Mittwoch, 21. Oktober 2026

Gruß aus der Küche – Krimigroteske für Dummies

 

Erstellt mit AI


Eine Überraschung: Der WDR veröffentlicht Frühherbst 2026 ein Hörspiel einer jungen, unbekannten Autorin: Sarah Claire Wray, die sich auch gleich an die Regie wagt. Zudem löst sich der WDR mit einer Spieldauer von 47 Minuten vom klassischen Zeitformat. Die Latte liegt hoch: „Gruß aus der Küche“ muss sich mit so namhaften Autoren wie Tom Hillenbrand und Robert Brack messen, die bereits Krimis in der Welt der Sterne-Küche geschrieben haben. 

Inhalt

Gymmi ist Auszubildende im Sternelokal „Echtzeit“. Knüppelharte Arbeit, rauer Umgangston und einen Ekel als Chef. Aber genau das war schon immer ihr Traum. Der Eigentümer und Chef Nils ist ehrgeizig und strebt einen weiteren Stern hat. Hart, aber auch eine tolle Herausforderung für das Team, weil es anders nicht klappen kann. Die Sous-Chefin Milena hat jedenfalls immer ein offenes Ohr für Gymmi. Doch dann fehlt Milena mehrere Tage. Erst spät ist sie für Gymmi erreichbar und hat eine beunruhigende Nachricht. Sie hat Nils beobachtet wie er etwas vertuscht. Etwas was die Existenz des Lokals und des gesamten Teams gefährdet. Wie soll sie mit dieser Info umgehen? Wenn der Verdacht falsch ist, bekommt sie die Schuld. Doch Gymmi und Milenna machen sie erst mal schlau. Wie ist Nils an das Lokal gekommen? Wo hat er seine Erfahrungen gesammelt? Für die beiden wird es ein Tanz auf dem Vulkan. Ständig Neugier und Risiko abwägen. Erst der Besuch in einem Altenheim birgt Neuigkeiten.

Das Hörspiel

Das Hörspiel bildet den Mikrokosmos Teamarbeit im Sternelokal intensiv ab. Ständiger Druck, Befehl und Gehorsam. Das geht allerdings bis zur Persiflage, wenn das Team ständig im Chor jubelt: „Jawohl Nils“ oder ähnliches. Aber menschlich bleiben alle Personen flach und eher charakterlos, was den Sprechern das Leben schwer macht. Die Story wird zügig erzählt, der Hörer folgt über weite Strecken den Ich-Erzählungen von Gymmi. Allerdings ist dann der Plot derart platt, dass der Hörer diesen vermeintlichen Krimi nur als Groteske wahrnehmen kann. Das hätte jeder Oberstufenlehrer als banale Plattheit zurückgehen lassen. Thema verfehlt.

Fazit

Hier wird die Redaktion zum Fürsorgeteam für junge Autoren und nicht Kurator des Hörers. Schade um die Zeit.

Wertung            60 %

Dauer                 ca. 47 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 11. Oktober 2026

Einer von uns – Ein wundervoller Lauschgenuß

 

© ARD / Jürgen Frey


Der 214. Radio-Tatort ist bereits der 22. Fall des Hammer Teams. Bei einer solchen Serienproduktion bleiben Hochs und Tiefs nicht aus. Phänomal ist aber, dass die vier Ur-Typen aus dem Looser Team Hamm immer noch lauschenswert sind: Den Sprechern Uwe Ochsenknecht (Scholz), Matthias Leja (Lenz), Christine Prayon (Ditters) und der unnachahmbare Söhnke Möhring (Latotzke), der im Fernsehen gerne von seinem Bruder verdrängt wird, gebührt höchstes Lob. Kein Tatort-Autor ist so ideenreich, sprachgewaltig und immer auch selbstironisch wie Dirk Schmidt. Da freut man sich auf jedes neue Werk.

Inhalt

Das Hammer Team der Kripo setzt sich aus Loosern zusammen. Keiner geht freiwillig nach Hamm. Jeder hat seine Schwächen, aber auch Stärken. Alle vier stürzen sich auf einen neuen Mordfall. Benno, der legendäre Spürhund, wurde erschossen. Benno kann in wenigen Sekunden Drogen und Datenträger erschnuppern. Aber sein Hundeführer Kilian Dalberg ist auch verschwunden. War Dalberg das eigentliche Ziel von Drogendealern? Darauf deuten auch Hinweise seiner engen Kollegin Gülce: Dalberg hat wohl selbst gedealt.  Tapfer nehmen die Vier ihre Ermittlungen auf: Latotzke telefoniert mit Kumpels, Ditters geht seine letzten Tage durch und findet eine heiße Spur. Auf einer seiner Touren mit Benno hat Dalberg einem IT-Spezialisten für Datensicherheit das Haus gerettet. Er hatte ein Feuer an der Gartenhütte entdeckt und ihn gewarnt. Benno, IT und Datenträger. War da was? Steckt da was ganz Großes dahinter?  Sie sind entschlossen, hier das ganz große Ding zu drehen und bereiten einen nächtlichen Einsatz in der Firma des IT-Spezialisten vor. Kein High-Tech, aber ein extrem gefährlicher Hund.  Doch wie so oft, kommt es anders als gedacht. Und Dalberg bleibt verschwunden. Bis Latotzke eine Idee hat.

Das Hörspiel

In diesem Hörspiel passt alles zusammen. Alle vom Team kommen ausführlich zu Wort und Tat, ihre Plänkeleien sind allein schon hörenswert und vermitteln immer auch ein Bild vom Typus. Beim Autor Dirk Schmidt gibt es keine Rolle, der man nicht auch etwas Sympathisches abgewinnt. Die Handlung ist immer schlüssig und nicht an den Haaren herbeigezogen. Tempo und Ruhe liegen in einer angenehmen Waage. Alles zügig erzählt und mit stimmigen Geräuschen und dem ruhigen Hamm-Motiv unterlegt. Mit IT-Sicherheit und Drogen werden brisante Themen aufgegriffen, die auch wunderbare Hörmomente erlauben. Aber bei Dirk Schmidt sollte sich der Hörer jeden Satz und jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen. Schmidt gewährt auch immer einen Blick in die Innenwelt der Polizei, wo systematisches Vorgehen gegen Spürnase agiert. Eine besondere Kunst des Autors ist es, Erwartungen aufzubauen, um sie dann mit wenigen Worten oder Sätzen zu zerstören. Ist Kilian Dalberg eine gefährlicher Drogendealer oder nur ein verängstigtes Häschen? Wie endet der präzise vorbereite Einsatz des Teams? 

