blutbad) begangen. Hauptverdächtiger ist Lieutenant Sherlock Holmes, der vollgedröhnt am Tatort war. Seine Polizeipartnerin Lestrade ermittelt sorgfältig, aber gegen ihn, weil alle Indizien auch gegen ihn sprechen. Die Drogen hat er offenbar von einer Prostituierten bekommen, die sich eine Weile intensiv um ihn gekümmert hat. In der Gerichtsverhandlung verhält sich Holmes störrisch, lehnt viele Anwälte ab und lebt schließlich mit einem Anwalt, der ihn für geistesgestört erklärt lässt und daher auf Nicht Schuldig plädiert. Dies wird durch das psychiatrische Gutachten des Dr. Watson unterstützt, in dessen Klinik Holmes nach dem Urteil auch landet.

In der geschlossenen Anstalt ändert sich Holmes nicht. Er weist auf einen Moriarty, der hinter diesem Mord und einem riesigen Komplott steht. Bei einem Besuch in der Klinik macht Lestrade Watson darauf aufmerksam, dass Holmes schon immer von diesem Moriarty gesprochen hat, aber niemals irgendwelche Belege für dessen Existenz vorgelegt hat. Sie überzeugen Holmes, dass sie in seiner Wohnung nach vorgeblichen Beweisen suchen dürfen. Doch auf Holmes wird in der Klinik ein Giftanschlag in Gegenwart von Dr. Watson ausgeübt. Aber Holmes verschwindet aus dem Behandlungsraum. Wie konnte das passieren?

Holmes meldet sich bei Dr. Watson. Er lebt und ist selbst auf der Suche nach der Wahrheit. Er zieht Watson in sein Vertrauen, traut aber Lestrade nicht, weil er davon ausgeht, dass Moriarty einen Maulwurf im Polizeirevier hat. Holmes erinnert Watson daran, dass ihn das bisschen Drogen von der Prostituierten nicht umwerfen. Aber er war vorher in der Bar und hat wie gewohnt seinen Whiskey getrunken. Hat man ihm da was reingetan? Der Barmixer gerät ins Visier der Beiden. Ihre geheimen Ermittlungen führen immer mehr in den Abgrund und in zunehmendes Grauen. Gegen die Absprache mit Holmes ist aber auch Lestrade auf dem Laufenden.

 

Das Hörspiel

 

Hauptpersonen der Reihe sind Holmes, Watson und Lestrade. Also klarer Bezug zu den Klassikern. Holmes wird als subalterner Beamter in den öffentlichen Dienst integriert, in dem sich seine Kollegin (!) Lestrade schon mit Kleinkriminellen herumschlägt. Watson wird immerhin Leiter einer psychiatrischen Klinik. Aber der Feingeist Albrodt behält bei allen Veränderungen doch einige Charakterzüge bei. Dieses Team ist bestens besetzt, wobei mir persönlich Lestrade am besten gefällt. Holmes ist natürlich nicht nur der deduktive Denker, sondern erinnert eher an die modernen Verfilmungen mit Cumberbatch. In Episode 3 gibt es eine Szene, die mit eine r technischen Finesse an James Bond Filme erinnert.

Das Hörspiel kommt ohne den Erzähler Watson aus und wird in zeitlicher Reihenfolge berichtet. Vereinzelte Rückblenden sind nicht immer gleich zu erkennen. Die Episode Blutlache konzentriert sich etwas stark auf die Gerichtsverhandlung. Für jede Episode ist klar ein Thema im Vordergrund: Gericht, psychiatrische Klinik, Bar. Da wird der Hörer auf die nächsten zehn Folgen neugierig. Das Erzähltempo ist hoch, aber nicht hektisch. Dazu trägt auch die opulente Musik bei, die vielseitig das Episodenmotiv, das Moriatymotiv oder etwas Passendes beisteuert. Oder einfach nur Zeit lässt, die Gedanken schweifen zu lassen. Empfindliche Seelen müssen keine Sorgen haben: Es gibt reichlich Grauen, aber alles wird magenfreundlich vermittelt. Die verschiedenen Typen (Barkeeper, Anwalt, Richter, Prostituierte) werden auch textlich deutlich unterschieden. Dem Autor gelingt es, die typische Serienspannung zu vermitteln. Der Hörer nimmt immer mehr Anteil an den Personen, die Handlung schreitet stetig und schlüssig voran, gelegentlich Spannung, aber vor allem Neugier auf die nächsten Episoden. Wenn Contendo dies bis zur letzten Episode gelingt, ginge Handlung deutlich vor Hero.

 

Misc.

 

In Zeiten der Streaming-Dienste muss auch dies noch erwähnt werden. Die Produkte gibt es nicht als CD mit informativem Booklet. Der Hörer spart Geld und muss nicht mehr zusehen, wie er die dünne Klarsichthülle von der CD entfernt. Aber es gibt ausreichende Information beim Verlag und wunderschöne, aussagekräftige Albumcover. Absolut genial ist das Bild für Episode 3: Gerührt und nicht geschüttelt.