Fazit

Das Hammer-Team: Immer wieder ein großes Hörvergnügen. Das Sprecherteam und der Autor sind ein Solitär in der Tatort-Welt.  

Dauer                 ca. 55 Minuten

Wertung             95 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds

Sonntag, 4. Oktober 2026

Tödliches Internet – Gute Discounterware

 




Die Tacheles-Reihe von Hermann Media lebt von seiner Hauptrolle:  Henk Faber, bisher Rollstuhlfahrer ist immer direkt bis unhöflich, beständig leicht zotig, keinesfalls politisch korrekt. Der ausgleichende Teil ist seine Kollegin Lena Schröder, eine junge Kommissarin. Bisher sind seit 2023 10 Episoden erschienen. Autor ist jeweils der Routinier Marcus Meisenberg. Die älteren Folgen sind inzwischen für 2,50 € zu bekommen.

Inhalt

Babsy Beauty ist eine erfolgreiche Influencerin für Beauty-Produkte. Sie wirbt und verkauft eigene Produkte. Die hohe Zahl von Followern ermöglicht ihr, einen Techniker einzustellen und mit hoher Qualität zu senden. Doch nun trifft sie der Schock: Sie kommt vom Shoppen mit ihrem Techniker Sven Richter in ihr Studio zurück und findet eine unbekannte Leiche auf dem Stuhl. Offensichtlich mit einer Giftspritze ermordet. Das Studio ist verwüstet. Henk Faber und Lena Schröder ermitteln. Henk kann mit Followern nichts anfangen und geht extrem skeptisch an die Ermittlungen. Immerhin findet sich ein Satz Dietriche zum Hineinkommen. Aber es gibt noch mehr Hinweise. Babsy wurde gestalkt und beim Stalker finden sich viele Bilder von ihr. Und Babsy hat Ärger mit ihrem Techniker: Sie will ihn loswerden. Doch Henk hält das alles für inszeniert. Er glaubt nicht mehr, daran, dass Babsy so strohdumm ist, wie sie sich inszeniert. Er lässt sie in U-Haft bringen. Doch der Staatsanwalt sieht keine Schuld und lässt sie frei. Genau in dem Moment ergeben sich Hinweise, die auf eine komplett neue Spur führt.

 

Das Hörspiel

Die Handlung ist weitgehend schlüssig und unterhaltsam inszeniert. Immer wieder ergeben sich neue Gesichtspunkte und der Hörer wird zunehmend neugieriger. Ähnlich wie Babsy hat auch Henk andere Seiten. Trotz seinem Unverständnis für IT und Influencer ermittelt er sorgfältig und hält sich in dieser Episode eher zurück. Meisenberg greift mit diesem Hörspiel ein sehr aktuelles Thema auf: Lassen sich Influencer von der Werbung beeinflussen? Womit verdienen sie ihr Geld? Themen, die öffentlich nicht erörtert werden. Musik und Geräusche sind eher sparsam eingesetzt. Die Sprecher nicht unbedingt Bundesliga-Niveau. 

Fazit

Unterhaltsame Discounter-Ware, die ihren Zweck preisgerecht erfüllt. Qualitative Wunder darf man dafür nicht erwarten.

Dauer                 ca. 55 Minuten

Wertung             70 %

Verfügbarkeit    Hermann Media oder die gängigen Streaming-Dienste

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 27. September 2026

Babylon Berlin Staffel 5 Haus Vaterland – Ein großes Ohr-Kino

 



Ein Mammut-Projekt geht zu Ende. Im Herbst 2026 veröffentlicht die ARD die endgültig letzte Staffel von „Babylon Berlin“. Wiederum als opulenten Mehrteiler im Fernsehen und Radio. 2018 startete mit „Der nasse Fisch“ die erste Staffel, die dritte Staffel „Goldstein“ erschien 2022. Mit „Haus Vaterland“ enden die Geschichten um Gereon Rath und Charlotte im Berlin der 1930-er Jahre. Basierend auf den Romanen von Volker Kutscher. Nun hat sich die Zeit verändert, Berlin seinen Charme etwas verloren und Zuschauer und Hörer sind neugierig, ob der Stoff auch heute noch funktioniert. Es ist jedenfalls schon beeindruckend, dass das Sprecherteam und die Regie durchgehalten haben.

Inhalt

Berlin, Ende der 1920-er, Anfang der 1930-er Jahre. Die lebensfrohe Weltstadt wird zunehmend von wirtschaftlicher Krise und einem Erstarken der Nazis geprägt. Mittendrin Gereon Rath als Kommissar und seine Freundin Charlie Ritter, Kommissaranwärterin. Gerade zurück aus Paris. Doch für Privatleben bleibt wenig Zeit. Ein Mord im renommierten Vergnügungstempel Haus Vaterland führt Gereon weit in die Masuren an der Ostgrenze und in Lebensgefahr. Charlie ermittelt als Aushilfe undercover im Haus Vaterland. Aus einem rätselhaften Mord an einem Schnappspanscher wird eine Mordserie. Alle Opfer verbindet die gemeinsame Vergangenheit. Charlie drängelt sich in ein neues Gewaltverbrechen: Die junge Hanna, ein Straßenmädchen und Jüdin wurde schwer verletzt und traumatisiert. Dann kommen die Nazis an die Regierung, der Reichstag und die un-deutschen Bücher brennen. Und viele biedern sich an. So auch der Kriegsveteran und Autor Roddeck, der eine Buch über seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg schildert. Aber auch Angst um sein Leben hat. Denn damals ging es um Mord und viel Gold und Roddeck hat Angst vor Rache. Nicht zu unrecht. 

Das Hörspiel

Vorab: Die Hörspielreihe hat wenig mit den parallelen Fernsehepisoden zu tun und ist deutlich näher an den literarischen Vorlagen. Die Episodenreihe ist eigenständig, aber leichter nachvollziehbar, wenn man die Vorgänger gehört hat. Auch diesmal wieder opulente Filmmusik, viele parallele Stories immer mit bewegender Atmosphäre, die aber nicht immer zueinander finden. Die Stammsprecher sind wieder dabei und erfüllen ihre Rollen bestens. Niemand kann den Unterweltpaten Mahlow mit seiner tiefen, sonoren Stimme besser sprechen als Reiner Schöne. Die Reihe ist stark politisch, spiegelt den Zeitgeist wider und ist auch etwas Krimi. Dabei sind die Plots des Autors Kutscher nicht immer überzeugend. Sehr viel Handlung, sehr viele Rollen erfordern konzentriertes Hören und lassen keine langen Pausen zwischen den Folgen zu. Die Episoden enden mit schönen Cliff-Hangern, starten aber nicht mit Zusammenfassungen. Neben der Liebesgeschichte zwischen Gereon und Charlotte ist das Hörspiel immer ganz nahe an den Menschen, ihren Sorgen, ihren Entwicklungen. Und Mini-Szenen wie mit einem dunkelhäutigen Barmann (Husen) , den Straßenkindern wie Hanna und Fritzi oder den Köllner OB Adenauer sind kleine Highlights, die das Überladene und den ständigen moralischen Zeigefinger vergessen lassen. Trotz kleiner Schwächen wiederum ein Meisterwerk, das uns 2026 stärker bewegen sollte als noch vor wenigen Jahren

Fazit

Ein Muß für jeden Hörspielfan, für alle anderen ein sehr unterhaltsames, spannendes Stück Zeitgeschichte.  

Dauer                    5 Episoden je ca. 45 Minuten

Wertung            85 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds als Podcast

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis zur Nutzung von KI-Tools

Mit Zusendung der Rezension bestätigt die Rezensentin / der Rezensent, dass die Rezension auf eigener Lektüre, eigener Einschätzung und eigener redaktioneller Leistung beruht.

KI-Tools dürfen ledi

Sonntag, 20. September 2026

Alles was wir voneinander wissen – Ein seltenes Highlight

 

Mit AI erstellt


Bettina Wilpert ist eine junge Autorin, die noch nicht viel veröffentlicht hat. Sie lebt als freie Autorin und Mutter zweier Kinder in Leipzig. Ihr erfolgreichstes Buch „nicht., was uns passiert“ wurde für das Hörspiel bearbeitet. Im Übrigen hat sie viele Kinderhörspiele geschrieben. Regie führt Petra Feldhoff, die mit dem Zweiteiler „Miss Terry“ von Liza Cody gezeigt hat, wie nahe sie Frauenschicksalen folgt. Veröffentlicht vom WDR im Sommer 2026.

Inhalt

Die 27-jährige Elli wurde brutal ermordet. Mit einem Hammer, wie man ihn im Baumarkt kaufen kann. Beim gewohnten Joggen im Auwald. Ihre Leiche wurde erst eine Woche später gefunden, allerdings kaum verwertbare Spuren. Die Polizei agiert routinemäßig. Alibis werden überprüft. Gut ist. Kein Nachhaken. Elli war eine junge, lebenslustige Studentin, mit vielen Freundinnen und Freunden.  Beim Tanzen konnte sie die Welt um sich herum vergessen. Vor einem halben Jahr hat sie sich von ihrem Freund getrennt. Es folgte eine harte Zeit, da er sie gestalkt hat.  Kurz vor ihrem Examen hat sie ihr Lehramtsstudium hingeschmissen. Zum Unverständnis und Ärger ihrer Mutter Brigitte. Neue Erkenntnisse gibt es erst als im Podcast „Kalter Kaffee“ Mitschnitte von Telefonate Ellis mit ihrer besten Freundin Lenja veröffentlicht werden. Elli hat sich eine verheimlichte Auszeit an einem italienischen See gegönnt. Doch auch dort wurde sie gestalkt. 

Das Hörspiel

Schon die Vorlage ist ein Meisterwerk: Der Hörer folgt der Handlung aus ständig wechselnden Perspektiven: Mutter, Freundin, Podcaster, gegen Ende sogar noch ein Gericht. Jeder Perspektivwechsel erhöht die Spannung, weil neue Informationen präsentiert werden, folgt dabei aber dem klassischen Krimi: Wer hatte die Gelegenheit und/oder ein Motiv. Auch wenn hier unstrittig Femizide thematisiert werden, ist die Autorin bis auf die Knochen neutral. Selbst die möglichen Täter wirken irgendwie sympathisch. Und dann die Erzählperspektiven: Ich- Erzähler, Telefonate zwischen Freundinnen, Podcasterinnen und eine Gerichtsverhandlung, deren Ergebnis anders ist als der Hörer erwarten darf. Die Podcasterinnen und sozialen Medien sind auch keine Unschuldslämmer. Und immer wieder auftauchend die Story von Angst der Frauen im Wald: Mehr vor einem Mann oder einem Bären. Und das alles wird wunderbar inszeniert. Die Autorin legt auf jedes Wort wert, selbst wenn es nur dahin genuschelt ist. Die sensible Autorin erinnert daran, dass auch der Geruch der Haare einen Menschen charakterisieren kann. Selten hört man so gelungen Tempowechsel. Hier wird keine Sprache inszeniert, sondern ein Charakter vermittelt. Musik spielt keine große Rolle, aber die Geräusche. Es gibt Momente, in denen der Hörer einem Fluss oder einem Specht lauschen darf. So muss großer Hörgenuss sein. Eine Anklage gegen Femizide, die auch Männer und Behörden bewegen kann.