Ja und die Dauer. +/- 40 Minuten. Endlich ist die Episode zu Ende bevor man im Büro eintrifft und die Kollegen Einen begrüßen, während man die Kopfhörer noch im Ohr hat.  Und dann 13 Episoden. Jede Woche Eine. Wer traut sich denn sowas?

 

Fazit

 

Dark Holmes ist nicht die x-te Interpretation eines Stoffes aus dem Kanon. Aber spannend und intelligent. Extrem professionell umgesetzt. Allen, die sich Netflix für Hörer wünschen, sei diese Reihe dringend empfohlen.

 

 

Wertung 80%

 

Dauer je Episode ca. 40 Minuten

 

Hörprobe

 

 

 

 

 

 

 

 


Montag, 5. Dezember 2022

Der Kobold von Bath – Episode 16 der Reihe Ein Fall für Scotland Yard mit Inspektor Lestrade

 


 

 

Sherlock Holmes Fans wird der Name bekannt sein. Lestrade ist der gelegentlich etwas trottelig wirkende Yard Kommissar, der Holmes zur Unterstützung holt. Seit 2018 veröffentlicht Fritzi Records in Zusammenarbeit mit AllScore Media diese Reihe. Sie war als Spin-off aus den Neuen Fällen von Sherlock Holmes bei Romantruhe Audio entstanden. Naheliegender Weise spielen die Episoden in den 1920-er Jahren.

Inhalt

 

Inspektor Lestrade erhält einen mysteriösen Anruf. Eine Frau bittet dringend um Hilfe, ein mordlüsterner Kobold mit roter Mütze habe das ungeborene Kind aus ihrem Bauch gestohlen. Trotz dieser wirren Andeutungen will Lestrade dem seltsamen Anruf nachgehen und macht sich mit seinem Assistenten Dash von London aus auf den Weg nach Bath. Dort finden sie lediglich ein verfallenes Anwesen vor. Erst auf den zweiten Blick findet sich ein Eingang. Dort wohnen der hochangesehene Chirurg Dr. Halbrook, seine Frau Amber und Tante Josephine Truscott. Halbrook offenbart ihnen, dass seine Frau vor einem Jahr einen harten Schicksalsschlag erlitten hat und seitdem geistig verwirrt ist und an Kobolde glaubt. Es könne schon sein, dass sie angerufen hat. Er führt ohne Zögern zu seiner Frau. Ihr Anblick erschrickt die Beiden.  Vor ihnen steht eine schwerkranke Frau, die bald danach vor ihren Augen stirbt.

Doch Lestrade kann nicht an einen natürlichen Tod glauben. Die Frau hatte noch von dem Telefonat gewusst und war wohl verängstigt, aber nicht geistig verwirrt. Gegen alle Ratschläge ermitteln er und Dash undercover weiter. Zur Unterstützung holen sie sich noch Dr. Lovell als Fachmann hinzu. Nach wenigen Stunden Ermittlung mitten in der Nacht zeigt sich ihnen ein Bild des Grauens. Ohne Kobolde.

 

 

Das Hörspiel

 

Der Kobold von Bath ist natürlich kein Straßenfeger. Aber ein wunderschön geschriebener und gespielter Krimi alten Stils. Wir hören ausführliche Dialoge, wenig wechselnde Spielorte, eine überschaubare Anzahl von überzeugenden Sprechern. Infarktgefahr entsteht nicht. Aber die Story wird zunehmend gruseliger. Highlights sind die frotzelnden Gespräche mit dem Assistenten oder die ernsten Auseinandersetzungen mit dem Chef. Das klingt dann so, als ob es in der Gegenwart spielt. Es tut dem Hörspiel gut, dass die Regie darauf verzichtet, die Story unüberhörbar ins Good Old England zu legen oder die 1920-Jahre durchklingen zu lassen. Die Geräuschkulisse ist dementsprechend eher sparsam.

Lestrade ist ein durchsetzungsfähiger, geduldiger Ermittler, der nicht deduktiv arbeitet, sondern seinem Bauchgefühl vertraut. Sein Assistent ist eher der Sidekick. Zusammen mit dem grantelnden Chief also ein Team, dass man immer wieder gerne hört.

Das Ende ist unerwartet gruselig. Very british eben. Gut dass man es nur hört und nicht sehen muss. Allerdings entspricht dies ja dem aktuellen Zeitgeschmack.

Begleitet werden die Dialoge durch ruhige melodiöse Musik wie sie heute nur noch selten zu hören ist.

 

 

Fazit

 

Lestrade tritt aus dem Schatten von Holmes als überzeugender Serienheld heraus. Als Typus völlig anders, aber eine echte Alternative zu den immer neuen Holmes/Watson-Fällen. Technisch eher schlicht, sprachlich fein gearbeitet.

 

Wertung  80%

 

Dauer 60 min

 

 

Verfügbarkeit

 

Bei Amazon Music  oder in den gängigen Streaming-Diensten sowie als CD bei Allscore

 


 

 


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