Fazit

Von Vorlage und Inszenierung her, ein Sahnehäubchen für Liebhaber politischer Themen und raffinierter Krimis.

Wertung            95 %

Dauer                 ca. 55 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

Montag, 14. September 2026

Hase tot - Eine Überforderung

 

© ARD / Jürgen Frey


Der 212. Radio Tatort entführt den Hörer wieder in die Pfalz mit ihrem sympathischen Sprachklang. Autorin der 7. Episode mit dem Team aus Landau ist Uta-Maria Heim, die schon die 2. Episode schrieb. Trotz wechselnder Autoren bleibt das Setting erstaunlich gleich: Protagonistin ist die junge Kommissarin Anima King, die gerade nach Ludwigshafen zur Kripo gewechselt ist. Anima hadert mit ihrer Chefin Fe Ekkelsberg, die ihre Förderin ist, aber im Umgang auch nicht einfach.

Inhalt

Der Einstieg ist nicht so, wie Anima es sich vorgestellt hat. Keine spannende Ermittlungsarbeit, sondern ein Lehrgang zum Umgang mit Gewalt gegen Frauen, also eher präventive Arbeit. Doch die Wirklichkeit holt Anima schnell ein. Martina Stadler hat ihren Mann Gunnar wegen Gewaltanwendung angezeigt. Beim Hausbesuch trifft Anima auf den kläffenden Dackel Frau Hase und ein Jagdgewehr, das an der Wand hängt!  Doch bevor sie etwas unternehmen kann, folgt ein Auftrag von Fe: Milan Helfer wurde vor die S-Bahn gestoßen. Er hat nicht überlebt. Milan war als Gewalttäter aktenkundig. Er hat immer wieder seine Ex-Freundin Lucy Stadler misshandelt. Aber Lucy kann nicht Täterin sein, sie war mit ihrer Tochter Nora unterwegs. Kommt sonst jemand aus der Familie in Frage? Jedenfalls nicht die Großmutter Gertraud Stadler, die ist dement und lebt im Heim und liest Patricia Highsmith auf ihrem ebook. Und wieder eine Wendung: Gunnar Stadler wird erschossen. Dank Frau Hase kommen die Ermittler der Lösung des Falles nahe. Der Hund hat eine Stück Stoff erwischt.

 

Das Hörspiel

Wie auch in den anderen Episoden gibt es immer wieder innere Dialoge von Anima. Auch ist Anima nicht nur Ermittlerin, sondern auch Privatperson. Sie hadert mit ihrer Mutter und wird ihren Vater nicht los. Er war selbst Täter in der elterlichen Ehe. Die Geschichte wird abwechslungsreich und unterhaltsam erzählt. Trotz des wichtigen Themas Gewalt gegen Frauen, wird nicht ohne Augenzwinkern erzählt und manches selbstkritisch hinterfragt. Allerdings kann der Hörer der Handlung kaum folgen, weil man bei der Anzahl von Namen und Familien den Überblick verliert. Dann kommt noch hinzu, dass zwei Sprecher auch noch jeweils verschiedene Personen spielen. Da helfen auch die kurzen Zusammenfassungen der Anima wenig. Wem es gelingt, die Konzentration nicht zu verlieren, wird den Fall schneller als Anima lösen können, weil sie einem entscheidenden Hinweis nicht folgt. Der Plot kann auch nicht wirklich überzeugen. Genauso wie der Titel: Hase tot. Die Jagd nach den Tätern ist ja nach diesem Bläsersignal nicht abgeschlossen, sondern geht immer noch weiter.

Fazit

Professionell gemacht, aber letztlich eine Zumutung für die Hörer.

Wertung:           70 %

Dauer                 ca. 55 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

 

 

 

 

 

Sonntag, 6. September 2026

Mit Schirm und blinkender Pistole – Nett aber überflüssig

 

Buchcover



Die 1931 geborene Autorin ist vor allem durch ihre Inspector Jury Romane bekannt und beliebt geworden. Sie spielen im guten alten England und leben von den Charakteren der Hauptpersonen: Inspector Jury, sein schwieriger Chef, der immer verschnupfte Sergeant Wiggins und der adlige Melrose Plant. Der MDR hat 12 dieser Romane als Hörspiel bearbeitet. In der Sommerpause von „Kein Mucks“ gräbt ARD Sounds eine vierteilige Mini-Serie des SWR aus dem Jahre 1996 aus.

Inhalt

Die vier Episoden spielen im beschaulichen Little Pudley Sussex. Es gibt alles, was man für einen England-Krimi braucht: Den Inspektor Modergard, der undercover ermittelt und deswegen nie zu hören oder sehen ist: den tatsächlich ermittelnden Detective Sergeant Billingsgate,  eine Gutsherrin, einen schleimigen Neureichen und selbstverständlich einen Gärtner sowie eine Köchin. Zu guter Letzt tritt auch noch Martha Grimes herself auf. Ständig passieren irgendwelche üblen Geschehnisse und der Detective kommt nicht recht voran, zumal von seinem Chef immer nur der Trenchcoat zu sehen ist. 

 

Das Hörspiel

Die Miniserie ist eher eine Spielwiese der Autorin, die ihr eigenes Genre gehörig auf die Schippe nimmt. Spannung darf man nicht erwarten, wenngleich viel geschieht und reichlich witzige Szenen vorhanden sind. Die Protagonisten sprechen den Hörer häufig direkt an, so auch Grimes, die erläutert, warum sie die Szene gerade so geschrieben hat. Da wird dann auch etwas Literaturtheorie untergebracht. Nervig ist allerdings, dass ein Großteil des Textes in Reimen und uralten Rhythmen sowie gestelzten Sätzen geschrieben ist. Allerdings ist es eine Freude, dieser namhaften Sprecherriege zuzuhören. Die sparsam begleitende Musik kommt von einem Kontrabass.

Fazit

Freunde der Jury-Bücher und Hörspiele sind hier fehl am Platz. Eine Episode hätte es auch getan.

Wertung: 60 %

Dauer                 4 Episoden je ca. 30 Minuten.

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

Cronenbergs Erbe – Mystery at it´s best


erstellt mit AI


Beim Marketing als Krimi ausgewiesen, ist das Hörspiel doch eher dem Genre Mystery Thriller zuzuordnen. Text und Regie des Dreiteilers stammen von dem erfahrenen Martin Heindel, ein Regisseur mit Neigung zum SiFi, der aber auch „Sissi“ inszeniert hat. Pünktlich zur Sommerpause 2026 beim Bayerischen Rundfunk erschienen.

Inhalt

Die Cronenbergs tun sich schwer mit ihrem Erbe. Heute eine ganz normale Familie stammen sie aus adligem Hause. Der Vater hat das „von“ schon mal abgelegt. Verständlich, denn es gibt viele dunkle Flecken in der Familiengeschichte. Hat der Urgoßvater seine Frau umgebracht? Das meiste bleibt verdrängt, nur irgendwo in einem Ferienhaus liegen noch ein paar alte Fotoplatten. Und genau diese wollen die Entführer von Kadira haben, der 16-jährigen Tochter. Nun bricht die heile Welt zusammen. Die Polizei ermittelt, die Eltern versuchen alles, ihre Tochter zu befreien und Sami, der Freund von Kadira und ihr Bruder Tom gehen eigene Wege. Tatsächlich gelingt es ihnen, Kadira zu befreien, aber die Probleme reißen nicht ab. Kadira ist nicht mehr die alte. Sie hört Stimmen, ist verwirrt. Die Fotoplatten stammen aus der Übermensch-Reihe des Ururgroßvaters.  Von diesen Geisterbildern scheint ein unheimlicher Sog auszugehen. Kadira ist zwar frei, wird aber schnell wegen ihrer wirren Gedanken von ihren Eltern in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Und trifft dort ihrer Entführer wieder!

Das Hörspiel

Die drei Folgen bilden ein geschlossenes Ganzes und der Hörer sollte keine allzu langen Pausen einlegen. Auch schon deshalb, weil es ein ausgesprochen spannender Krimi ist. Nun ja, eben mit einer Portion Mystery. Es gibt drei Ermittlerteams: Die Polizei, der Bruder und ihr Freund sowie die Eltern. Protagonistin ist Kadira, wunderbar gesprochen von der unbekannten Samira Isa Benhane. Dem Autor und Regisseur ist ein kleines Kunstwerk gelungen. Es gibt ruhige Szenen, dann wieder echte Reißer. Mystische Gedankengänge und dann wieder ganz normale Polizeiarbeit. Es gibt eine klassische Entführung, aber auch eine zarte Liebesgeschichte mit Kadira und Sami. Alle Rollen sind warmherzig und glaubhaft gestaltet, bis auf die Entführer möchte man alle knuddeln. Die Sprache entspricht der realen Welt, keine künstlich jugend-affine Formulierungen. Heindel erzählt viele Geschichten. Eine Familie, die mit einem schwierigen Erbe umgehen muss. Entführer, die mit den Bildern eine andere Form des Daseins suchen, die Polizei inmitten dieses Chaos und (fast) immer zu spät. Gibt es Stimmen aus einer anderen Welt, die einem Befehle zuflüstern? Oder sind es eigene Versuche, einen Ausweg aus einer schwierigen Welt zu suchen?

Fazit

Uneingeschränkte Empfehlung einzutauchen in ein Hörerlebnis ersten Ranges mit einem Lauschen in fremde Welten.

Dauer                 3 Folgen zu ca. 55 Minuten

Wertung            90 %

Verfügbarkeit    ARD Sounds 

 

  

Sonntag, 30. August 2026

Einmal Zukunft und zurück – Solide Hausmannskost aus Santa Monica

 




Unüberhörbar wendet sich die Reihe an die ehemaligen Kassettenkinder von „Die drei ???“. Mit ihren Hörern sind die Detektive alt geworden und ermitteln nun als Senioren in einer moderneren Welt: Julian Parks, Camryn (Cam) Joyner und Doreen Manheim. Mit der neuen 6. Staffel gibt es bereits 35 Episoden! Die Hörer finden also gefallen an der Reihe. Contendo arbeitet nach dem Grundsatz: Back to the roots und das meiste ist hörbar handgemacht. 

 

Inhalt

Small Talk und etwas Langeweile. Kein Auftrag in Sicht. Aber dafür gibt es Post. Alle drei erhalten Briefe mit gleicher Aufmachung. Das ist auch kein Auftrag.  Aber eine Einladung. Da sie alle in der gleichen Highschool waren erhalten sie auch alle eine Einladung zum Ehemaligentreffen.  Eine tolle Gelegenheit sich mit alten Freunden zu treffen und zu schauen, ob die Stinkstiefel von damals heute immer noch komisch sind. Schon am Eingang erleben sie die erste Überraschung: Der neue Direktor ist der Sohn vom alten Direktor! Und was die neuen Schüler so erzählen, hat er die gleichen Macken wie sein Vater. Und er sieht ihm extrem ähnlich. Ist er ein Zeitreisender? Doch die tolle Stimmung geht jäh zu Ende als zwei bewaffnete und vermummte Männer, die Bühne stürmen und ein Tribunal veranstalten. Wollen sie sich für alte Schandtaten rächen? Aber die beiden meinen es ernst und schießen.

Das Hörspiel

Man muss das Hörspiel als Gesamtpaket verstehen. Die einprägsamen Stimmen, die Titelmelodie und seichte handgemachte Begleitmusik sowie eine Handlung, die zügig erzählt wird und immer wieder Höhepunkte erlebt. Die drei Senioren frotzeln, kokettieren mit ihrem Alter, haben aber immer noch einen scharfen Verstand und setzen sich überraschend mit jungen Leuten auseinander. Gelegentlich etwas zotig und abwegig. So nebenher wird dann ein hochpolitisches Thema eingearbeitet. Kann man sein Leben mit modernen Technologien verlängern oder vervielfältigen? Ein Blick in die Zukunft und dann wieder zurück? Da ist es doch schön zu hören, dass die Detektive sich auch noch über ein uraltes Dampfradio freuen können.

Fazit

Solide Hausmannskost über die sich die Stammhörer freuen. Für Neugierige ist eher die erste Staffel zu empfehlen.

Dauer            63 Minuten

Wertung        70 %


Verfügbarkeit         Contendo oder die gängigen Streaming-Dienste

 

Montag, 24. August 2026

Albatros Down- Cozy-crime mit Sozialkritik

 




Nach drei Jahren Pause startet Hermann Media im Sommer 2026 eine neue Staffel, der Reihe Lefèvre & Murphy. Pierre Lefèvre ist ein ruhiger, kluger französischer Berufsdetektiv, der stark an Poirot erinnert. Willow Murphy ist eine lebenslustige Irin, die zufällig an seiner Seite in Kriminalfälle gerät. In den ersten vier Episoden haben sie frotzelnd und cozy Fälle in der ganzen Welt gelöst. Marcus Meisenberg bleibt der Autor, allerdings müssen sich die Hörer an neue Stimmen der beiden Detektive gewöhnen.

 

Inhalt

Paris in der Gegenwart. Eigentlich will Lefèvre den Charme und die Schönheit der Hauptstadt zeigen. Doch bereits am ersten Tag erhalten sie ein Päckchen mit ungewöhnlich viel Geld und einem Auftrag: Ein Amphibienflugzeug wurde mitten in der Nacht vom Hangar eine Werft entführt: Der Albatros. Dabei haben die Diebe auf Menschleben keine Rücksicht genommen. Der Zugang in die Flugzeughalle wurde nur durch die Chipkarte eines Toten möglich. Das Radar gibt keinerlei Hinweise auf irgendwelche Flüge. Allerdings hat Willow eine gute Idee: Sie googelt nach Beschwerden über Fluglärm in den letzten Tagen und es ergibt sich eine erste Spur. Auch weil Beiden immer irgendwo einen Helfer finden. Je näher sie der Lösung des Falles kommen, umso gefährlicher wird es für sie. Am Ende bringt Willow die Flugsicherung zur Verzweiflung rettet aber mit einer Landung auf der Seine die Detektive und dutzende Menschen.

Das Hörspiel

Das Hörspiel lebt von den Dialogen dieser beiden Detektive, die nicht liiert sind. Nett und frotzelnd nähern sie sich der Lösung. Dabei helfen Kontakte, Zufälle und intensives Mitdenken. Der französische Akzent von Lefèvre ist heftig, Murphy kichert etwas viel. Die Story braucht viel Anlauf. Richtig spannend wird es erst in den letzten 15 Minuten. Bis dahin wird vieles zusammengebastelt, was nicht wirklich zusammenpasst. Aber dafür stimmt die Atmosphäre. Die im übrigen brillant von Musik und Sound unterstützt wird. Ein Flugzeughangar gibt da auch viel her. Mutig, dass der Autor am Ende ein hochpolitisches und sensibles Thema in den Vordergrund rückt. 

Fazit

Ein grundsolider cozy-crime, den man sich an einem ruhigen Abend gönnen kann.

Wertung       80 %

Dauer            67 Minuten

Verfügbarkeit         Hermann Media oder die Streaming-Dienste

Samstag, 15. August 2026

Sherlock Holmes in Rio – Ein albernes Hörfestival

Buchcover

 


Sherlock Holmes ist bis heute für spannende Krimiunterhaltung gut. Da die Rechte an der Figur, anders als bei Agatha Christies Poirot, längst abgelaufen sind, dürfen Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Der SWR veröffentlicht im Sommer 2026 eine dreiteilige Episodenreihe, die auf einem Roman des Brasilianers Jô Soares beruht. Das Buch wurde bereits 1997 auf Deutsch veröffentlicht. Regie führt der Routinier Alexander Schuhmacher, der sich ein paar weniger bekannte Sprecher ausgesucht hat. 

Inhalt

Rio, 1888. Dem aufgeschlossenen Kaiser Don Pedro II geschieht ein Malheur.  Er hat einer seiner Konkubinen still und heimlich eine Stradivari geschenkt. Und die ist nun verschwunden. Die berühmte französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt, die gerade auf Tournee in Brasilien weilt, empfiehlt ihm den berühmten Detektiv Sherlock Holmes und seinen Kompagnon Dr. Watscon für diskrete Ermittlungen einzuladen. Gesagt getan.  Doch dabei bleibt es nicht. Der einheimische Kommissar Pimenta schaltet Holmes ein, um einen Frauenmörder zu fassen. Der Mörder hinterlässt fast keine Spuren, aber er schneidet Ihnen die Ohren ab und legt eine Geigensaite auf ihre Scham. Gibt es einen Zusammenhang zur gestohlenen Stradivari? Holmes ermittelt in der Szene der reichen und kunstverliebten High-Society, taucht tief in die Mythen und Lebensweise der Brasilianer ein. Und verliebt sich in eine junge Schauspielerin, die ihm die Jungmännlichkeit nimmt. Aber dem Mörder kommt er nicht auf die Spur. Enttäuscht reist er nach Hause. Da muss der Mörder schon seine eigene Geschichte erzählen. Und beweist, dass man ihm durchaus auf die Schliche hätte kommen können.

Das Hörspiel

Ein brasilianischer Journalist führt jeweils mit seinen Erinnerungen in die Episode ein, sodass der Hörer zwischen den Folgen gut pausieren kann. Man hört im Übrigen den Mörder laut nachdenken, der gut trainierte Hörer erkennt ihn womöglich. Ansonsten geht es hier nicht im Entferntesten um irgendeine schlüssige Handlung. Sicher, Holmes wird entblättert und seine menschliche Seite entblößt. Sein deduktives Verfahren ins Lächerliche gezogen.  Er wir eigentlich als Knallcharge präsentiert. Im Wesentlichen sind die Episoden ein wunderbares Hörfestival, das man nicht ernst nehmen muss. Hier wird gerülpst, gefurzt, gefressen. Die Sprecher dürfen sich mit allem, was ihnen an Tönen zur Verfügung steht, austoben. Brasilien mit seinen mythischen Geistervorfahren ist eine unerschöpfliche Quelle. Dabei erfährt der Hörer auch einiges über das Land und die Zeit. Das alles geschieht in einem hohen Tempo und mit immer neuen Einfällen. Eine Satire wie es das ARD Marketing glauben machen will, ist es nicht. Dafür fehlt eine ernstzunehmende Komponente. Das Hörspiel ist nicht spannend, aber unterhaltsam. Der finale Plot ist einfallsreich und überraschend. Etwas kürzer hätte noch mehr Würze ergeben.

Fazit

Sicher für manche Hörer schlicht albern. Aber für alle, die noch beide Ohren haben, kann es ein Spaß sein, der ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Dauer                        3 Folgen zu ca. 55 Minuten

Wertung                   75 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

Sonntag, 9. August 2026

Grow - Tiefer kann ein Radio Tatort kaum fallen


© ARD / Jürgen Frey



Der Schweizer Rundfunk öffnet nun zum fünften Mal mit seinem neuen Tatort, das Tor in die nahe Zukunft. Autor ist wie gewohnt Dominik Bernet, Regie führte Mark Ginzler. Protagonisten sind die Ex-Kommissarin Laura Martini und ihr Ex-Chef Luzy Kalberer, inzwischen Chef des allmächtigen Swiss Health Institut, kurz SHI. Die beiden waren zunächst spinnefeind, bis sie mehr und mehr Vertrauen zueinander fanden und zuletzt gemeinsam agierten. Die Handlung spielt immer um 2056 irgendwo in der Schweiz.

Inhalt

Grow: DAS Schweizer Unternehmen mit seinem Haarmittel eines der reichsten Unternehmen der Schweiz und der Welt. Seinen Firmen- und Produktionssitz hat es an einem der letzten Gletscher der Alpen. Weil der wichtigste, geheime Rohstoff aus dem Gletscher stammt. Nach der Vision des Gründers wird dort in Hightech-Jurten gelebt und gearbeitet. Und dann stirbt dieser Haarwuchsmittel-Milliardär Toni Rose in seiner geliebten und vertrauten Eisgrotte. Ausgerechnet. Aber Morde gibt es in der Schweiz nicht mehr. Laura und Luzy fliegen mit einer Drohne zum Gletscher, um vor Ort Klärung zu suchen. Dort finden sie sich in einer verschwiegenen, teils esoterischen Gemeinschaft wieder. Tonis Bruder Rose hat inzwischen die Leitung übernommen und macht weiter wie bisher. Unterstützt vom Hologrammklon des toten Bruders. Vera und Klara, die beiden Frauen im Leben des Milliardärs beäugen sich skeptisch und widerwillig. Heimlich lassen Laura und Luzy eine Obduktion machen. Kommen sie einem Mord auf die Spur? Hat sich der Tote absichtlich klonen lassen?

Das Hörspiel

Das Hörspiel ist ein Grauen. Tiefer kann man nicht fallen. Sicher, jede Menge tolle Effekte, gute Sprecher und viel Atmosphäre mit Musik. Aber die Handlung ist hanebüchen. Wie wird man denn mit einem Haarwuchsmittel steinreich? Nach gut 30 Minuten beginnt überhaupt erst etwas Handlung. Ansonsten wird permanent gekichert. Der Autor schleudert dem Hörer einen Sprachwitz nach dem anderen zu. Die sind aber nicht witzig, sondern plump. Auch möchte der Autor dem Hörer seinen Kenntnisreichtum von Geschichte, Literatur und Musik vorführen. Außer der Obduktion besteht das Hörspiel nur aus Dialogen. Die Figuren sind allesamt ohne erkennbaren Charakter. Luzy und Laura sind brav geworden. Das Anliegen des Autors ist ja richtig: Er warnt vor einer Zukunft, die von der KI und allgegenwärtigen Regierungen. Und vor Konzernen, die aus Scheiße Geld machen.

Fazit

Ein Ausrutscher dieser tollen Redaktion, die hiermit einen Schlußstrich unter die Reihe setzen sollte.

Dauer                       ca. 55 Minuten

Wertung                   40 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds und SRF (dort mit Downloadfunktion)

 

Samstag, 1. August 2026

Hologrammatica- Wie Scifi und wirkliches Leben sich verbinden

 

Buchcover


Tom Hillenbrand ist ein erfolgreiche Krimi-und Scifi-Autor. Seine Krimis aus der Welt des Koches wurden unlängst in ARD Sounds erneut gesendet. Seit einigen Jahren schreibt Krimis in der Scifi-Welt und inzwischen bei einem dritten Buch angekommen. Hologrammatica mit gut 520 Seiten war 2018 sein Einstieg in diese Welt und hat inzwischen die dritte Auflage erreicht. Der Deutschlandfunk Kultur hat dies Buch nun in eine 9-teilige Hörspielserie gepackt.

Inhalt

Wir haben das Jahr 2088 und eine völlig andere Welt. Protagonist dieser Episoden ist Galahad Singh. Sein reicher Vater ist Eigentümer des Alternativ-Unternehmens Avalon. Galahad hat damit nichts im Sinn. Er arbeitet als Quästor, eine Art Privatdetektiv. Dabei wird er von Sid, seiner digitalen Assistentin unterstützt. Galahad bekommt den Auftrag Juliette Perotte zu suchen. Perotte ist eine wichtige IT-Spezialisten in einem der bedeutendsten Unternehmen der Welt. Galahads Spurensuche schickt ihn in durch die ganze Welt und Galaxien. Er hat mit ganz normalen Menschen zu tun, mit digitalen Körpern und Scheinwelten. Diese Menschen können ihren Körper und Gehirne konservieren und bei Bedarf wieder uploaden. Mit jedem Schritt, der Galahad auf eine Spur führt, wird es gefährlicher und komplizierter.  Es geht um Konzerne, die die Weltmacht anstreben, aber auch um Menschen, die das bißchen „alte Erde“ noch retten wollen. Dabei kommt es zu High-Tech-Schlachten, aber auch zu heftigen Schlägereien. Wird es am Ende alles gut oder ist es noch nicht das Ende? Jede Episode erhält die Spannung aufrecht.

Das Hörspiel

Wir haben es hier mit Scifi zu tun und der Hörer muss sich etwas in die Welt der Cogits und Quantshineindenken. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sich die Begriffsliste des Buches kopieren. Im Übrigen ist alles gut verständlich und nachvollziehbar. Die Episoden sind in sich abgeschlossen, haben eine kleine Einführung und meist einen Cliff-Hanger. Kompliment an die Bearbeitung. Galahad ist der Sympathie-Träger, dem nichts Menschliches fremd ist. Z.B. eine Liebesgeschichte mit dem/der Fran. Oder die Flachsereien mit der niedlichen Sid. Galahad ist der klassischen Private Eye, der sich um Aufklärung bemüht und dabei mit der dunkle Seite der Macht in Konflikt gerät. Die Serie erinnert stark an die großen Filmepen mit Guten und Bösen, Starken und Schwachen, Menschen und Medien, große und kleine Familienkonflikte. Alles gerade in der richtigen Mischung kombiniert. Selbstredend tauchen dann beim Hörer die Fragen auf: Wie wollen wir leben, wie gehen wir mit modernsten Technologien um. Trotz der Modernismen ist die Sprache immer gut nachvollziehbar mit wunderschönen Sätzen von hochklassigen Sprechern inszeniert. Galahad kommentiert gelegentlich als Ich-Erzähler. In den späteren Folgen gibt es parallele Handlungen und der Hörer muss aufpassen, nicht den Faden zu verlieren. Musik und Geräuschkulissen ergänzen jeweils die Hörsituation passend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen

Fazit

Wer sich auf die Scifi – Welt einlässt, erlebt einen hochklassigen Krimi. Wunderschön geschrieben und gelegentlich witzig.

Dauer                        9 Episoden je ca. 45 Minuten

Wertung                   90 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 26. Juli 2026

Truth or dare - Ein Blick in die Kinky-Szene

 

mit KI erstellt


Eigentlich hat die ARD es nicht so mit den Minderheiten. Umso erstaunlicher, daß nun zwei junge, eher unbekannte Autorinnen sich den sexuellen Freuden und Problemen jenseits der Norm widmen dürfen. Jedenfalls beschreibt meine KI die „Kinky-Szene“. Truth or Dare ist dafür nichts Spezifisches. Es gibt reichlich Filme und Bücher mit diesem Titel. Immer geht es um den Konflikt Wahrheit oder Pflicht. 

Inhalt

Malia braucht nach dem Ende einer Beziehung etwas Neues, etwas, was sie aufbaut, ihren Schmerz überwindet und ihr hilft, zu sich selbst zurückzufinden. Und stürzt sich in einen Kölner Club für Schwule, Lesben und andere Orientierungen. Sie findet Stimmung, Lärm und Liebe. Und verknallt sich gleich hemmungslos in Emelie. Hier passt alles. Die gleiche Denke, die gleiche Szene und sie ist wunderschön. Vielleicht entsteht schnell mehr als zärtliche Schmuserei, denn Emelie lädt sie in ihren eigenen Club! Nach einer Woche langen Wartens ist es soweit. Malia wird von einem Chauffeur abgeholt. Upps! Ähh? Er fährt zu einer großen, etwas unheimlichen Villa. Dort findet die queere Party statt, von Emelie nichts zu sehen. Zum Glück geht es Zara ähnlich, auch sie findet sich nicht zurecht. Statt Emilie taucht Liou auf und verkündet, dass bald das Spiel beginnt. Und für Malia beginnt ein grauenhaftes Spiel, dass sie zurück zu ihren Wurzeln schickt, aber statt Liebe und Genuss, Angst und Schrecken verbreitet.

Das Hörspiel

Protagonistin ist Malia, die den Hörer durch ihre eigene Sicht und Stimme begleitet. Es gibt nur einen Club und die Villa von Emilie als Spielorte, aber darin viele Dialoge. Jedes Mal in sehr dichter überzeugender Atmosphäre. Was überhaupt die eigentliche Stärke des Hörspiels ist. Die Stimmen sind variantenreich und glaubhaft. Dazu tragen vor allem die reichlich vorhandenen Sidekicks bei. Sound und Musik vermitteln den Eindruck, der Hörer sei mittendrin. Ein wenig mehr als Bass-Wummern hätte es schon sein dürfen. Der Hörer muss sich auf das dauernde okay, die vielen englischen Szeneslogans und die langen Pausen an den falschen Stellen schon einlassen. Auch wenn das Hörspiel sich von zärtlichen Liebesszenen zu grauenhaften Erlebnissen entwickelt, kann man es kaum als Thriller oder Grauen bezeichnen. Hier wird auf die Schmerzgrenze des Hörers geachtet. Das Hörspiel ist eine Mahnung an jeden Einzelnen: Es gibt keine Heilsversprechen und jeder passe auf sich auf. Wie Malia wegen oder trotz traumatischer Kindheitserlebnisse zu sich findet, bleibt offen. Was das Ganze mit Truth or Dare zu tun hat, können wollen nur die beantworten, die schon an solchen Partyspielen teilgenommen haben. Es ist ja schon bei der Wahrheit allein nicht ganz einfach.

Fazit

Das Hörspiel ist schon extrem auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten und nicht jedermanns Kost. Aber überzeugend geschrieben und gespielt und des Lauschens wert.

Dauer            55 Minuten

Wertung       80 %

Verfügbarkeit         ARD Sounds

 

Gruß aus der Küche – Krimigroteske für Dummies

  Erstellt mit AI Eine Überraschung: Der WDR veröffentlicht Frühherbst 2026 ein Hörspiel einer jungen, unbekannten Autorin: Sarah Claire Wra...